WK-Reihe „Lebensbilder“ – Rolf Oventrops Geschichte

Iserlohn. (Red./clau) Kaum ein anderer hat sich so stark und
gründlich mit der Iserlohner Stadtgeschichte beschäftigt wie der Unternehmer
Rolf Oventrop. Er hortete seine ­historischen Schätze und Entdeckungen aber
nicht im Stillen, sondern machte sie den Iserlohnern selbst auf vielfältige
Weise wieder zugänglich. Über den Archivar, Literat und Vortragsredner schreibt
Marlis Gorki in der Wk-Reihe „Lebensbilder“.
Zum „Metaller“ geboren
Rolf Oventrop wurde 1909 als einziger Sohn des Fabrikbesitzers Otto Adolf
Oventrop und seiner Ehefrau Ilse geboren.
Die „Oventrops“ lassen sich bereits im 14. Jahrhundert im Märkischen Kreis
nachweisen. Spätere Generationen widmeten sich in Altena dem Drahtgewerbe, bis
schließlich Arnold Oventrop 1851 dort im eignen Betrieb Messingbeschläge
herstellte. Sein Sohn Otto Adolf fertigte später in der Iserlohner Grüne
zunächst Huthaken aus Messing, dann Aluminium-Profilteile.
Rolf Oventrop wuchs zwischen der Iserlohner Brauerei und der väterlichen
Messinggusswaren-Fabrik auf und fand es dort „traumhaft schön“.
Der Fabrik zuliebe
Nach dem Gymnasium in Iserlohn verzichtete er auf ein Studium der Geschichte,
die ihn begeisterte. Er studierte seinem Vater und dem Unternehmen zuliebe
stattdessen Betriebswirtschaft. Die Geschichte blieb aber zeitlebens sein Hobby.

Politische und wirtschaftliche Umstände zwangen ihn 1932 zurück nach Iserlohn
in den elterlichen Betrieb. Im Zweiten Weltkrieg wurde er kurz nach seiner
Hochzeit mit Ingeborg Enger einberufen. Nach dem Krieg übernahm Rolf Oventrop
die väterliche Metallwarenfabrik in der Grüne, wo bis zu einhundert Mitarbeiter
Aluprofile für den Ladenbau fertigten. Er führt das Unternehmen, bis er 1968
nach mehr als einhundert Jahren den Betrieb einstellte.
Eintauchen in Geschichte
Sein besonderes Interesse an Geschichte verlor Rolf Oventrop nie aus den
Augen. Nun hatte er Zeit dafür. Er galt als Kenner der Heraldik und
­Numismatik und beschäftigte sich stark mit der Familiengeschichte. Er
konnte seine Ahnentafel bis ins Jahr 1501 zurückzuführen und zwar zum Gut
„Obendrop“ oberhalb von Küntrop.
Rolf Oventrop war umtriebig. Er arbeitete als Archivar für den Iserlohner
Bürgerschützenverein und für die Gesellschaft Harmonie. Seine Texte in den
heimischen Tageszeitungen, in Zeitschriften des SGV, des Verkehrsvereins, im
„Märker“ und im „Bürgerschützen“ des IBSV erzählten Stadtgeschichte im großen
welthistorischen Kontext und genauso die kleinen Geschichten der Bürger.
Auf seine Recherchen greifen noch heute die Heimatforscher und Stadtführer
gern zurück.
In Vorträgen begeisterte Oventrop als lebhafter Redner sein Publikum. Er war
Ehrenmitglied des Kreisheimatbundes, Mitglied im Beirat des Förderkreises
Iserlohner Museen und Mitglied im Förderkreis technischer Kulturdenkmale in
Hagen und Beisitzer beim Arbeitsgericht.
Großes Vermächtnis
In späteren Jahren machte Rolf Oventrop viele Reisen rund um die Welt und
berichtete darüber. Er sprach Russisch, Englisch und Französisch und beherrschte
Chinesisch in der Schriftform. Auch etliche deutsche Dialekte waren ihm
geläufig, was seinen historischen Studien oft zugute kam.
Zu seinem 80. Geburtstag 1989 bekam er von der Stadt Iserlohn die Ehrennadel.
Rolf Oventrop wird von der Familie und Freunden als „wunderbarer
Familien-Mensch“ und „leidenschaftlicher Heimatforscher“ beschrieben.
Er starb 1991 nur einen Monat nach seiner Ehefrau Ingeborg.
Sein umfangreiches Familien- und stadtgeschichtliches ­Archiv wurde nach
seinem Tod für das Buch „Liebenswerte Heimat“ ausgewertet und dann dem
Stadtarchiv übergeben.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Text wurde stark gekürzt. Das Original
hat Marlis Gorki aus verschiedenen Quellen zusammengetragen. Über Ergänzungen
oder Fragen freut sie sich. Sie ist zu erreichen unter Tel. 02371/ 32365.