Vollblut-Buchhändlerin Käte Bischoff

Iserlohn. (Red/clau) Mit Leib und Seele Buchhändlerin – das war Käte Bischoff. Sie wurde 1910 als Tochter des Buchhändlers Gerd Bischoff geboren. Ihr aus Leipzig stammender Ururgroßvater Ferdinand hatte den Buchhandel und Verlag, der 1831 von Wilhelm Langewiesche gegründet worden war, von dessen Nachfolger übernommen.

Käte Bischoff inmitten von  Büchern. (Foto: Privat)
Käte Bischoff inmitten von Büchern. (Foto: Privat)

Urgroßvater Ernst erweiterte den Betrieb an der Unnaerstraße 9 um einen Handel mit Papier und Comptoir-Utensilien. Schreibmaterialien und Galanteriewaren (modische Accessoires und kleine kostbare Gebrauchsgegenstände) kamen ins Sortiment. Ab 1905 wurde das Geschäft von seiner Witwe Ida weitergeführt. Der Enkel Gerd, Kätes Vater, hatte später die Idee, aus seinen eigenen Fotos von Iserlohn Ansichtskarten zu produzieren.

125 Jahre Bischoff

Nach seinem Tod 1943 wurden Tochter Käte und nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft auch ihr Bruder Ernst verantwortlich für die Buchhandlung. Sie hatte im elterlichen Betrieb gelernt und ein Volontariat in einer jüdischen Buchhandlung in Frankfurt gemacht. Er dagegen war in Hamburg ausgebildet worden.
Im Jahr 1959 konnten die Geschwister das 125-jährige Jubiläum der „Papier- Buch- und Schreibwarenhandlung Ernst Bischoff“ feiern. Das Ladenlokal war mit Fotos des Firmengründers Ferdinand und aller Nachfolger geschmückt. Das Sortiment reichte von Geistesgeschichte und Stadtgeschichte über Notenmaterial über christliche Literatur bis hin zur Gartenlaube“. Von unschätzbarem Wert sind bis heute die noch die Bischoff‘schen Ansichtskarten von Iserlohn.

Höchste Ansprüche

Die Geschwister waren sich nicht immer einig. Käte Bischoff war sehr klar in ihrer anthroposophischen Haltung. Sie bevorzugte die Klassiker, vor allem in hochwertig gestalteten Ausgaben, außerdem Kunst- und Musikbücher. Sie führte das gesamte Reclam-Sortiment, Reise- und Musik-Literatur und liebte die „Insel-Bücher-Reihe“. Sie hatte Freude an Limericks und schrieb sie auch selbst. Sie kaufte Neuerscheinungen ganz gezielt für Stammkunden aus der Iserlohner Fabrikanten- und Geschäftswelt ein, beriet mit Leidenschaft und versorgte das Iserlohner Goethe-Institut  mit Literatur und Unterrichtsmaterial. Sie pflegte gute Kontakte zu den Verlagsvertretern. Geschäftsessen mit ihr fanden in der gegenüberliegenden „Haferkiste“ statt. Regelmäßig fuhr sie zur Buchmesse nach Frankfurt.
Ihr Bruder wollte mit populären Büchern größere Kundenkreise ansprechen. So legte er etwa das Buch „Lolita“ verlockend ins Schaufenster. Aber Käte ließ diesen „Schund“ sofort wieder verschwinden. Ernst – inzwischen verheiratet und Vater – ließ dann das Geschäft gern mal Geschäft sein und setzte sich lieber in der Wasserstraße in der Gaststätte „Plugge“ ans Klavier.

Das Ein und Alles

Zum Sortiment bei Bischoffs gehörten Glückwunschkarten, Schulhefte, Füllhalter, Mal- und Bleistifte und Federkästen, jahreszeitliche Deko-Artikel und Geschenkpapiere, ein Antiquariat, Zeitungen und Zeitschriften. Fachzeitschriften wurden damals noch nur über den Buchhandel geliefert. Selbst Lexika konnten Band für Band über Bischoffs bezogen werden.
Große Reisen leistete sich die alleinstehende Käte Bischoff nie. Gelegentlich fuhr sie nach Oberstdorf in ein Buchhändler-Erholungsheim. Zuerst wohnten die Bischoffs in der Unnaerstraße über ihrem Laden, Käte später in der Hermannstraße. Sie verbrachte ihre letzten Lebensjahre im Tersteegen-Haus.
Das Geschäft blieb im Haus Unnaerstraße 9. Das tragische „Aus“ für die Buchhandlung, die die Altersversorgung hätte sein sollen, kam 1977. Käte arbeitete dann noch einige Zeit in der Buchhandlung Potthoff und in der Städtischen Bücherei. Sie starb 1986.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Text wurde stark gekürzt. Das Original hat Marlis Gorki aus diversen Quellen zusammengestellt. Anregungen, Ergänzungen, Fragen oder Tipps zu Käte Bischoff sind ihr willkommen unter Tel. 02371/ 32365.