Unterirdisches Zauberreich: Ein buntes Fest zu „150 Jahre Dechenhöhle“

Letmathe. Als Anfang Juni 1868 Eisenbahnarbeiter einen Hammer in einem Felsloch an der Bahnstrecke Letmathe-Iserlohn verloren, konnte niemand ahnen, dass dies der Startschuss für eine 150-jährige Höhlengeschichte war.

Die Dechenhöhle aus dem Werk „Das malerische und romantische Westfalen“. (Abb.: Freiligrath & Schücking 1872)

Zunächst hielten die Arbeiter ihren Fund wohl geheim. Erst durch den Verkauf von Tropfsteinen fiel die Entdeckung der Bahndirektion auf. Glücklicherweise ordneten die Verantwortlichen eine Sicherung des Höhleneinganges an und begannen mit einem touristischen Ausbau der „Iserlohner Höhle“, so dass der überaus reichhaltige Tropfsteinschmuck bis heute vor Zerstörung bewahrt werden konnte.

1869 kamen dann bereits etwa 30.000 Gäste aus nah und fern in die dann nach dem Oberberghauptmann und Geologen Prof. Heinrich von Dechen benannten „Dechenhöhle“. Mehr als 13 Millionen Besucher sind es bis heute.

150 Jahre Dechenhöhle sind natürlich ein Grund für ein fröhliches und ausgelassenes Fest. Gefeiert wird am heutigen Samstag, 9. Juni, von 10 bis 17 Uhr an der Höhle mit magischen Klängen, Lichtern, Klettervorführungen und sogar einem Sonderstempel der Post.

Doch zunächst zurück zum Star, der die Feier erst ermöglicht: Heute zählt die 902 Meter lange Karsthöhle zu den meistbesuchten und schönsten Tropfsteinhöhlen Deutschlands. Das angeschlossene Deutsche Höhlenmuseum informiert über Höhlenforschung und Wissenschaft. Immer wieder finden sich auch Geowissenschaftler an der Dechenhöhle ein, so dass die Höhle heute auch zu den besterforschten Höhlen zählt.

Die Lehmablagerungen in dem Natur- und Bodendenkmal enthalten tausende von Tierknochen, die aus warm- und kaltzeitlichen Abschnitten des Eiszeitalters stammen. Altersdatierungen reichen bis etwa 500.000 Jahre in die Vergangenheit zurück. Das Alter der Höhle selbst, die als unterirdischer Abflusskanal des Grundwassers entstehen konnte, liegt etwa im Bereich von einer Million Jahren.

Touristischer Leuchtturm

Die Dechenhöhle ist der touristische Leuchtturm Iserlohns und bietet eine breite Palette von Veranstaltungen und Sonderführungen an. Konzerte und Lesungen, Lichtkunstinstallationen und Wiskytastings finden ebenso statt wie Erlebnistouren für Familien, Laternenführungen zu St. Martin oder weihnachtliche Führungen bei Kerzenlicht und Musik. Auch als außerschulischer Lernorte werden Höhle und Museum gerne aufgesucht.

Ein buntes Fest zum Jubiläum

Die Kaiserhalle mit dem Baumkuchen. So begeistert die Höhle ihre Besucher. (Foto: Fotostudio Tölle, Iserlohn)

Die Entdeckung des unterirdischen Zauberreichs im Grüner Tal haben Höhlenbetreiber und Förderverein Dechenhöhle zum Anlass für die heutige Feier genommen. Am Sonderpostamt der Deutschen Post kann die brandneue Gedenkganzsache zum Höhlenjubiläum erworben und mit einem Erstverwendungs-Sonderstempel versendet werden. Eine erstmalig gedruckte Null-Euro-Souvenirbanknote wird ebenso wie das neue Buch „Dechenhöhle – Erdgeschichten“ erhältlich sein.

Die Höhlenforscher können bei ihren Klettervorführungen bestaunt werden und an den Infoständen des Geoparks Ruhrgebiet und des Vereins für Höhlenkunde stehen Experten Rede und Antwort. Ein „Virtual Reality Act“ wird vom Bahnunternehmen Abellio Rail präsentiert: Kleine und große Gäste können virtuell eine Eisenbahnfahrt erleben. Wer möchte, kann sich am Fotostand als Höhlenbesucher des 19. Jahrhunderts fotografieren lassen.

Zeitreise und Gaumenkitzel

Eine spannende Zeitreise bietet auch Peter Riecke im Museum mit seiner nostalgischen Laterna Magica (12.30 Uhr und 15 Uhr) an. Die Elektronik-Band Pyramid Peak gibt um 13.30 Uhr ein rhythmisch-sphärisches Museumskonzert beim Höhlenbären. Höhlenmusiker Günter Müller präsentiert um 17 Uhr „Magische Kristallklänge“ mit Didgeridoo und Flöten in der Dechenhöhle (Anmeldung hierzu erforderlich).

Bei den regelmäßigen Höhlenführungen erwartet die Besucher in der Wolfsschlucht eine faszinierende Illumination der Lichtkünstler von „World-of-lights“ aus Unna, die nur an diesem Tag zu sehen sein wird.

Der berühmte Höhlenwhisky kann neben anderen Spirituosen am Stand der Märkischen Spezialitätenbrennerei Hagen erworben werden und die nahegelegene neue Waldstadtbrauerei bietet ihren nach handwerklicher Tradition gebrauten Hopfentrunk an. Eiswerk und Tortenatelier Schwanbeck sorgen für Leckereien und Erfrischungen. Grillwürste und andere deftige Spezialitäten werden von der Rübezahl-Baude aus Letmathe angeboten. Eine Hüpfburg für Kinder rundet das Angebot ab.

Der Eintritt ist frei. Nur für die Höhlenführungen fällt der normale Eintritt an. Anmeldungen sind nicht erforderlich.