Wohnungslos: Beratung an Belastungsgrenze

Wohnungslosenhilfe Iserlohn
Ehrenamtliche Helfer haben bei der Weihnachtsfeier für die Besucher der Wohnungslosenhilfe bei der Bewirtung mitgewirkt. (Foto: Diakonie Mark-Ruhr)

Iserlohn. Seit den frühen 1990er Jahren bietet die Wohnungslosenhilfe der Diakonie Mark-Ruhr die Weihnachtsfeier für ihre Besucher in Iserlohn an. Damals kamen 20 Gäste. So wie sich auch die Nachfrage am Beratungsangebot stetig nach oben entwickelt hat, nahm auch die Teilnehmerzahl bei der alljährlichen Weihnachtsfeier zu. Knapp 180 Gäste kamen jetzt ins Varnhagenhaus des evangelischen Kirchenkreises Iserlohn.

„Um der Nachfrage und dem Platzangebot gerecht zu werden, sind wir nun zum dritten Mal hier“, berichtete Ulf Wegmann, Leiter der Wohnungslosenhilfe. „Wir sind gerne Gastgeber, das ist für uns eine Freude und Selbstverständlichkeit“, unterstrich Superintendentin Martina Espelöer, Vorsitzende des Verwaltungsrats der Diakonie Mark-Ruhr. Gemeinsam mit Pfarrer Martin Wehn, Geschäftsführer der Diakonie Mark-Ruhr, und Fachbereichsleitung Heidrun Schulz-Rabenschlag, haben Wegmann und Espelöer das zurückliegende Jahr aus dem Blickwinkel der Arbeit der Wohnungslosenhilfe Revue passieren lassen.

Ulf Wegmann: „Nach dem Rückgang der Flüchtlingszahlen haben wir eigentlich schon 2017 mit weniger Besuchern in unserer Einrichtung gerechnet, diese Entwicklung ist allerdings zeitversetzt zu anderen Städten bei uns erst in diesem Jahr eingetreten.“ Mit 740 liegt die Zahl der Besucher nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau; die Beratungsstelle ist nicht nur für Iserlohn, sondern auch für die Städte Menden, Hemer und Balve zuständig. „Dieser Rückgang ist im Alltag nicht spürbar. Die Beratungsstelle arbeitet weiterhin an ihrer Belastungsgrenze.“

Existenzsicherung im Zentrum

Die dauerhaft hohe Auslastung der Beratungsstelle habe dazu geführt, dass sich die Beratung im Wesentlichen auf Fragen der Existenzsicherung konzentriert. Eine besondere Bedeutung kommt unter diesen Umständen dem Angebot Ambulant Betreutes Wohnen zu, das gerade auch mit Blick auf die Weihnachtszeit unter der Prämisse der Mitmenschlichkeit ein wichtiges Arbeitsfeld ist. „Hier erfolgt eine mittelfristige verbindliche und engmaschige Betreuung, die alle Lebensbereiche in den Blick nimmt. Dieses Angebot arbeitet ausgesprochen erfolgreich“, so Ulf Wegmann.

Zur Besucherstatistik: Der Anteil der unter 30-Jährigen ist stabil und liegt bei ca. 43 Prozent. Weiterhin sind Frauen in dieser Altersgruppe überrepräsentiert. Der Frauenanteil ist in 2018 allerdings insgesamt weiter auf fast 29 Prozent gestiegen. „Damit liegt er weiterhin in einem Bereich, der mit dem Bundesdurchschnitt vergleichbar ist. Knapp 35 Prozent unserer Besucher hat keine deutsche Staatsangehörigkeit; etwa die Hälfte unserer Klienten verfügt über einen Migrationshintergrund.“

Immer mehr Haushalte ohne Wohnung

Eine Entwicklung mit Blick auf das Themenfeld der Wohnsituation ist alarmierend: „Unsere Daten zu Wohnungsnotfallberichterstattung des Landes NRW weisen in den vergangenen Jahren bis 2017 einen ständigen Anstieg der Zahl wohnungsloser Haushalte aus. Die Versorgung mit eigenem Wohnraum ist bei den Neuauftritten wieder leicht verschlechtert. Nur 32 Prozent hatten eine eigene Wohnung.

Um beispielsweise Angebote wie das freitägliche Frühstück oder den Lebensmittelschrank für „akute Nothilfen“ weiter vorhalten zu können, bittet die Wohnungslosenhilfe Iserlohn um Spenden. Spendenkonto: DE10 4505 0001 0100 1885 67; BIC WELADE3HXXX; Verwendungszweck: Wohnungslosenhilfe Iserlohn.