Tag der Drahtzieher

Letmathe. (as) Es war der Tag der Drahtzieher. Nicht müde wurde Horst-Werner Maier-Hunke zu betonen, dass sie noch immer gebraucht werden. Die Industrie im heimischen Raum sei auf junge Männer im Drahtzieherhandwerk angewiesen. Und dann war es auch sein großer Tag. Der Tag von Horst-Werner Maier-Hunke, Drahtzieher im übertragenen Sinn. Dem Vorsitzenden des Märkischen Arbeitgeberverbandes (MAV) ist gelungen, durch unermüdliches Drähte- oder Strippenziehen, den Bau der neuen Lehrwerkstatt der Ausbildungsgesellschaft Mittel-Lenne zu ermöglichen und während der gesamten Bauzeit viele Probleme aus dem Weg zu räumen.

Am Mittwoch, 26. August 2015, wurde das Ausbildungszentrum für Metall- und Elektroberufe für den Märkischen Kreis, für Hagen, Schwerte und den EN-Kreis in der Nähe des Bahnhofs in Iserlohn-Letmathe feierlich eröffnet. Unter den Gästen: viele Drahtzieher aus politischen und wirtschaftlichen Kreisen.

Es wird zwar „noch vor und im Gebäudekomplex an manchen Stellen gearbeitet. Ebenso werden Sie einige Räume verschlossen finden, weil diese noch nicht hergerichtet sind“, entschuldigte sich Horst-Werner Maier-Hunke in seiner Ansprache bei den Festgästen. Doch: „Hauptsache ist, dass die Maschinen stehen und der Betrieb läuft.“ Und genau dieses Ziel haben die Macher im Hintergrund des neuen Ausbildungszentrums erreicht. 109 junge Menschen im ersten Lehrjahr werden dort zurzeit ausgebildet.

„Stolz muss eine Rolle spielen“

7000 Quadratmeter groß ist das Gelände des ehemaligen Ringlokschuppens nahe dem Bahnhof Letmathe, auf dem in den vergangenen elf Monaten das zweieinhalbgeschossige Gebäude mit einer Nutzfläche von 4000 Quadratmetern entstanden ist. Die Kosten: rund vier Millionen Euro plus 1,4 Millionen Euro für die technische Ausstattung. Die 16 Fräs- und 16 Drehmaschinen, zwischen denen die Gäste bei der feierlichen Eröffnung saßen und standen, erzählten die Geschichte, wie vehement sich MAV und dessen 100-prozentige Tochter Ausbildungsgesellschaft Mittel-Lenne für die Qualifizierung junger Leute in Metall- und Elektroberufen einsetzen.

NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider sponn diesen Gedanken weiter: In diesem Jahr gebe es erstmals mehr Studienanfänger als Einsteiger in die Berufsausbildung, sagte er. „Wir müssen darauf achten, dass beides die gleiche Wertigkeit hat.“ Tief schaute er den jungen Männern an den Dreh- und Fräsmaschinen in die Augen: „Stolz muss eine Rolle spielen“, sagte er. Stolz, eine Ausbildung im Handwerk zu machen, die sich nicht hinter einem Studium verstecken muss. „Hier werden Sie wertgeschätzt.“

Die Nummer eins in NRW

Schützenhilfe bekam der Minister von Thomas Gemke, Landrat des Märkischen Kreises: „Wir sind die Industrieregion Nummer eins in Nordrhein-Westfalen. Wir haben das Ruhrgebiet längst abgehängt.“ Damit das so bleibe, forderte er Guntram Schneider auf, die Weichen zu stellen, dass die Ausbildung von Fachkräften in der Region auch weiterhin ein wichtiger Punkt auf der politischen Agenda bleibe.

Der drohende Fachkräftemangel war Anstoß für ein weiteres Gedankenspiel: Dr. Peter Paul Ahrens, Bürgermeister von Iserlohn, erinnerte an die vielen zum Teil gut ausgebildeten Flüchtlinge, die aus Kriegs- und Krisengebieten in den Märkischen Kreis, nach Hagen und den EN-Kreis kommen: Ausbildung und Weiterqualifizierung seien ein wesentlicher Baustein einer funktionierenden Integration.

„Die Ausbildungsgesellschaft Mittel-Lenne hat sich über die Jahrzehnte hinweg einen Ruf als überbetriebliche Ausbildungsstätte von überdurchschnittlicher Qualität erworben“, sagte Horst-Werner Maier-Hunke. „In diese Tradition ordnen sich auch die Schließung der alten Standorte Altena und Letmathe und der komplette Neubau einer überbetrieblichen Lehrwerkstatt hier auf dem Gelände des alten Ringlokschuppens in Genna ein.“

Ein Drahtzieher, wie er im Buche steht

Gerade mal elf Monate hat es gedauert von der Grundsteinlegung bis zur feierlichen Eröffnung der neuen Ausbildungsstätte. „Wir sind im Kostenrahmen geblieben“, verriet Ulrich Flatken, Vorsitzender des Beirats der Ausbildungsgesellschaft Mittel-Lenne. Da spiele es keine Rolle, dass sich die Fertigstellung der Lehrwerkstatt um wenige Wochen verzögert habe. „Wir haben es gut geschafft“, sagte Ulrich Flatken. „Wir sind eben kein Berliner Flughafen und auch keine Elbphilharmonie.“ Und wem ist das zu verdanken? Ulrich Flatken ließ keinen Zweifel aufkommen: Horst-Werner Maier-Hunke habe „viele Steine ganz allein aus dem Weg geräumt“. Eben ein Strippen-, pardon: Drahtzieher, wie er im Buche steht.