Volldampf in Genna

Letmathe. (Red./clau) Die Eisenbahn in Südwestfalen wird dieses Jahr 150 Jahre alt. Genau genommen sind es gleich zwei Jubiläen, die es zu feiern gilt: Die Eröffnung der Ruhr-Sieg-Strecke von Hagen nach Siegen und die der Siegtal-Strecke von Köln nach Siegen.

Lebensader der Region

Die 106 Kilometer lange Ruhr-Sieg-Strecke mit ihren elf Tunneln und 24 großen Brücken feiert ihren 150. Geburtstag. Bis heute ist sie eine unverzichtbare Lebensader der Region. (Foto: Servicebüro Kulturregion Südwestfalen)

Die Bedeutung der im Jahr 1861 erstmals befahrenen Strecken ist für die Region noch heute sichtbar. Noch immer nehmen die modernen Züge den gleichen Weg, nutzen die gleichen Strecken. Bis heute ist die Trasse einer der wichtigsten Verkehrswege in Südwestfalen, eine starke, prägende Lebensader der Region.

Wirtschaftlicher Aufschwung

Ihr ist der industrielle Aufschwung zu verdanken. Denn Mitte des 19. Jahrhundert garantierte allein die neue Eisenbahn, dass sich die alten Wirtschaftszweige weiterentwickeln konnten. Ohne dieses damals neue Verkehrsmittel wären die Produkte aus dem Sieger- und Sauerland niemals konkurrenzfähig geblieben. Die Eisenbahn reduzierte die Tagesreise nach Köln, die zuvor mit der Postkutsche 15 Stunden gedauert hatte, auf nur noch 2,5 Stunden. Die Ortschaften rund um die Bahnhöfe wuchsen und florierten. Der Alltagsrhythmus, die Beweglichkeit und auch der Erfahrungsraum der Menschen veränderte sich durch die Eisenbahn gewaltig.

Ein neues Zeitalter

Schnaubend und qualmend rollte erstmals am 6. August 1861 eine Dampflokomotive der Bergisch-Märkischen Eisenbahn von Hagen über Letmathe, Altena, Werdohl und Plettenberg bis nach Siegen. Die Kulturregion, die Landschaft, die Ortschaften an der Strecke, die Wirtschaft und auch das Leben der Menschen hat die Eisenbahn nachhaltig verändert.

Bis Anfang des 19. Jahrhunderts waren beispielsweise Genna und Letmathe noch völlig von der Landwirtschaft bestimmt. Letmathe etwa zählte damals nicht viel mehr als 3000 Einwohner. Diese bis dahin eher stille, dörfliche Ansiedlung hatte erst seit rund 70 Jahren überhaupt postalischen Anschluss: Über schlechte, meist von Wind und Wetter aufgeschwemmte Wege quälten sich die Postkutschen anno dazumal durch die Ortschaft und verbanden sie mühselig mit der „großen, weiten Welt“.

Eine Pferde-Eisenbahn?

Um die Vermarktung der Kleineisenindustrie entlang der Lenne zu fördern, hatte man schon 1833 begonnen, über den Bau einer von Pferden gezogenen Eisenbahn nachzudenken. Im Siegerland stellte man ähnliche Überlegungen an, um die heimischen Erzgruben und Hüttenwerke besser mit den Absatzmärkten an der Ruhr zu verbinden.

Die Eisenbahn kommt

1843 wurde in Elberfeld (Wuppertal) dann die „Bergisch-Märkische-Eisenbahn-Gesellschaft“ gegründet, die den Bau der 106 Kilometer langen Ruhr-Sieg-Strecke mit elf Tunneln und 24 großen Brücken leitete (es war die zweite große Strecke dieser Gesellschaft).

1856 wurde mit dem Bau von Hagen aus begonnen. Am 21. März 1859 konnte dann das erste Teilstück dieser Strecke von Hagen über Limburg nach Letmathe mit einer Länge von 21,1 Kilometern in Betrieb genommen werden. Genna wurde zur Bahnstation.

Viel Dampf zum Jubiläum

Der Letmather Bahnhof in Genna wird am nächsten Sonntag, 18. September, beim großen Eisenbahn-Jubiläumsfest stilecht unter Dampf stehen. (Foto: Claudia Eckhoff)

Das 150-jährige Jubiläum der Ruhr-Sieg-Strecke wird am Sonntag, 18. September 2011, ab 10 Uhr entlang der gesamten Strecke gefeiert.

In Letmathe hat man sich über längere Zeit langsam auf den großen Dampf-Tag vorbereitet. Wer wollte, konnte schon mehrfach bei den „Klönabenden“ in den Letmather Poststuben dabei sein. Hier schwelgten die örtlichen Eisenbahn-Freunde und ihre Gäste begeistert in historischen Details und tauschten Erinnerungen aus.

Am Bahnhof Iserlohn-Letmathe gestalten am nächsten Sonntag nun viele Akteure gemeinsam den Jubiläumstag: Die Werbegemeinschaft Letmathe, die Stadtentwicklung Iserlohn und der Verkehrsverein Iserlohn ziehen an einem Strang, um gemeinsamen einen tollen Bahntag auf die Schiene zu stellen.

Buntes Bahn-Programm

Während im Laufe des Tages immer wieder schnaubend und fauchend die historischen Dampfloks durchrauschen – Tickets gibt‘s es nur direkt im Zug! -, laden die Stadtführer des Verkehrsvereins Iserlohn zu einem informativen Rundgang zwischen Bahnhof und Genna ein. Eine Ausstellung unter dem Titel „150 Jahre Ruhr-Sieg-Strecke“ stillt im Bahnhof Letmathe den historischen Wissensdurst, während andererseits die Ausstellung „Regionale 2013 – Lenneschiene“, die die Stadtentwicklung Iserlohn erarbeitet hat, zukünftige Wege und Entwicklungsperspektiven entlang der Strecke aufzeigt.

Ein echter Hingucker für alle Altersstufen wird sicherlich die verblüffende Modelleisenbahnanlage im Bahnhof sein, die der Letmather Eisenbahnbegeisterte Harald Dicke detailgetreu geschaffen hat. Eine „Bahnfotoaktion“ nicht nur für Kinder bietet das Team vom „Lenne-Studio – Fotografie & Design“.

Wer Hunger bekommt in all dem Bahnrummel, stärkt sich stilecht mit einem extra zu diesem Anlass komponierten herzhaften „Bahn-Schrebergarten-Eintopf“.