„tableaux“: Dialog zwischen zwei Bildwelten

Iserlohn. Die städtische Galerie Iserlohn zeigt bis zum 5. August die Doppelausstellung „tableaux“, die einen spannenden Dialog zwischen zwei Bildwelten eröffnet. Die zunächst sehr gegensätzlich wirkenden Positionen zeigen in Summe doch Ähnlichkeiten, Korrespondenzen und Ergänzungen.
Die Künstler haben Freie Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf studiert, Norbert Kraus bei Erwin Heerich Bildhauerei und Katharina Mayer bei Bernd Becher Fotografie. Sie haben beide ihr Medium erweitert: Der Bildhauer setzte seine Arbeit in der Belebung der Figuren fort im Medium der 3D-Animation, die Fotokünstlerin in der Belebung im Medium Film. Im Interesse am Skulpturalen, an der Choreografie und am Prozesshaften liegt eine Gemeinsamkeit der Arbeiten beider Künstler.

In den gezeigten Animationen Kristallbrunnen, Cyclamen und 2 x 4, sowie in drei Bildtafeln von Norbert Kraus sind Gestaltbildungen und Figuren zu finden, die alle Referenzen auf kunsthistorische Werke sind. Das kann eine Zeichnung von Dürer sein oder auch ein Film von Samuel Beckett. Diese werden durch die Computeranimation transformiert und in eigenständige Kunstwerke der Jetztzeit verwandelt. Phänomene wie Wachstum, Tanz oder das Fließen des Wassers im Kristallbrunnen haben den Charakter von bildlichen Gleichnissen. In der Installation entsteht ein ungewöhnliches Zusammenspiel von Geheimnis, Fantasie, Monstrosität und dem Schönen.

Katharina Mayer zeigt Arbeiten aus ihrem Projekt „familia“, das sie seit 18 Jahren in vielen Ländern verfolgt. Dabei sucht sie im Anderen immer auch ihre eigene Geschichte. Katharina Mayer versucht, in jedem Porträt eine Essenz zu finden, die manchmal auch gebrochen wird in Minimalinszenierungen. Menschen kämpfen ja um verinnerlichte Ideale und Wünsche und reiben sich an der Unvollkommenheit des realen Lebens. Über Generationen hinweg wird eine Familiengeschichte getragen, die manchmal zelebriert wird, manchmal nur zu erahnen ist und manchmal auch bewusst abgeschnitten wurde. In ihrem gerade erschienenen Buch „Familienbande“ können Betrachter sehen, was die Künstlerin in den letzten Jahren mit Familien erlebt hat. Auch für Familien, denen Heimat keine Selbstverständlichkeit ist und die nicht die Freiheit besitzen, den Ort der Freiheit mitzubestimmen. Insofern ist dieses Projekt auch eine soziale Studie über den Begriff der Familie.

Norbert Kraus lebt und arbeitet als freischaffend bildender Künstler und hat unter anderem mehrere Jahre als Dozent an der University of Applied Sciences Europe (UE) gearbeitet. Katharina Mayer lebt und arbeitet in Düsseldorf und ist Professorin an der UE, Campus Iserlohn, seit 2012 für den Fachbereich Fotografie.