„Wir sind die Veränderung“ – GfI-Vorsitzender Ünal kandidiert im November nicht mehr

Iserlohn. (as) „Niemals geht man so ganz“, heißt es. Das gilt im besonderen Maße für Ugur Ünal. Im Gespräch mit dem Wochenkurier gab er bekannt, dass er im November bei der Jahreshauptversammlung der Wählerinitiative „Gemeinsam für Iserlohn“ (GfI) nicht mehr für ein Vorstandsamt kandidieren werde.

Der Gründer und Motor der politischen Organisation zieht sich zurück. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Lachend, weil er dann wieder mehr Zeit für seine Familie haben wird, für seine Frau und die beiden kleinen Kinder. Doch der Entschluss schmerzt auch. „Die GfI ist irgendwie auch mein Baby. Das lässt man nicht einfach ziehen“, sagt er.

Dabei wünscht er sich eigentlich genau das: Die GfI möge weiterziehen. Mit einem neuen, schlagkräftigen Vorstand, am besten mit einem unabhängigen Bürgermeisterkandidaten bei der nächsten Kommunalwahl. Auch er selbst hatte kurz mit dem Gedanken gespielt, womöglich als Bürgermeister zu kandidieren. Sehr kurz. „Ich bin noch nicht reif genug“, gesteht Ugur Ünal offen ein. Und: „Ich glaube auch, dass die Gesellschaft noch nicht reif genug ist für einen wie mich.“

Einer wie er, das ist ein Mensch mit türkischen Wurzeln. Immer wieder muss der Iserlohner erleben, dass alle, die vor dem Gesetz zwar gleich sein sollten, im täglichen Leben doch etwas unterschiedlich behandelt werden. Nicht von allen. Sonst würde es die GfI nicht geben. Denn diese Wählergemeinschaft ist wie kaum eine zweite Vereinigung zu einer Heimat der Menschen geworden, die eine Leidenschaft vereint: Ihre Liebe zu Iserlohn. Sie haben deutsche, türkische, griechische, spanische oder sonstige Wurzeln, doch hier in Iserlohn und auch irgendwie in der GfI sind sie zu Hause. Sie wollen sich engagieren, leben Demokratie von unten, unterstützen Menschen und Vereine, die es schwer haben, mischen sich ein in politische Debatten, geben Denkanstöße.

Bürgermeister-Wahl und die Folgen

Zweieinhalb Jahre ist es her, als Ugur Ünal und seine Mitstreiter die Wählerinitiative „Gemeinsam für Iserlohn“ gegründet hatten. Das war kurz nach der Bürgermeister-Wahl. „Wir waren erschüttert von der geringen Wahlbeteiligung“, sagt der städtische Angestellte und langjährige Sozialdemokrat. Zwei Fragen geisterten durch seinen Kopf: Ist die Politik manchmal zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um Menschen noch erreichen zu können? Und: Werden tatsächlich alle Themen angesprochen, die die Menschen dieser Stadt berühren? Seine Konsequenz: Es muss etwas geschehen. Das war die Geburtsstunde von „Gemeinsam für Iserlohn“. Denn: Nicht die vermeintlich große Politik sollte im Mittelpunkt stehen, sondern das Engagement für Iserlohn und die Iserlohner.

Gemeinsam berief man sich auf ein berühmtes Zitat des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama: „Veränderung wird nicht kommen, wenn wir auf eine andere Person warten oder auf eine andere Zeit. Wir sind diejenigen, auf die wir gewartet haben. Wir sind die Veränderung, nach der wir suchen.“

Die Wählergemeinschaft gründete Stammtische und stellte Tische in der Fußgängerzone auf, um mit noch mehr Menschen ins Gespräch zu kommen. Sie trat ein für einen öffentlichen Bücherschrank mitten in der City, an einem Ort, an dem sich „Jung und Alt zum Lesen verabreden können“. „Ein schöner Gedanke in einer zunehmend digitalisierten Welt“, sagt Ugur Ünal.

Die GfI gab den Anstoß zur Gründung einer neuen Werbegemeinschaft, sprach bei einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion das Thema „Sicherheit in der Stadt“ an.

Oft trat die GfI unter der Leitung von Ugur Ünal auch Vertretern der Stadt Iserlohn auf die Füße. Das war nicht immer leicht für den städtischen Angestellten. Doch in diesen Momenten erlebte er immer wieder eine große Solidarität. Alte SPD-Mitstreiter machten sich stark für den Mann, der nun in der GfI ein neues politisches Zuhause gefunden hatte. Dimitrios Axourgos, bis vor kurzem noch SPD-Fraktionschef in Iserlohn, jetzt Bürgermeister in Schwerte, hat Ugur Ünal trotz einer Vielzahl von unterschiedlichen Auffassungen stets unterstützt. Auch von Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens ist er für seine manchmal harsche Kritik an der Stadt nie kritisiert worden. „Das ist souverän“, sagt Ugur Ünal. „Ein fabelhafter Demokrat.“

Suche nach neuem Vorstand

Trotz vieler Erfolge – die Aufgabe als Vorsitzender der GfI war für den Iserlohner beinahe ein Vollzeitjob neben seiner Arbeit. „Ich muss mich jetzt zurückziehen“, sagt er. „Muss meine Familie wieder in den Vordergrund rücken.“ Und die eigene Karriere. Er möchte die Möglichkeit ergreifen, einen berufllichen Aufstieg zu machen. Sich noch einmal quasi auf die Schulbank zu setzen.

Und die GfI? Bis November ist noch viel Zeit. Nach „Iserlohn karibisch“ plant die GfI nun ein Kinderfest in der Innenstadt, das ganz ohne städtische Mittel auf die Beine gestellt wird. Auch eine politische Comedy-Show im Filmpalast ist noch geplant. Und dann?

Ugur Ünal wird ganz schwer ums Herz. „Ich hoffe, dass sich genügend engagierte Mitglieder finden, die im Vorstand Verantwortung übernehmen und die Wählergemeinschaft weiter in die Zukunft führen“, sagt er. Er selbst geht ja auch nicht so ganz. Als GfI-Mitglied bleibt er der Gemeinschaft erhalten.