„Vieles scheitert am Geld“

Iserlohn. Mit 10.000 Euro unterstützt die „Pro-Hominibus-Stiftung Bickhoff“ mit Sitz in Frankfurt die Arbeit des Deutschen Roten Kreuzes in Iserlohn. Genauer: die Integrationsarbeit. Denn mit der stolzen Summe kann das DRK auch im Jahr 2016 den Deutschkurs für Asylbewerber fortsetzen. Den symbolischen Scheck hatten die beiden Vorstände der gemeinnützigen Stiftung, Ehrhard Böger und Jörg Henniges, am Mittwoch, 4. November, an DRK-Vorstand Michael Vucinaj und einige ehrenamtliche Lehrer überreicht.

Erst am Morgen der Scheckübergabe hatte Jörg Henniges seinen Blick über die vielen Zelte schweifen lassen, in denen in Dortmund Flüchtlinge untergebracht sind. Menschen, die unter meist schwierigen Bedingungen aus Kriegs- und Krisengebieten geflohen sind und nun auf eine neue Chance für ihr Leben warten. Ein Deutschkurs kann so eine Chance sein, sich in der neuen Gesellschaft zurecht zu finden. Doch oft warten Flüchtlinge und Asylbewerber monatelang auf einen Platz in einem Kurs. Eine schreckliche Zeit der Ungewissheit, in der sie zum Nichtstun verdammt sind.

„Unsere Gesellschaft wird sich verändern“, sagt Jörg Henniges. Das meint er nicht negativ. Ganz im Gegenteil. Er gehört genau wie sein Vorstandskollege Ehrhard Böger eher zu den Menschen, die die Ärmel hochkrempeln und zufassen. Die sich Gedanken darüber machen, wie all die Menschen, die nun nach Deutschland strömen, in die Gesellschaft aufgenommen werden können, ohne dass sich irgendjemand bedroht fühlt. Menschen mit den unterschiedlichsten sozialen Hintergründen.

Heiner Hofmann, einer der Lehrer, die beim DRK in Iserlohn ehrenamtlich Deutsch unterrichten, nickt. Er erzählt von einem Museumsbesuch. Mit seinen Deutschschülern war er im Haus der Heimat, um ihnen etwas von der reichen Vergangenheit des Landes und der Stadt Iserlohn näher zu bringen. Er erzählt von den ersten Besiedlungen den Sauerlands. Dass die Haut der Menschen einst dunkler gewesen sein muss, weil Afrika die Keimzelle menschlichen Lebens war, sorgt für ungläubiges Staunen, aber auch für strahlende Augen. Er erzählt, wie die Menschen einst, in grauer Vorzeit, Feuer gemacht haben. Indem sie ein Holzstöckchen auf Holz gedreht haben, so lange bis ein Funken das dazugegebene trockene Gras entzündet. Das Gesicht einer jungen Frau wurde ausdruckslos. Und Heiner Hofmann musste erkennen, wie umfassend die Unterschiede zwischen Menschen auf dieser Welt sein können. Die junge Frau gehört nicht zu den „gut ausgebildeten Flüchtlingen“, die immer wieder genannt werden. Sie hat in ihrem Dorf irgendwo in Afrika gelernt, wie sie das Feuer mit zwei Hölzchen und etwas trockenem Gras in Gang hält.

Hoffen auf ein Fach Integration

„Um eine schnellere Integration der Asylbewerber zu erreichen, will die Stiftung das Projekt ’Deutschkurs für Flüchtlinge’ beim DRK Iserlohn unterstützen“, sagt Ehrhard Böger. Sie will sicherstellen, dass das Integrationsprojekt langfristig fortgeführt werden kann.

Die beiden Vorstände der „Pro-Hominibus-Stiftung Bickhoff“ gehen sogar noch weiter. Zu den Deutschkursen müsse eigentlich noch ein Fach Integration angeboten werden, sagt Jörg Henniges. „Es wäre sinnvoll, wenn entsprechende Gremien sich für Schulungen im Radio, Fernsehen und Apps für Smartphones einsetzen, um möglichst viele Flüchtlinge gleichzeitig zu erreichen“, regt er an. „Vieles scheitert am Geld“, ergänzt Ehrhard Böger. „Aber wenn in einem Land wie Deutschland kein Geld für so wichtige Aufgaben da ist…“ – er mag nicht weitersprechen.

Wichtig, so Jörg Henniges, sei auch ein Schulfach „Integration“. Um gemeinsam ein „Leitbild für die Zukunft“ zu gestalten, könnten Lerninhalte in einem Integrationsrat, bestehend aus Vertretern aller religiösen und kulturellen Gruppen, erarbeitet werden.

Bei den Lehrerinnen und Lehrern ernten die beiden Vorstände Lob für ihre Gedankengänge. „Es ist enorm, wenn Sie erkennen, wie wichtig Integrationskurse sind“, sagt Heiner Hofmann. Aber noch gebe es keine Lehrer, die für ein Fach Integration ausgebildet seien.

Bis es so weit sei, sagt Jörg Henniges, „können wir uns nur Schritt für Schritt an die Aufgabe herantasten“.

Ein erstes Treffen und die Folgen

Neun ehrenamtliche Lehrer sind bei den Deutschkursen beim Iserlohner DRK aktiv. „Sie sind es, die den größten Dank verdienen“, formulierte Ehrhard Böger. „Sie nutzen ihre Freizeit, um die Weichen zur Integration zu stellen.“

Letztlich war es auch eine ehrenamtliche Lehrerin, die die Finanzierung der DRK-Deutschkurse fürs Jahr 2016 erst ermöglicht hat. Gisela Scholte stellte den Kontakt zur „Pro-Hominibus-Stiftung Bickhoff“ in Frankfurt her. Bei einem ersten Treffen waren die beiden Stiftungs-Vorstände beeindruckt von der Arbeit in Iserlohn. Vom Engagement und dem Wunsch, etwas zu erreichen. So nebenher erkundigten sich die beiden Vorstände bei Michael Vucinaj, wie teuer es sei, die Deutschkurse ein Jahr lang fortzuführen. Der DRK-Vorstand rechnete, kam auf 10.000 Euro – und fiel aus allen Wolken. Mit ein paar Euro oder mit warmen Worten hatte er gerechnet, aber nicht, dass die beiden Herren von der Frankfurter Stiftung ausgerechnet in Iserlohn beim DRK Nägel mit Köpfen machen. „Wir wollen Sie unterstützen“, hieß es knapp. „Damit die Integrationsarbeit langfristig fortgeführt werden kann.“ Vielleicht auch bald mit Integrationskursen.