Vorstand ausgetreten – Gemeinschaft für Iserlohn (GfI): Zwei offene Briefe

Iserlohn. Als Antwort unter anderem auf einen Artikel im Wochenkurier am vergangenen Samstag, 7. Oktober, hat der bisherige Vorstand der GfI nun in einem offenen Brief Stellung zur Situation der „Gemeinschaft für Iserlohn“ genommen und Konsequenzen walten lassen.
Auch wenn sich Ugur Ünal ein „Reden miteinander statt übereinander“ gewünscht hatte, erklärte der Vorstand der GfI nun ganz offiziell und öffentlich seinen Rücktritt:

Sehr geehrter Herr Ünal, wir, Lutz Tölle, Björn Grube, Michael Joithe, Klaus Krewett, Michael Petereit und Marcel Jimenez, erklären mit diesem offenen Brief, dass wir am Samstag, den 07.10.2017, geschlossen aus der GfI ausgetreten sind und unsere Ämter mit sofortiger Wirkung niedergelegt haben.
Wir haben uns zu diesem konzertierten Schritt entschlossen, um den falschen Darstellungen der letzten Tage entgegen zu treten.
Wir möchten ausdrücklich erklären, dass es einen Dissens um die politische Ausrichtung und die Arbeit der GfI niemals im Vorstand gegeben hat. Eine Änderung in der inhaltlichen Ausrichtung der GfI hat es ebenfalls nicht gegeben.
Gleichzeitig stellen wir klar, dass wir in der letzten Sitzung geschlossen erklärt haben, mit Ihnen gerne weiter zusammen arbeiten zu wollen und dass zu keinem Zeitpunkt die Absicht existierte, die GfI übernehmen zu wollen. Das Gegenteil ist der Fall.
Wir dürfen ausdrücklich klarstellen, dass es Ihr persönlicher Wunsch war, dass die unterzeichnenden Lutz Tölle und Michael Joithe zu Ihrer Unterstützung tätig werden und dies auch mit großem Engagement getan haben. Zu keinem Zeitpunkt ist Ihre Position als Vorsitzender der GfI in Frage gestellt worden. Sie haben sich sogar für das Engagement ausdrücklich bei den beiden Personen bedankt.
Soweit im IKZ-Artikel Frau Hampe zitiert wird, stellen wir klar, dass Frau Hampe bei der Erstellung der Pressemitteilung vom 05.10.2017 mitgewirkt und ausdrücklich einer Veröffentlichung auch unter ihrem Namen zugestimmt hat.
Mit unserem gemeinschaftlichen Austritt geben wir Ihnen die Gelegenheit, die GfI in Ihrem Sinne ohne uns weiter zu führen.
Der ehemalige Kassenwart und ehemaliges Vorstandsmitglied Daniel Rodrigues konnte bei der Unterzeichnung nicht anwesend sein, „schließt sich aber diesem Schreiben vorbehaltlos an“. Mit dem Austritt der übrigen Vorstandsmitglieder ist Ugur Ünal nun einziges verbliebenen Vorstandsmitglied der GfI.
Auch ein Brief von Ünal
Der wiederum hat sich inzwischen auch zu Wort gemeldet. Ünal schreibt unter anderem:
Die Idee einer Bürgerplattform, die stets ein offenes Ohr für die Menschen und ihre Sorgen hat und zugleich angetreten ist, um einen politischen Kulturwechsel der Mitbestimmung und Beteiligung anzustreben, wo sich Politikerverdrossene wieder mitgenommen fühlen sollen, fand positiven Anklang in der breiten Bevölkerung.
Eine Vielzahl von Aktionen konnte die GFI bisher ins Leben rufen, wie zuletzt die zweite Kneipennacht in Iserlohn. Ferner haben wir Politik und Verwaltung auf Fehlentwicklungen hingewiesen und dabei mit Erfolg für bestimmte Themenfelder sensibilisiert.
Doch nicht alles, was glänzt, ist frei von Fehlern. In den letzten Monaten musste ich als Vorsitzender bedingt feststellen, dass die GFI nicht immer ihren eigenen Ansprüchen gegenüber gerecht geworden ist. Die Bindung zwischen Vorstand und Mitgliederbasis war wie aufgelöst und der politische Diskurs hat in der Sache seine Vielfältigkeit verloren. Die scharfen Aufforderungen von bestimmten Vorstandsmitgliedern wie z.B. in der Schulpolitik im Frühjahr, der Bürgermeister solle von seinem Amt zurücktreten, haben mich in meiner Krankheitsphase überrascht und sehr geärgert. Hier war nichts von konstruktiver Einstellung zu spüren, was für mich im Gesamtkontext bei jeder politischen Handlung jedoch wichtig ist.
Insbesondere in den letzten Wochen fehlte mir von Teilen des Vorstandes die Aufmerksamkeit für zwei zentrale politische Anliegen meinerseits. Zum einen die kontinuierliche Rückkopplung von politischen Diskussionen an der Basis und zum Anderen damit verbunden ein offener und wertschätzender Umgang untereinander.
Eine persönliche Konfliktdebatte in der Öffentlichkeit werde ich mit den frisch ausgetretenen GFI-Mitgliedern nicht führen, denn dafür weiß ich sie heute immer noch zu schätzen, da sie alle zur positiven Entwicklung der GFI einiges beigetragen haben. Ausdrücklich bedanke ich mich bei den ehemaligen Vorstandsmitgliedern für ihre geleistete ehrenamtliche Arbeit.
Wir müssen jetzt aus der Krise lernen und im gleichen Moment den Scherbenhaufen wieder aufräumen. Ich habe zwar durch persönlichen Kontakt viele Austritte verhindern können, dennoch haben wir heute nur noch 75 Mitglieder statt 87 und das ist ein herber Verlust für unsere GFI.
Die Jahreshauptversammlung am 19. Oktober dieses Jahres haben wir aufgrund der Vorkommnisse aufgehoben und planen stattdessen nun eine außerordentliche Mitgliederversammlung mit Vorstandswahlen Ende November. Die GFI wird sich somit personell neu aufstellen und den Neuanfang wagen. Weiterhin werden wir darüber entscheiden müssen, welches Format wir zukünftig bedienen wollen. Für das neu aufgestellte Team sollte der Kerngedanke der Änderung der politischen Kultur in Iserlohn im Vordergrund stehen, die Mittel dazu sollten dann im zweiten Schritt bedacht werden. Eine alleinige Konzentration auf die Kommunalwahlen kann auch für den Gedanken und den Aktionshorizont einer politischen Kraft hinderlich sein. Auf diese Diskussion mit den Mitgliedern bin ich sehr gespannt.
Ich mache gerne weiter und lasse die GFI nicht allein.
Soweit Ünal in seinem (leicht gekürzten) Brief.