Wk-Reihe Lebensbilder

Iserlohn. (Red/clau) Mit dem Musikpädagogen, Dirigent und Komponist Franz Hanemann beschäftigt sich Marlis Gorki in ihrer nächsten Folge der Reihe „Lebensbilder“. Franz Hanemann stammte aus einer Musikerfamilie. Sein Großvater Melchior Hanemann war um 1830 Stadtkapellmeister in Menden. Sein Vater Franz Hanemann der Ältere studierte am Konservatorium in Köln und leitete die Kasino-Gesellschaft in Traben-Trabach. Dort wurde 1878 sein Sohn Franz Hanemann geboren. Zunächst bekam Franz von seinem Vater Musikunterricht. Bereits als 14-Jähriger soll er ein Werk für einen Männer-Chor mit Orchester vorgelegt haben.

Als 16-Jähriger bestand er die Aufnahmeprüfung am Kölner Konservatorium, die er ohne  Wissen seines Vaters abgelegt hatte.

Beethoven-Konservatorium an der Baarstraße

Im Jahr 1894 zog die Familie nach Iserlohn. Der Vater übernahm die Leitung verschiedener  Iserlohner Chöre, die der Sohn zunächst mit betreute und dann schließlich selbständig leitete.
Im Jahr 1907 gründete Franz Hanemann das Beethoven-Konvervatorium in der Baarstraße 19, das berechtigt war, die staatlichen Prüfungen für Musiklehrer abzunehmen.
Zu seinen Schülern gehörten auch die Brüder Kontarski und Horst Bucksfeld.

Die Iserlohner Schriftstellerin Florentine Goswin-Benfer erhielt bei ihm eine Ausbildung zur Konzertsängerin. Sie trat in Kirchenkonzerten und im Rundfunk auf.
Bald wurden Filialen in Menden und Werdohl eingerichtet. Hanemann bot Unterricht für  Klavier, Harmonium, Violine, Cello, Flöte, Klarinette und auch im Sologesang an.
Im Adressbuch von 1908 findet sich seine Werbe-Anzeige:

Musikpädagoge, Dirigent und Komponist Franz Hanemann. (Quelle: Stadtarchiv)
Musikpädagoge, Dirigent und Komponist Franz Hanemann. (Quelle: Stadtarchiv)

„Hanemann, Franz d. J. – Direktor des Beethoven-Konservatoriums – eigenes Gebäude Baarstr. 19 – Ausbildung in allen Zweigen der Tonkunst von den ersten Anfängen bis zur Konzertreife. Den Unterricht erteilen erstklassige Lehrer nach den bewährten Methoden. Jeden Monat Vorspielstunden der Schüler und Kammermusikvorträge der Lehrer. Aufnahme jederzeit, Gebühren frei, Honorar sehr mäßig, Prospekte gratis – Auskunft erteilt stets bereitwilligst der Direktor“.

Philharmonisches in der Parkhalle

Seit 1906  gab Hanemann die „Rheinisch-Westfälische Sängerzeitung“ heraus.

Am Ersten Weltkrieg nahm er als Musikleiter des 144. Infanterie-Regiments Mülheim/Ruhr teil. Dann ging er als Freiwilliger nach Verdun und Flandern.

Nach dem Krieg kam er nach Iserlohn zurück und engagierte sich überregional für die Musik. Er wurde Mitglied des Preisrichterverbandes in Köln, Mitglied im Verband akademisch gebildeter Chorleiter und Mitglied im Verband deutscher Chor- und Orchesterleiter. Er regte die  „Philharmonischen Konzerte“ an, die zwischen 1923 und 1930 in der Parkhalle stattfanden, und prägte sie stark.

Ab 1930 gab Hanemann in seiner Wohnung Altstadt 11 nur noch Privatunterricht. Daneben leitete er bis zu seinem Tode  zehn Gesangsvereine, die  viele Preise errangen. Er reformierte das Männerchor-Wesen und hob es auf ein hohes Niveau.

Ein Künstler und sein musikalisches Erbe

Die Wohnung der Familie Hanemann in der Altstadt 11 wurde 1945 beschlagnahmt. Dabei gingen wertvolle Manuskripte verloren. Ungefähr einhundert Originalblätter werden im Westfälischen Musikarchiv in Hagen aufbewahrt.  Hane-mann schuf insgesamt etwa zweihundert Kompositionen, Orchesterwerke, Oratorien und Messen. Seine Werke wurden auch von den Rundfunksendern Köln und Stuttgart übertragen.

Er starb 1952 mit  73 Jahren an einer Lungenentzündung. Wie kein Zweiter hat der „Tonkünstler“ Franz Hanemann die Waldstadt und ihre Menschen musikalisiert.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Text wurde gekürzt. Das Original hat Marlis Gorki aus diversen Quellen zusammengestellt. Anregungen, Ergänzungen, Fragen oder Tipps  zu Franz Hanemann und auch zu Lisel Stamm, die sie in der vergangenen Woche vorgestellt hat, sind ihr willkommen unter Tel. 02371/ 32365.