Waldstadt?

Iserlohn. (as) Er ist ein Macher. Ein Planer. Ein Geograph, der es liebt, am großen Rad der Entwicklung mitzudrehen. Die gesellschaftliche, ökonomische und ökologische Entwicklung der Stadt liegt ihm am Herzen. Der Stadt Iserlohn. Seit dem 1. Januar 2014 ist Martin Bußkamp Stadtmarketing-Manager in Iserlohn. Einer, für den ein „Dafür haben wir kein Geld“ zunächst mal nicht zählt. „Manchmal gibt es auch subversivere Methoden, etwas Gutes umzusetzen“, sagt Martin Bußkamp.

Martin Bußkamp ist kein unbeschriebenes Blatt. In Bochum hat er gearbeitet. Zehn Jahre lang war der 48-jährige Ehemann und Vater dreier Kinder Geschäftsführer des Lüdinghausen Marketings. „Iserlohn“, sinniert er, „ist wie eine Schnittstelle. Die Stadt hat das Gute von beiden.“

Iserlohn lernt er zunächst als Pendler kennen. So schnell lässt sich eine Familie nicht verpflanzen, zumal eine Tochter kurz vorm Abitur steht. Als Noch-Pendler jedoch bewahrt er sich den Blick als Außenstehender auf eine Stadt ein wenig länger. Er spricht vom „Bildungs-Wanderungs-Saldo“, also vom Fachkräftemangel und dem möglichen Zuzug gut ausgebildeter Menschen in die Stadt.

Die Stadt hat viele Trümpfe in der Hand

„Wenn das Image nicht stimmt, kommt kein arbeitsloser Schlosser aus Bochum oder Duisburg nach Iserlohn, um hier einen Top-Arbeitsplatz anzutreten“, sagt Martin Bußkamp. Stimmt das Image nicht? Es sei auf jeden Fall verbesserungswürdig, meint der studierte Geograph. Iserlohn werde gern mit dem Wort Waldstadt beschrieben. Das klingt verträumt, bodenständig, nach Wald und Wiesen. „Ein Alleinstellungsmerkmal ist das aber nicht“, sagt Martin Bußkamp. Muss es auch nicht sein. Denn nach Auffassung des neuen Stadtmarketing-Leiters habe die Stadt viel mehr Trümpfe in der Hand: „Iserlohn ist familienfreundlich, bildungsorientiert und mächtig sportbegeistert“, sagt er.

Eishockey-Mania mit vielen Freunden

Apropos Sport. Ein bisschen hat er sich selbst schon anstecken lassen – von der Eishockey-Mania. „Mein Sohn fragte mich, ob wir nicht einmal zu einem Spiel der Roosters gehen können.“ Sie gingen – und sie kamen immer wieder. Mittlerweile hat er bereits 17 Freunde aus Lüdinghausen zum Eishockey und nach Iserlohn gelockt. Es werden nicht die letzten gewesen sein.

Doch Sport in Iserlohn ist mehr als Eishockey. Ein BiTS-Student arbeitet zurzeit unter dem Dach des Stadtmarketings die „Sportstadt Iserlohn“ auf. Welche Vereine gibt es? Wo liegen die Schwerpunkte? Welche Sportarten werden angeboten? Und das Ganze aus Marketing-Sicht.

Diese Arbeit kann sich bald im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen. Martin Bußkamp überlegt eine Präsentation einzelner Vereine zum Beispiel in gerade leeren Schaufenstern in der Innenstadt. Oder an seinem eigenen Arbeitsplatz – in einem künftig einsehbaren Fenster in der Stadt- und Touristinformation im Stadtbahnhof.

Iserlohner Souvenirs aus einer Hand

Hier – in seinen Arbeitsräumen – möchte er bündeln, was Iserlohn zu bieten hat. Im wahrsten Sinne des Wortes. Er plant einen Iserlohn-Shop. Einen Souvenir-Laden für Touristen und Iserlohn-Liebhaber. Warum sollen Höhlen-Bärchen ausschließlich in der Dechenhöhle verkauft werden? Oder Roosters-Fanschals ausschließlich im Fanshop in der Eishalle? Er möchte Souvenirs und Literatur aus und über Iserlohn in einem eigenen kleinen Laden anbieten. Auch um Besucher neugierig zu machen auf die Vielfalt, die in Iserlohn und den Ortsteilen steckt.

Vielfalt ist so ein Stichwort. Die Vielfalt Iserlohns, die in seinem Arbeitsplatz aufeinanderprallt.

„Wir wollen uns touristisch besser vernetzen“, sagt Martin Bußkamp. Ein Schritt dazu: „Wir möchten uns dem Hotel-Buchungsportal von Sauerland Touristik anschließen.“ Außerdem, so der Stadtmarketing-Leiter, werde der Internetauftritt „Tourismus Iserlohn“ neu gestaltet.

Eine Datenbank für den Einzelhandel

In Sachen Handel macht sich Martin Bußkamp für eine „Datenbank für den Einzelhandel“ stark. In dieser Datenbank könne auch enthalten sein, wie lange Mietverträge laufen oder wann die Händler ihr Geschäft aufgeben möchten. Auf diese Weise können Leerstände verhindert werden. „Es lassen sich auf jeden Fall schneller Nachfolger finden“, sagt Martin Bußkamp.

Bei dem neuen Stadtmarketing-Chef läuft viel zusammen. Er baut Kontakte aus zu Freizeit- und Touristikverband MK, zur Regionale, zur Südwestfalen-Agentur, um nur drei zu nennen. Aber er blickt auch immer wieder direkt in die Stadt hinein. Zur Kaufmannschaft beispielsweise: „In Gesprächen hat sich herausgestellt, dass sich die Kaufleute beim Autosalon eine Belebung des Unnaer Platzes wünschen“, berichtet er. Gesagt, getan: Beim nächsten Autosalon werden eine Hüpfburg und die E-Mobile der Stadtwerke auf den Unnaer Platz locken.

Imagekampagne für Standort Iserlohn

„Eine spannende Aufgabe“, schwärmt Martin Bußkamp. „Man sammelt überall Aktivitäten ein und fügt zusammen.“ In der Kernstadt Iserlohn, in Letmathe, in allen anderen Ortsteilen.

Iserlohn ist Vielfalt. Martin Bußkamp hat eine Vision: Er möchte eine Imagekampagne für den Standort Iserlohn ins Leben rufen. Plakete, vielleicht Filme, Slogans die so einzigartig sind wie die Stadt. Das ist teuer und eigentlich mit kleinem Budget kaum umzusetzen. Doch Martin Bußkamp lacht, wie wohl nur Martin Bußkamp lachen kann: „Wir finden einen Weg“, sagt er. Vielleicht einen mit etwas subversiveren Methoden. Er ist eben ein Macher.