„Wortmann“ ist keine Lösung

Iserlohn. (clau) Der wochenkurier veröffentlichte in seiner letzten Ausgabe einen Artikel über die verschärfte Parkplatznot im Viertel rund um die Wall-, Bleich-, Gerichts-, Stefanstraße und den Dördelweg. Daraufhin meldeten sich weitere Betroffene, die zwar gern in ihrem Viertel leben, aber unter dem Verkehr erheblich leiden – unter dem ruhenden genauso wie unter dem fließenden.

Nachts keine Ruhe

Rosemarie Knauer etwa wohnt in der Zimmerstraße/ Ecke Wallstraße. „Viele nehmen den Schleichweg durch unsere kleinen Straßen, um die Ampeln auf der Baarstraße, der Hans-Böckler- oder der Dortmunder Straße zu umgehen.“ Besonders die Motorräder machten einen Riesen-Radau und führen zu schnell. „Nachts muss ich die Fenster schließen, damit ich schlafen kann“, sagt sie. Der Verkehr auf dem Dördelweg sei oft so dicht, dass die Senioren schon Mühe hätten, sicher die andere Straßenseite zu erreichen.

Dreiste Parker

Peter Meadows, der an der Hans-Böckler-Straße wohnt, leidet nicht nur unter der generellen Parkplatznot im Wohnumfeld, sondern zusätzlich unter einem besonders dreisten Nachbarn: „Der hat an der Hans-Böckler-Straße ein Geschäft. Darüber wohnt er. Unten auf der Straße blockiert er vier bis fünf Parkplätze mit seinem Jeep, seinem Kleinwagen und zwei Anhängern. Wenn er eins der Fahrzeuge bewegen muss, stellt er an die Stelle sein Motorrad – als Platzhalter“, berichtet Peter Meadows. „Ich habe ihn gefragt, ob er das nicht unfair findet. Aber ihn kratzt das gar nicht!“

Naheliegende Lösung?

Ganz in der Nähe gibt es derzeit zwei große eingezäunte Brachflächen. Könnten diese nicht kurzfristig von der Stadtverwaltung als Parkflächen freigegeben werden, um das Viertel zu entlasten? Der wochenkurier fragte im Rathaus nach. Olaf Pestl, Leiter des Ressorts Planen, Bauen, Umwelt- und Klimaschutz, und Klaus-Peter Knops, Leiter des Ressorts Sicherheit, Bürger und Feuerwehr, antworteten.

Wohnpark statt Parkplatz

„Wir sollten die Fläche, auf der die Firma Wortmann stand, nur dann kurzfristig als Parkfläche freigeben, wenn wir sie auch längerfristig als solche nutzen wollen“, sagt Olaf Pestl. Es sei ansonsten schwer, solch eine Nutzung später wieder rückgängig zu machen. Die Stadt hat aber andere Pläne für das Grundstück. Die Fläche soll demnächst über eine Ausschreibung verbunden mit einem überzeugenden Nutzungskonzept durch den Kaufinteressenten – „ähnlich wie beim Bahnhofsgelände“ – verkauft werden. „Stellplätze sind nicht erstrebenswert“, so Olaf Pestl. „Das Viertel hat Mischcharakter. Eine Entwicklung der Fläche mit Wohneinheiten oder Kleingewerbe mit dazugehörigen Kundenparkplätzen wäre städtebaulich sinnvoller.“

Gegen den Lärm bauen

Auf dem Grundstück, auf dem das Asylantenheim gestanden hat, soll die Freilegung des Baarbaches weiterverfolgt werden. Es mache schon allein aus Lärmschutzgründen Sinn, die danach verbleibende Restfläche wiederum zu bebauen, weil über die offenen Flächen ansonsten der Lärm der Hans-Böckler-Straße ins Viertel schalle. Was den Verkehrslärm angeht, läuft zur Zeit in Iserlohn die zweite Untersuchungsstufe anhand der EU-Lärm-Richtlinie. Erst danach können Maßnahmen zur Beruhigung ergriffen werden. „Flüsterasphalt oder Geschwindigkeitsbegrenzungen könnten hier Abhilfe schaffen“, stellt Olaf Pestl in Aussicht.

Zu viel Aufwand

Doch zurück zum Anwohner-Traum vom Parken auf dem Wortmann-Gelände. Dazu seien größere Baumaßnahmen notwendig, erklärt Klaus-Peter Knops: „Wir müssten den Platz erst einmal befahrbar machen und dafür die Bordsteine absenken. Eine Schranke wäre nötig, bei nächtlicher Nutzung zusätzlich Beleuchtung. Es müsste jemand den Platz betreuen, den die Leute anrufen können, wenn sie mal nicht rauskommen – und so weiter.“

Probleme ausgetauscht

Solch ein Parkplatz könnte zwar das eine Problem vielleicht lösen, dafür aber neue schaffen, geben Olaf Pestl und Klaus-Peter Knops zu bedenken: Zusätzlicher an- und abfahrender Verkehr, schlagende Autotüren, heruntergekurbelte Fenster bei lauter Radiomusik, Gespräche, Rufen und vieles mehr, was Lärm macht oder auf andere Weise belästigt. „Die Fläche liegt nahe zur Innenstadt, zur Schauburg und zum Kino“, beschreibt Olaf Pestl das Dilemma. Das zöge wohlmöglich die Parkhäuser leer und ließe die Anwohner doch wieder buchstäblich nur auf der Straße stehen.

Thema Knöllchen

Was das Thema Knöllchen betrifft, empfiehlt Klaus-Peter Knops die Anwohner-Parkberechtigungsscheine: „Die gibt es für 25,50 Euro im Jahr. Allerdings bieten auch sie keine Garantie für einen Parkplatz direkt vor der Haustür.“

Auch beim Knöllchen geht grundsätzlich Gnade vor Recht. „Wenn wirklich ein Notfall vorlag, kann man das im Formular auf der Rückseite des Knöllchens schildern. Wir zeigen da durchaus Verständnis“, betont Klaus-Peter Knops. Und: „Ein offenes Gespräch mit der Verwaltung ist immer der richtige Weg.“