Vom Chefscout zum Sportchef: Iserlohner ist der neue starke Mann bei Union Berlin

Berlin. (as) Ein Iserlohner stellt künftig die sportlichen Weichen von Fußball-Zweitligist Union Berlin. Oliver Ruhnert, in Iserlohn besser bekannt als Fraktionsvorsitzender der Linken, wurde zum Geschäftsführer Profifußball befördert.

Platz acht in der zweiten Fußball-Bundesliga war nicht genug. Union Berlin, der ehrgeizige Traditionsclub aus Köpenick, trennte sich von Helmut Schulte, dem Leiter der Lizenzspielerabteilung, und machte Oliver Ruhnert zum neuen starken Mann im Stadion „An der Alten Försterei“. Seit August 2017 ist der 46-Jährige als Chefscout bei dem Berliner Club aktiv. Er hat es mit einem höchst ambitionierten Verein zu tun. Denn: Das ausdrückliche Ziel lautet Aufstieg in die Fußball-Bundesliga – lieber heute als morgen.

Mit der neuen Aufgabe wird sich auch der Lebensrhythmus von Oliver Ruhnert verändern. Zugegeben, auch als Chefscout der „Eisernen“ war er viel unterwegs. Iserlohn jedoch war immer Dreh- und Angelpunkt, Ausgangspunkt seiner Reisen rund um den Globus. Das wird sich nun ein wenig ändern. „Ich werde mir eine Wohnung in Berlin nehmen“, sagt Oliver Ruhnert im Gespräch mit dem Wochenkurier. „Einen Zweitwohnsitz“, ergänzt er.

Denn das ist sicher: Die Politik in Iserlohn wird der Fraktionsvorsitzende der Linken nicht aufgeben. „Ich muss allerdings ein bisschen kürzer treten“, sagt er. „Ich werde nicht mehr alle Ausschüsse besetzen können.“ Sein Engagement in der Kommunalpolitik werde jedenfalls nicht durch seine neue Aufgabe leiden. Das sieht er gelassen. „Alle im Rat der Stadt haben doch einen Job“, sagt er. Beispielsweise Paul Ziemiak, der als Mitglied des Bundestags auch permanent zwischen Berlin und Iserlohn hin- und herpendelt.

Doch zurück zu den neuen Aufgaben von Oliver Ruhnert: Nein, so richtig rund ist es in der gerade abgelaufenen Saison nicht gelaufen. Platz 8 scheint weit von den Aufstiegsambitionen der „eisernen Union“ entfernt zu sein. Dabei hätte nur ein einziger Punkt gefehlt, und die Union hätte die Saison auf Rang vier beenden können. Zugegeben, das wäre bloß Tabellenkosmetik gewesen. Denn an die Leistungen der drei Erstplatzierten Nürnberg, Düsseldorf und Holstein Kiel reichte der Traditionsclub nicht heran.

Das soll sich ändern. Unions-Präsident Dirk Zingler ist überzeugt, mit Oliver Ruhnert eine Trumpfkarte in der Hand zu halten. „Wir haben feststellen können, dass es menschlich passt und er über ein großes Netzwerk verfügt“, wird Zingler von den Berliner Zeitungen zitiert. „Er kann Kader zusammenstellen. Deshalb war es für uns eine logische Schlussfolgerung, bekannte Kompetenzen in die neuen Strukturen einzubauen.“

Bevor sich Oliver Ruhnert im August 2017 auf das Abenteuer Union eingelassen hatte, arbeitete er zehn Jahre lang in diversen Funktionen im Nachwuchs bei Schalke 04. Zuletzt war der Iserlohner Sportwissenschaftler dort Direktor der Knappenschmiede, Schalkes Nachwuchsakademie, die inzwischen eine Top-Adresse in Europa ist. Nun verantwortet er bei den Köpenickern als Sportchef alle Belange der Lizenzspielerabteilung.

Eine wegweisende Aufgabe steht dem Iserlohner Politiker direkt bevor. Er muss einen Nachfolger für Trainer André Hofschneider finden. In den Berliner Medien werden schon viele Namen von Trainern gehandelt, deren Spielstil zur Philosophie des Clubs und von Oliver Ruhnert passen würden. Hannes Wolf, der Ex-Dortmunder Jugendtrainer, der anschließend den VfB Stuttgart wieder zurück in die Bundesliga geführt hat, gehört zum Favoritenkreis.