Wohngemeinschaft hilft Iserlohner Frauen

Iserlohn. (clau) Frauen, die an der alten Villa an der Westfalenstraße ankommen, brauchen Lebenshilfe jeglicher Art. Sie tragen nicht nur einen dicken Rucksack voller Sorgen auf dem Rücken. Sie ziehen oft auch noch einen schweren Karren voller Ängste, Verwundungen und Probleme hinter sich her. Sie haben bitter erfahren müssen, dass ihr Leben gescheitert ist. In der Wohngemeinschaft für Frauen der Johanniter wird ihnen geholfen. Dort bekommen sie die Chance auf ein neues, geordnetes, eigenständiges Leben.

Das Haus feiert im Sommer 2015 sein 20-jähriges Bestehen. Soeben hat mit Angelika Wendt eine erfahrene, hochqualifizierte Kraft neu die Leitung übernommen. Zusammen mit ihrem Team nutzt sie die Gelegenheit, über die Arbeit für und mit Frauen in Not zu berichten.

Viele Wege können eine Frau in die Wohngemeinschaft an der Westfalenstraße führen: Gewalterlebnisse, Missbrauchserfahrungen, physische und psychische Erkrankungen, Alkohol- oder Drogensucht und Konflikte mit dem Gesetz rauben mancher am Ende buchstäblich noch das Dach über dem Kopf.

Wer hier ankommt, ist oft am Ende, hat alles verloren, steht schon auf der Straße oder kurz davor.
In der alten Villa gibt es Einzelzimmer für zwölf Frauen, die ihr Leben neu beginnen wollen und Hilfe brauchen.
Netzwerkpartner für die Wohngemeinschaft sind Kliniken, Frauenhäuser, Justizvollzugsanstalten, Beratungsstellen, Notunterkünfte und andere soziale Dienste.

„Bei uns dürfen die Frauen erst einmal ankommen und ihre Last abladen“, sagt Angelika Wendt. Die 50-Jährige ist selbst mehrfache Mutter. Die hochqualifizierte Mentorin für Sozial- und Gesundheitswesen und Organisationsberaterin leitet seit dem 1. Februar das Haus. Viele Jahre lang war sie bereits für das ambulant betreute Wohnen für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten beim Evangelischen Perthes-Werk tätig. Die Arbeit mit wohnungslosen Menschen und das eigene lebenslange Lernen sind ihre Schwerpunkte.

„Das Team hat mich gut aufgenommen“, sagt sie. „Es arbeitet sehr professionell mit viel Erfahrung und vor allem mit großer Zuwendung zu den Frauen.“ Sie selbst freut sich, nun in einer kleinen Einheit direkten Bezug zu den Bewohnerinnen zu haben, statt nur nach Aktenlage entscheiden zu müssen.

Frauen ab 21 Jahren werden in der Wohngemeinschaft aufgenommen. Derzeit ist die älteste 62 Jahre alt. Für zwölf bis 24 Monate dürfen sie bleiben und neue Kraft sammeln. Feste Tagesstrukturen, Gemeinschaftsdienste, Einzel- und Gruppengespräche, die „Morgenrunde“, gemeinsame Mahlzeiten, Kreatives und Gartenarbeit – all das gibt Halt, heilt Wunden und verleiht neuen Mut und Lebensfreude.

Wertschätzung, Respekt, Pünktlichkeit, ein freundlicher Umgangston, Haus- und Küchenarbeiten, Auskommen, mit dem was man hat – all das will geübt werden. Manche der Frauen hat es nie gelernt. Andere müssen es sich wieder neu erringen. An der Westfalenstraße bekommt für sie die „Normalität“ wieder Glanz. Ein Neuanfang – auch beruflich – wird ihnen möglich.