Wie Kalthof zum Silicone Valley wird

Weltmarktführer siedelt sich im Gebiet „Zollhaus“ an

Wie Kalthof zum Silicone Valley wird
Dieses Grundstück soll es sein. Ralf Stoffels (l.) wird sich mit seiner Silicone Group im Industriegebiet Kalthof-Zollhaus niederlassen. Das Foto zeigt neben Stoffels die Väter und Mütter der erfolgreichen Verhandlungen: (v.l.) Daniela Bischof-Kreutzer (Stadt Iserlohn / Stadtentwicklung und Grundstücke), Thomas Haude (GfW), Baudezernent Thorsten Grote und Thomas Junge (GfW). (Foto: Andrea Schneider)

Iserlohn. „Das Silicone Valley liegt nicht in Kalifornien, sondern in Südwestfalen.“ Der Mann, der das sagt, heißt Ralf Stoffels. Er ist Präsident der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen, Geschäftsführer der Firma BIW Isolierstoffe und Geschäftsführer der Silicone Group.

Mit seinen Firmen gehört er zu den sogenannten „Hidden Champions“, den versteckten Weltmarktführern. „Ich kann halt nur Silikon“, sagt er und muss selbst über den Satz schmunzeln. Aber fest steht: Silikon kann er gut. In Schwelm, dem ursprünglichen Sitz des Betriebs, in Ennepetal, im rheinland-pfälzischen Nieder-Olm, in China und in Polen. Bald auch in Kalthof. Denn der Rat der Stadt Iserlohn hat grünes Licht für eine Ansiedlung eines Betriebs der Silicone Group im Industriegebiet Zollhaus gegeben.

Die Kaufverträge werden gerade ausgearbeitet. Sie können vielleicht schon in der nächsten Woche unterschrieben werden. Auf 10.000 Quadratmeter Grundstück möchte Ralf Stoffels seinen Nieder-Olmer Betrieb BSP (Bautechnische Silikonprofile) in die Zukunft führen und Raum für neue Projekte schaffen. Zunächst 20, dann wahrscheinlich weitere 20 Arbeitsplätze möchte er schaffen. Vielleicht werden es aber auch mehr.

Seine Herangehensweise ist durchaus sportlich: „Wir wollen Anfang 2020 anfangen zu produzieren“, sagt er. Ungläubiges Staunen in der Runde. „Wir schaffen das“, sagt Ralf Stoffels, lacht und formt mit den Händen eine Merkel-Raute. Ralf Stoffels ist nicht leicht zu beeindrucken. Aber die Stadt Iserlohn hat es geschafft. Im Herbst hatten sich Thomas Junge, Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung, und der versteckte Weltmarktführer erstmals über dessen Expansionspläne unterhalten.

Und die besonderen Voraussetzungen für einen chemischen Betrieb. Genau in diese Kategorie gehört er nämlich mit der Herstellung von Silikonprodukten. Ein reines Gewerbegebiet wäre für die Ansiedlung kaum infrage gekommen. Aber ein Industriegebiet. Etwa 10.000 Quadratmeter Grundstück in Kalthof-Zollhaus standen noch zur Verfügung. „Für uns ein Glücksfall“, schwärmt Stoffels. In direkter Nachbarschaft im Industriegebiet Zollhaus, aber auch in Sümmern haben sich zuvor schon andere Weltmarktführer angesiedelt. „In so einer Umgebung kann man sich wohl fühlen“, sagt Ralf Stoffels. Er ist überzeugt, dass er durch die Nähe zum Ruhrgebiet zudem den Facharbeitermangel nicht so intensiv zu spüren bekommt wie beispielsweise in Ennepetal.

Vertrauen in einen Global Player

Er schwärmt aber auch von der beeindruckenden Schnelligkeit, mit der seine Kaufanfrage von allen maßgeblichen Gremien in Iserlohn bis hin zum Rat der Stadt angenommen wurde. Jetzt ist es an Thomas Junge zu schmunzeln: Die Silicone Group, sagt er, sei schließlich nicht irgendwer. Ein gesunder Betrieb auf Expansionskurs, ein Weltmarktführer, bei dem sogar schon die Nachfolge in der Geschäftsführung geregelt und der damit bestens für die Zukunft aufgestellt sei, habe immer sehr gute Karten, wenn es darum gehe, eines der letzten Industrie­grundstücke der Stadt zu übernehmen. „Vertrauen“, so Junge, lautet das Zauberwort.

Thomas Junge ist froh, die Silicone Group gewonnen zu haben für Iserlohn. Doch der Blick auf den aktuellen Stand an freien Gewerbe- beziehungsweise Industrieflächen lässt Sorgenfalten auf seiner Stirn entstehen. „Das reicht höchstens für vier, fünf Jahre“, sagt er. Und dann?

Briten drängen auf den Markt

Gemeinsam mit Ralf Stoffels ist er sich einig, dass die Stadt neue Flächen ausweisen und vorhalten muss. „Für regionale Unternehmen auf Wachstumskurs“, sagt Ralf Stoffels.

Aber er weiß, dass mittlerweile auch andere um den kleinen Markt der freien Gewerbeflächen buhlen. In Großbritannien gebe es intensive Bemühungen diverser Betriebe, sich in der EU, gerne auch in Deutschland, niederzulassen, um den Folgen des Brexits zu entkommen. Dann wird er nachdenklich: „So holen wir uns vielleicht neue Konkurrenten in die Region.“

Die Silicone Group jedoch muss zunächst keine Mitbewerber fürchten. Jedenfalls so lange Silikon ein zwar teurer, aber im Vergleich zu anderen Produkten nachhaltigerer und langlebigerer Werkstoff bleibt. Wo die Produkte der Silicone Group zu finden sind? „Als Abdichtung in fast jedem Backofen“, sagt Ralf Stoffels. „Als Schlauch für heißes Wasser in Kaffeemaschinen.“ Als Kabelummantelung in Autos, als leichte Isolierung im Airbus und und und.

Er kann halt Silikon. Und das sehr gut. Ralf Stoffels setzt alles daran, dass schon im nächsten Jahr Kalthof zum Silcone Valley gehört.

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