Vom Klang zum Klanggarten

Hemer. (as, 26.12.2009)

Es tönt so schön in den Außenanlagen der Iserlohner Werkstätten an der Ernst-Stenner-Straße in Westig. Weihnachten ist zwar passé. Doch das Klingelingeling wird die Belegschaft auch weiterhin begleiten. Der Grund: Fünf junge Menschen, allesamt Schülerinnen und Schüler des Placida-Viel-Berufskollegs in Menden und mitten in der Berufsausbildung zum Heilerziehungspfleger, installierten neben dem Gebäude der Iserlohner Werkstätten einen kleinen Klanggarten. Kurz vor Weihnachten durften die ersten Neugierigen mit einem Klöppel gegen die baumelnden Klangstäbe schlagen und ihnen die verschiedensten Töne entlocken.

Der Klanggarten ist das Ergebnis eines dreimonatigen Schulprojekts. „Wir wollten etwas Nachhaltiges schaffen“, sagt Jasmin Menken. „Etwas, das Menschen mit Behinderung zugute kommt.“ Weil Christian Benefeld kurz zuvor ein Praktikum in den Iserlohner Werkstätten gemacht hatte, war das Schüler-Quintett bereits mit den Örtlichkeiten vertraut. Nun ging es nur noch um den konkreten Inhalt des Projekts. Das Wort „Klang“ klang gut, Klanggarten aber noch besser. Und so beschlossen die fünf jungen Frauen und Männer, die Belegschaft der Iserlohner Werkstätten in Hemer-Westig mit einer klingenden Installation zu erfreuen. „Das ist gut fürs Ohr, für Rollstuhlfahrer geeignet und fördert die Hand-Auge-Koordination“, sagt Francine Balako-Botuli. Da spricht die angehende Heilerziehungspflegerin.

Sich etwas vorzunehmen, ist leicht. Es tatsächlich auch umzusetzen, kann hingegen recht schwierig werden. Und so mussten die fünf Aktiven auf dem Weg zum Klanggarten einige Hürden überspringen.

Hürde eins: die Finanzierung. Aus eigener Tasche konnten die jungen Leute das Projekt schließlich nicht stemmen. Doch bei der Suche nach Sponsoren liefen Jasmin Menken, Francine Balako-Botuli, Jana Schulte, Michael Sekulla und Christian Benefeld bei mehreren Firmen offene Türen ein. „Die Verantwortlichen in den Betrieben hörten, dass das Projekt Behinderten zugute kommt, und sofort wollten sie sich engagieren“, sagt Michael Sekulla. So finanzierte die Heinrich Holz GmbH beispielsweise das komplette Holz für den Klanggarten. Die Klangstäbe wiederum wurden vom Seilwerk Hemer gesponsert. Zusagen anderer Firmen ließen sich offensichtlich nicht so schnell umsetzen – und so mussten die fünf jungen Leute einige Materialien doch noch aus der eigenen Börse vorfinanzieren.

Hürde zwei: die Zeit. „Wir hatten laut Stundenplan nur dienstags nachmittags und freitags ganz früh Zeit, um an dem Klanggarten zu arbeiten“, sagt Jasmin Menken. Und weil in diesen fest umgrenzten Zeitfenstern gar nicht genug geschreinert, gehämmert und gebohrt werden konnte, verbrachte das Schüler-Quintett viele Freizeit-Stunden zusammen, um den Klanggarten rechtzeitig vor Weihnachten fertigstellen zu können. Selbst Freunde wurden einbezogen, um sich besondere handwerkliche Fertigkeiten erklären zu lassen.

Und nun ist es geschafft: Die angehenden Heilerziehungspfleger strahlen – und mit ihnen all die Menschen, die den kleinen Klanggarten nutzen können. „Man sieht, was man erreicht hat“, sagt Jasmin Menken. „Man hat ein Ziel und kann es verwirklichen.“ Das gilt bestimmt auch für viele weitere Ziele, die sich die Gruppe künftig setzen wird.