Was passiert nun mit Kissing&Möllmann?

Das Fabrikgebäude von Kissing&Möllmann aus dem Jahr 1866 ist seit 2011 in den Händen des heutigen Besitzers – das Thema Sicherheit und Brandschutz könnte ihm nun zum Verhängnis werden. (Foto: Heiko Cordes)

Iserlohn. (hc) Kaum eine Iserlohnerin oder ein Iserlohner wird es nicht kennen: Das alte Fabrikgebäude von Kissing&Möllmann an der Straße Obere Mühle. Imposant von den Ausmaßen, Heimat von mindestens 21 Menschen, Ort des Zusammenkommens, des Arbeitens und Lebens – das verkörpert dieser Bau. Doch damit könnte bald Schluss sein. Der Grund: Fehlende Brandschutzmaßnahmen, fehlende Baugenehmigungen, mangelnde Sicherheit.
Deswegen hat die Stadt Iserlohn am vergangenen Donnerstag einen Bescheid in die Post gegeben, der für den Besitzer des Gebäudes bestimmt ist. Das ist der erste Schritt, der nötig ist, um im schlechtesten Fall in sechs Wochen die Bewohner des Gebäudekomplexes herauszuholen.

Keine Kompromisse mehr

Die Stadt macht deutlich: Die Zeit der Kompromisse ist (zunächst) vorüber. Die Sicherheit der Leute geht vor, deswegen sind bereits Maßnahmen vorbereitet, die jedem Bewohner ein Dach über dem Kopf bietet.
Dabei hatte Besitzer Jörg Rodegra bei der Übernahme des Objekts zunächst seine guten Absichten mit einem Brandschutzgutachten gezeigt. Nur die darin geforderten Maßnahmen blieben fast vollständig unerfüllt.

Sicherheit geht vor

Damit sind die Personen, die in Einzelfällen schon seit Jahrzehnten in der alten Fabrik ihre Heimat gefunden haben, nicht mehr sicher. Was passiert, wenn ein Feuer ausbricht? Not-
ausgänge des teilweise unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes sind nicht ausreichend vorhanden, zudem wurde „wild“ im Inneren gebaut, was Fluchtwege gar nicht berücksichtigt. In den sozialen Medien zeigt sich nach einem Bericht in der Presse bereits, wie viel Leidenschaft in diesem Bauwerk steckt. Von Widerstand gegen die Räumung, über Verzweiflung und Unverständnis bis zur Zustimmung ist alles vertreten.
Das macht die Sache für die Stadt auch so schwer und ist deshalb eine echte Herzensangelegenheit. In der Verwaltung wird Hand in Hand gearbeitet, damit die Menschen dort am Ende nicht einfach auf der Straße stehen, ohne Bleibe, ohne Zukunft.

Keine Dynamik mehr

Dabei hätte es anders kommen können. Mit gestellten Bauanträgen, notfalls von den Mietern, die dort wohnen oder ein Gewerbe betreiben, sowie einem wirksamen Brandschutz wäre die Verwaltung wahrscheinlich bereit gewesen, weitere Hilfen anzubieten. Doch statt Aufbruch konnte zuletzt eher Stillstand festgestellt werden. Deshalb ist es die logische Konsequenz, dass die Stadt nun eingreift, um eine Sicherheit zu gewährleisten, die eigentlich die Mieter von ihrem Vermieter hätten erwarten dürfen. Dieses Dilemma, in dem sich die Menschen der Obere Mühle 28 befinden, lässt sich auf kurze Sicht wohl kaum lösen. Eine alternative Szene des Zusammenlebens, ein Anlaufpunkt für Menschen ohne festen Wohnsitz – das alles steht nun zunächst einmal vor dem Aus.
Wie könnte eine Lösung aussehen? Eine Übernahme des Gebäudes durch die Stadt dürfte wohl kaum ein Thema sein. Erstens kann der Eigentümer nicht verpflichtet werden zu verkaufen, und zweitens dürfte die Stadt, angesichts der zukünftigen Großprojekte, wohl kaum Interesse haben, das Megaprojekt zu stemmen. Daher dürfte es in der Hand von Jörg Rodegra liegen, was damit passiert und ob es irgendwann einmal wieder die Heimat für Iserlohnerinnen und Iserlohner wird.

Werkstatt im Hinterhof bleibt offen

Nicht betroffen ist übrigens die Werkstatt im Hinterhof. Dort ist auf Grund gestellter und bewilligter Bauanträge alles im grünen Bereich, schließlich hatte die Stadt dort Geld in ein fremdes Objekt gesteckt, um Sicherheit zu gewährleisten. Dank eines langfristigen Mietvertrags wird die Anlaufstelle auch in den kommenden Jahren geöffnet bleiben.