„Technik-Frauen“ Mut machen

Iserlohn. (clau) Immer noch sind einige Studiengänge und Berufsfelder eher Männerreviere. Erst langsam wächst in den Frauen der Mut, sich in diesen klassischen Männer-Feldern zu versuchen. Alisa Prencipe und Christin Niggemann gehören zu den Vorreiterinnen. Gefördert werden sie vom Zonta-Club Iserlohn.

Wenn Alisa Prencipe von ihrer Arbeit erzählt, versteht der Laie nur wenig, ahnt aber, dass hier Großes im Gange ist. Die 25-jährige Hemeranerin hat an der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn Bio- und Nanotechnologie (Abschluss: Master of Science) studiert. Bei ihrer Bachelor-Prüfung 2011 wurde sie als Studienbeste ausgezeichnet. Nun arbeitet sie in einer Dortmunder Firma. „Wir arbeiten daran, die Krebstherapie zu verbessern“, sagt sie. „Wir möchten die Krebszellen ganz gezielt angreifen und abtöten. Das macht die Chemotherapie für die Patienten viel verträglicher und mindert die Nebenwirkungen drastisch.“ Nun arbeitet sie an ihrer Masterarbeit.

Technik, die begeistert

Christin Niggemann (6. Semester) gehört an der Fachhochschule am Frauenstuhlweg zu den nur etwa fünf Prozent Studentinnen im Fachbereich Maschinenbau und Kunststofftechnik. Die 26-jährige Hagenerin kam auf Umwegen zum Traumstudium:

Realschulabschluss, Abitur, Ausbildung zur technischen Produktdesignerin bei einem Schalksmühler Unternehmen, dann erst entschloss sie sich zum Maschinenbau-Studium in Iserlohn. „Technik hat mich schon immer begeistert“, lacht sie. „Als Kind waren für mich die riesigen Bau-Kästen meines Bruders einfach das Größte.“

Alisa Prencipe dagegen verbrachte zwar als Schülerin viel Zeit mit Neben- und Ferienjobs in einem Industrieunternehmen, interessierte sich aber zunächst eher für Sprachen. Erst im Abitur machten ihr „Bio und Matte“ plötzlich riesig Spaß.

Beide sind sich einig, dass die Naturwissenschaften, so wie sie derzeit an den Schulen unterrichtet werden, eher das Gegenteil von brennendem Interesse entfachen: Einschläfernd, verwirrend und zu theoretisch – lautet das Urteil der beiden jungen Naturwissenschaftlerinnen.

Frauen fördern Frauen

Das sieht auch Dr.-Ing. Jutta Küpper-Feser vom Zonta-Club Iserlohn so. Das Unternehmen, das sie führt, arbeitet für die Flugzeug- und Automobil-Industrie. Sie machte schon 1984 ihren „Master“ in den USA und schrieb dann ihre Doktor-Arbeit am Max-Planck-Institut. Später machte sie sich in Iserlohn selbstständig.

Sie möchte junge Frauen in Naturwissenschaft und Technik fördern. Im Rahmen des Zonta-Clubs Iserlohn hat sie 2008 das Förderprojekt ins Leben gerufen, von dem Alisa Prencipe, Christin Niggemann und eine weitere Studentin zur Zeit profitieren dürfen. „Uns stehen jährlich 3000 Euro zur Verfügung, die wir nutzen, um vielversprechende junge Frauen in Männer-Domänen zu unterstützen“, so Jutta Küpper-Feser über die Arbeit der Kommission, der sie vorsitzt. Langfristig soll mehr Weibliches im Sinne von Kreativität, Teamgeist und Miteinander die Ellenbogen-Mentalität ablösen, die oftmals gerade dort herrscht, wo beste Verdienste locken.

Glänzende Aussichten

Das Geld für den Fördertopf verdienen die Zonta-Damen eigenhändig beispielsweise mit Erbsensuppe oder frischen Waffeln, die sie etwa bei Festen in Barendorf anbieten. Sie verschenken nichts leichtfertig: Sie fördern nur die Besten. Das Bewerbungsverfahren ist anspruchsvoll. Im Laufe des Förderjahres werden die jungen Frauen vom Zonta-Club betreut und zu Meetings eingeladen. In Fachvorträgen berichten sie dort von ihren wissenschaftlichen Projekten und ihrer Entwicklung.

Ihre Zukunft sieht Christin Niggemann äußerst positiv: „Die Berufsaussichten sind glänzend. Mehr und mehr verdrängen die Kunststoffe die Metalle. Da sind Kunststoffexperten stark gefragt“, sagt sie.

Gerade die Fachhochschule in Iserlohn ist auf diesem Gebiet bestens ausgerichtet. Für das nächste Semester kann man sich noch anmelden. Das sollte unbedingt auch „Mädels“ interessieren.