Wenn Arbeit zum Streitfall wird

Iserlohn. (clau) Arbeitsrecht? – Das geht alle an, die im Erwerbsleben stehen. Viele schenken ihm über Jahre und Jahrzehnte hinweg niemals nähere Beachtung. Und doch kann jeder jederzeit von jetzt auf gleich beruflich in eine Situation kommen, wo er es dringend braucht, das Arbeitsrecht.

Ingo Graumann und Steffen Müller, beide Fachanwälte für Arbeitsrecht. Aus ihrer Kanzlei stammen die Informationen und Tipps zum Arbeitsrecht, die der wochenkurier seit zehn Jahren regelmäßig als Leserservice veröffentlicht. (Foto: Tim Graumann)

Der wochenkurier Iserlohn veröffentlicht deshalb in seiner gedruckten Ausgabe regelmäßig einmal monatlich unter der Überschrift „Arbeitsrecht – Wichtig auch für Sie!“ kurze Texte mit Tipps und Informationen zur aktuellen Rechtslage rund um den Arbeitsplatz.

Kündigung – was jetzt?

Dabei werden Fragen behandelt wie diese: „Ich bin seit 10 Jahren bei einem Discounter als Verkäuferin beschäftigt. Ich habe vor zwei Tagen das Kündigungsschreiben erhalten, es wurde unterschrieben vom stellvertretenden Filialleiter. Was kann ich gegen die Kündigung unternehmen?“

Ein anderes Mal geht es zum Beispiel um die Frage, ob eine langjährig Beschäftigte auch bei Arbeitsunfähigkeit noch Anspruch auf Weihnachtsgeld hat.

Expertenrat für wk-Leser

Fragen wie diese kann nur ein Experte beantworten. Seit genau zehn Jahren kommen die Fachtexte für diese wochenkurier-Rubrik aus der Iserlohner Kanzlei für Arbeitsrecht „Graumann & Müller“.

Zum zehnjährigen Jubiläum dieses wichtigen Leserservices gewährte die Kanzlei der Redaktion einen Einblick in den Arbeitsalltag eines Arbeitsrechtlers.

Immer sofort reagieren

In fast allen anderen Rechtsbereichen mahlen die Mühlen der Justiz oft langsam und bedächtig. Aber im Arbeitsrecht muss alles schnell gehen. „Wir müssen immer sofort reagieren“, sagt Ingo Graumann. „Die Menschen, die uns anrufen, brauchen meist unverzüglich Hilfe. Ob Arbeitgeber, die mit einer Abmahnung ringen, oder Arbeitnehmer, die die Kündigung bekommen haben…, viele Ratsuchende leiden unter Stress und schlaflosen Nächten. In jedem Fall brauchen sie möglichst sofort einen Termin.“

Das macht die Arbeit in der Kanzlei oft schwer planbar, wenn nicht unkalkulierbar. Der Einsatz für einen Arbeitgeber ist das eine, der für einen Arbeitnehmer das andere.

Der Arbeitgeber

„In der Regel sollte ein Arbeitgeber alles tun, um einen Fall nicht so hoch aufzuhängen. Jeder Arbeitsrechtsfall sollte zu seinem eigenen Besten möglichst schnell und problemlos mit einer außergerichtlichen Güte-Einigung abgearbeitet werden. Alles andere wird leicht entweder teuer für ihn oder sorgt eventuell für schlechte Stimmung unter der restlichen Belegschaft“, so Ingo Graumann aus seiner Erfahrung. „Für einen Arbeitgeber ziehen wir also im Idealfall gar nicht erst bis vor Gericht.“

Emotionen seien hier fehl am Platz, Rachegefühle nur hinderlich. „Nie schimpfen. Nicht verhöhnen. Immer fröhlich sein“, das ist die Devise, mit der Ingo Graumann den größten Erfolg hat.

Der Arbeitnehmer

Anders sieht es aus, wenn ein Arbeitnehmer fassungslos und ratlos mit seiner Kündigung vor dem Rechtsexperten sitzt. „Oft haben diese Leute, besonders wenn sie in gehobener Position sind, die Kündigung schon seit Wochen sogar zuhause verschwiegen, weil sie sich schämen und ins Mark getroffen sind“, weiß Ingo Graumann nur zu gut. Selbst nach 20 oder 25 Jahren kann selbst für jede Führungskraft von heute auf morgen Schluss sein, weil „zum Beispiel der neue Geschäftsführer einen guten Freund hat, der jünger ist, schickere Anzüge trägt oder moderne Ideen hat und den er auf den Posten hieven will.“

„Aus der Schweinerei das Beste machen“

Da heißt es für die Anwälte: Erst einmal intensiv zuhören, den Druck rausnehmen, besänftigen, dann langsam darstellen, wie die rechtliche Seite sein könnte und erste, anfängliche Sicherheit geben. Dazu gehört für Ingo Graumann auch ein Gespräch mit den oft aufgebrachten und verunsicherten Lebens- oder Ehepartnern, deren Vertrauen in seine Mandanten durch die Kündigung mitunter ins Wanken geraten ist. Dazu gehören aber auch ganz praktische wirtschaftliche Schritte, um etwa einer Zahlungsunfähigkeit vorzubeugen.

Was dann folgt, ist der Versuch, gemeinsam „aus der Schweinerei das Beste zu machen.“

Nur die Ruhe

Ruhig bleiben. Sachlich bleiben. Den Fall sauber rechtlich lösen. Das ist für Ingo Graumann oberstes Ziel, denn: „Das Gericht will keine Schimpferei. Das Verhalten des Anwalts wird letztlich immer seinem Mandanten zugeordnet.“

Das nötige dicke Fell, die unerschütterliche Ruhe und die Nerven wie Drahtseile, die ihm im Rechtsalltag nützlich sind, wurden Ingo Graumann nicht in die Wiege gelegt. Er lacht: „Die habe ich mir hart erarbeitet in meiner jahrelangen Junggesellen-Überlebensgemeinschaft mit meinem besten Freund Gerhard Schröder.“ Jeden Abend habe er sich seinerzeit in Bielefeld mit dem späteren Kanzler in harten Diskussionen nur so gefetzt…