Telefon-Abzockern das Spiel verderben!

Um Abzockern am Telefon das Handwerk zu legen und den Sumpf rund um betrügerische Gewinnspiele trocken zu legen haben Helga Schuppert, Leiterin der Verbraucherzentrale, und Kriminaloberkommissar Frank Enser am Mittwoch eine intensive Zusammenarbeit gestartet. (Foto: Claudia Eckhoff)

Iserlohn. (clau) Den diesjährigen Weltverbrauchertag am Dienstag, 15. März, haben die Verbraucherzentrale und die Polizeidienststelle Iserlohn genutzt, um mit einer an diesem Vormittag kostenlosen Beratungsaktion ihre neue, enge Kooperation gegen Lastschriftbetrug vorzustellen.

Klagen über Werbeanrufe mit ungeahnten Folgen reißen in der Verbraucherberatung nicht ab: Gauner stellen Gewinne in Aussicht oder verkaufen vermeintliche Gewinnspielverträge. Sie missbrauchen dabei persönliche Daten, die sie arglosen Menschen geschickt telefonisch entlocken oder die sie sich anderswo aus illegalen Quellen beschaffen, um die Konten ihrer Opfer zu plündern.

Rabiate „Gewinn-Feen“

„Im vergangenen Jahr haben wir hier in Iserlohn allein 160 solcher Fälle betreut. Bei einzelnen Betroffenen buchten zum Teil monatlich bis zu 22 verschiedene dubiose Firmen Beträge jeweils um die 30 bis 50 Euro ab“, berichtet Helga Schuppert, Leiterin der örtlichen Verbraucherzentrale. Die Firmen geben sich klangvolle, aber aalglatte Fantasienamen wie „Die Super Gewinn AG“, „Die Mega Gewinn AG“, „Die Ultra Gewinn AG“, „Die Ultra-Mega-Gewinn AG“ und so weiter.

Die Täter werden immer raffinierter und beharrlicher. Ihr bisher überwiegend einfühlsamer, freundlicher Ton wandelt sich inzwischen mitunter zu ruppigen Attacken auf die Opfer. Immer öfter werden die meist älteren Opfer von den Anrufern nicht nur eingelullt, sondern zugleich eingeschüchtert, drangsaliert, beschimpft und am Ende abgezockt.

Schutz durch Anrufbeantworter

Kriminaloberkommissar Frank Enser rät allen, die von solchen Anrufen belästigt werden: „Schaffen Sie sich einen Anrufbeantworter mit Lautsprecherfunktion an. Dann können Sie hören, wer anruft und jeder Zeit selbst entscheiden, mit wem Sie sprechen möchten und mit wem nicht. Im schlimmsten Fall hilft es allerdings nur noch, die Telefonnummer und auch das Konto komplett zu wechseln.“

Recht meist unbekannt

Viele Betroffene können kaum glauben, dass „einfach so“ ohne ihre Unterschrift Geld von ihrem Konto abgebucht werden kann. Viele wissen nicht, welche Rechte sie haben oder dass eine Rückbuchung der gegen ihren Willen abgezockten Beträge tatsächlich möglich ist.

Der Firmensitz etlicher der betrügerischen Gewinnspiel-Firmen wird mit Berechnung ins ferne Ausland verlegt. „Wenn die Menschen dann solche exotische Adressen sehen, scheuen sie sich erst einmal, dorthin ihre Beschwerde zu adressieren“, erlebt Helga Schuppert immer wieder.

Den Sumpf austrocknen

Mit einer Broschüre unter dem Titel „Abgefragt Abgebucht Abgezockt. (Be)Trügerische Gewinne“ informiert die Verbraucherzentrale näher zu diesem wichtigen Thema. „Einerseits wollen wir vorbeugen und durch unsere Informationen die Menschen vor solchem Missbrauch schützen“, sagt Helga Schuppert. „Zweitens helfen wir im akuten Fall den Opfern aus solchen Fallen wieder herauszukommen und ihr Geld zurückzuerhalten. Aber mehr noch: Im dritten Schritt gemeinsam mit der Polizei wollen wir nun endlich auch Stück für Stück den Sumpf trocken legen und an die Täter herankommen.“

Letzteres wird nur gelingen, wenn die Opfer sich entschließen, auch Strafanzeige zu stellen. Frank Enser ergänzt: „Solch eine Anzeige kann man inzwischen auch online erstatten.“

Die Verbraucherzentrale am Theodor-Heuss-Ring 5 (Alte Post) ist zu erreichen unter Telefon 0 23 71 / 2 42 71. Sie öffnet montags und mittwochs von 9 bis 13 und 14 bis 17.30 Uhr, donnerstags sogar bis 19 Uhr und freitags von 9 bis 13 Uhr.