Von ganzem Herzen farbiger Waldstädter

Oskar Escherich malte bevorzugt farbige Landschaften und Iserlohner Stadtansichten, allerdings nicht als naturalistische Abbildungen. Die Farben trug er flott und teilweise grell auf. Zwei oder drei Hauptfarben beherrschen jeweils das Bild. (Abb. Oskar Escherich)

Iserlohn. (clau) Er war Iserlohner mit ganzem Herzen, außerdem Gärtner, Leiter des Garten- und Friedhofsamtes, Maler, Künstler, Dichter, Autor und ein aktiver politischer Mensch. Oskar Escherich hatte – und hat bis heute – eine große Bedeutung für die Waldstadt. Am heutigen Montag, 25. Februar 2013, wäre er hundert Jahre alt geworden.

Bilder des Malers Escherich hängen in vielen Iserlohner Haushalten. Bücher des Dichters und Autor Oskar Escherich finden sich in vielen Bücherregalen. Skulpturen des Künstlers Oskar Escherich stehen auf dem Iserlohner Hauptfriedhof, für den der Gärtner Escherich jahrelang als Leiter des Garten- und Friedhofsamtes zuständig war. Die Iserlohner Sozialdemokraten erinnern sich bis heute gern an den politischen Menschen Oskar Escherich, der in der Nachkriegszeit maßgeblich am Wiederaufbau der SPD in Iserlohn beteiligt war. Viele, die ihn persönlich kannten oder gar bei ihm Malunterricht nehmen durften, erinnern sich an einen Menschen, der allseits beliebt war, zu fast jedem „einen Draht“ fand, sich gern mit netten Menschen umgab und selbst mutige Lebensformen lebte.

Oskar Escherich wurde am 25. Februar 1913 in Iserlohn geboren. Nach der Volksschule erlernte er den Beruf des Elektromaschinenbauers und bildete sich durch die Fachhochschule weiter. Er las „alles, an Büchern erreichbar war“, wie er selbst sagte, und reiste durch ganz Europa.

Als 15-Jähriger schon soll er angefangen haben zu malen. Es heißt, er habe in den dreißiger Jahren französische Künstler im Sauerland beim Malen erlebt, und sich von ihrer Begeisterung anstecken lassen. Zur Hauptbeschäftigung wurde ihm die Malerei allerdings erst im Ruhestand. Dennoch hinterließ er ein beachtliches Werk.

Wegen Volksverhetzung zum Tode verurteilt

Schon Oskar Escherichs Eltern waren Sozialdemokraten. Während der NS-Zeit musste die Familie wie alle Regime-Kritiker möglichst unauffällig leben, um sich nicht zu gefährden. Malen konnte der junge Oskar nur insgeheim. Trotzdem fiel er auf, wurde 1943 vor den Volksgerichtshof gestellt und wegen Volksverhetzung und Defätismus zum Tode verurteilt. Man begnadigte ihm am Ende zur „Frontbewährung“ wie es hieß. Oskar Escherich verbrachte die letzten anderthalb Kriegsjahre an der Ostfront. Dort sind einige wenige Bilder vom Grauen des Krieges entstanden.

Neben Stadtbildern sind Escherichs bevorzugte Motive Landschaften, Wald- und Seestücke, Blumenbilder und Kinderportraits. Er malte in Öl- oder Wasserfarben und gab seinen Aquarellen mit Feder- oder Filzstiftzeichnungen Struktur. „Oskar ging sparsam mit dem Material um und arbeitete sehr schnell“, erinnert sich Gabi Minzberg, die jahrelang Escherichs Mittwochs-Malgruppe in seinem Atelier an der Friedrichstraße besuchte. „In der alten Fabrik ging es eine Treppe hoch in sein Vorzimmer, in dem er praktisch lebte und Besuch empfing. Die Werkstatt war unten in den Kellerkatakomben. Dort lernten wir bei Neonlicht, wie man Leinwände selbst baut und bespannt, Farben mischt, weiße Ölfarbe zubereitet und die Technik des Ölspachtelns.“

Der Vollblut-Iserlohner, überzeugte „Genosse“ und Mensch mit vielen Talenten Oskar Escherich wäre in diesen Tagen hundert Jahre alt geworden. (Archiv Wolf R. Seltmann)

Der gesellige, lebenslustige Künstler gab 15 Jahre lang Kurse bei der Iserlohner Volkshochschule und in seinen Ateliers. Politisch blieb Oskar Escherich sein Leben lang aktiv. Nach dem Krieg rief er zusammen mit seiner Schwester Ursula und drei anderen Sozialdemokraten die SPD Iserlohn wieder ins Leben, zu deren Jugendorganisation er bereits seit 1945 gehört hatte. Er war dann lange Zeit Vorsitzender des Ortsvereins Iserlohn, fast 30 Jahre lang Vorsitzender des SPD-Kreisverbandes Iserlohn. Später wählte man ihn zum Vorsitzenden SPD-Unterbezirks Märkischer Kreis.

Eng verbunden war er auch der Arbeiterwohlfahrt in Iserlohn.

„Aus Iserlohn nicht wegzudenken“

1981 verlieh ihm der Rat der Stadt die Ehrennadel der Stadt Iserlohn, weil er „mit seinem Wirken wesentlich den geistigen, politischen und kulturellen Wiederaufbau“ der Stadt geprägt habe. Im Jahre 1988 zu seinem 75. Geburtstag, verlieh ihm der Oberst des Iserlohner Bürgerschützenvereins die silberne Vereinsnadel und nannten ihn den „Hofmaler des IBSV“. Bürgermeister Helmut Linder (CDU) hat wiederholt Ausstellungen von Oskar Escherich eröffnet und ihm bescheinigt, er sei „aus Iserlohn nicht wegzudenken“.

Wie sehr er seiner Stadt verbunden war, zeigt die 50-teilige Serie mit Geschichten und Anekdoten aus dem Iserlohner Alltagsleben, die Oskar Escherich garniert mit Zeichnungen in der Zeitung veröffentlichte. Sie wurde später unter dem Titel „Oskar und sein Iserlohn“ als Buch herausgebracht.

Oskar Escherich starb am 9. November 1998. Sein Grab befindet sich auf dem kleinen Friedhof in Dahlsen.

Der in Sümmern lebende Lokal-Historiker und Sozialdemokrat Wolf R. Seltmann trägt zurzeit viele Einzelheiten aus Escherichs Leben und Wirken zusammen. Der wochenkurier dankt ihm für die Vorlage zu diesem Artikel.