“Wer macht mit….?“

Iserlohn. (Red.) Wenn Museen Kinderspielzeug zeigen, stehen meist wertvolle Puppenstuben, schöne Schaukelpferde oder aufwändige Miniatur-Dampfmaschinen im Mittelpunkt. Das alles konnten sich nur wohlhabende Familien leisten. Doch wie haben früher die Kinder “einfacher“ Leute gespielt? Dieser Frage geht die Wanderausstellung “Wer macht mit?” nach, zu sehen vom 10. Juli bis 28. August 2011 im Iserlohner Stadtmuseum.

Spiele armer Kinder

Über 100 Objekte und viele Spielbeschreibungen stellen dar, wie sich Kinder früher die Zeit vertrieben haben. „Wir wollen in der Ausstellung vor allem zeigen, wie Kinder von ärmeren Arbeitern, Handwerkern und Bauern früher gespielt haben“, beschreibt Ausstellungsmacher Ulrich Neseker das Konzept der Ausstellung. Die meisten der ausgestellten Spielgeräte seien selbstgemacht, gekauft worden seien nur sehr preiswerte Spielsachen. Größeres Spielzeug wie Puppenstuben, aber auch Gesellschaftsspiele, hätten Erwachsene für ihre Kinder oft selbst hergestellt.

Für viele Spiele nutzten die Kinder häufig Gegenstände des Alltags, aus denen sie selbst Spielgeräte herstellten. Das gilt zum Beispiel für das heute nur noch wenig bekannte “Bickeln“. Dieses Geschicklichkeitsspiel war bis in die 1950er Jahre vor allem bei den Mädchen beliebt. Dabei mussten die Spielerinnen Fußgelenk-Knochen von Schafen oder Ziegen nach festgelegten Regeln aufheben, wenden oder auf eine bestimmte Seite legen. Dafür hatten sie nur so lange Zeit, wie der Ball in der Luft war, den sie zuvor hochgeworfen hatten.

Wenig Spuren

Solche Spielknochen oder -steine haben sich selten erhalten. Da sie keinen materiellen Wert haben, wurden sie meist weggeworfen, wenn niemand mehr mit ihnen gespielt hat. “Spielzeuge aus Holz wie selbstgebaute Schlitten oder Schiffchen wurden oft als Brennholz genutzt, wenn sie defekt waren oder nicht mehr gebraucht wurden. Hier bewahrheitet sich die Aussage ’Armut hinterlässt wenig Spuren’“, so Neseker.

Die Kinder aus unteren Schichten hatten früher nicht so viel Zeit, mit ihren selbstgebauten Puppenstuben, Booten, Stelzen oder Murmeln zu spielen. Denn Kindheit sah vor einigen Jahrzehnten noch ganz anders aus: Auf dem Land war es selbstverständlich, dass die Kinder nach der Schule auf dem Hof mitarbeiteten. Aber auch viele Stadtkinder mussten bei der Heimarbeit helfen oder selbst Geld verdienen.

Auf der Straße

Hatten die Kinder Zeit, boten sich ihnen ganz andere Möglichkeiten zu spielen. Da es bis zur Wirtschaftswunderzeit kaum Autos gab, konnten sie vor allem im Frühjahr und Sommer gefahrlos auf der Straße spielen. Nur bei ganz schlechtem Wetter wurde drinnen gespielt. Besonders beliebt war dann das Verkleiden. Welcher Junge wollte nicht Ritter oder Indianer sein, welches Mädchen nicht als Braut oder edle Dame auftreten…

Vor allem Spiele, für die man kein Spielzeug benötigte, waren weit verbreitet, wie etwa Fang- und Versteckspiele. Der Titel der Ausstellung leitet sich von einem dieser Spiele ab. Die Kinder in Westfalen zogen früher durch die Nachbarschaft und riefen laut: “Wer macht mit, Räuber und Schandit“, wobei mit dem Schandit der Gendarm gemeint war.

Würfel aus Knochen

Es gibt in Westfalen hunderte dieser Spiele. Einige sind nur in bestimmten Regionen bekannt, andere werden in der ganzen Welt gespielt. Auch die Namen der Spiele und deren Spielregeln sind oft schon von Dorf zu Dorf verschieden.

Dass sogar Gesellschaftsspiele in Eigenarbeit hergestellt wurden, zeigt unter anderem ein selbst gezeichnetes Monopoly-Spiel aus der Zeit um 1950 sowie aus Schiefer hergestellte Mühlesteine aus der Stadtarchäologie in Soest. Ein etwa 1000 Jahre alter Würfel aus Knochen ist das wohl älteste Exponat. Für den Bereich “Vom Vater gebaut” stehen unter anderem ein Puppenhaus mit zahlreichem Zubehör sowie ein Modell eines Hühnerhauses mit Tieren aus der Nachkriegszeit.