Würde oder Bürde?

Iserlohn. (clau) Sein 60. Geburtstag vor wenigen Tagen war ein gesellschaftliches Großereignis. Am Mittwoch, 18. Januar 2012, fand sich zu seinen Ehren alles auf der Alexanderhöhe ein, was in und um Iserlohn Rang und Namen hat. Rechtsanwalt und Notar Hans-Dieter Petereit, amtierender Oberst des IBSV, hatte geladen, um im ganz großen Kreis zu „runden“. Kurz vor dem Großereignis nahm er sich Zeit, um in Ruhe der wochenkurier-Redaktion einen kleinen Einblick in sein Leben und vor allem in sein Ehrenamt zu gewähren.

Hans-Dieter Petereit

wochenkurier: Herr Petereit, bitte geben Sie uns einen kurzen Steckbrief zu Ihrer Person.

Petereit: Ich bin ein waschechter Iserlohner, am 18. Januar 1952 in der Waldstadt geboren, wohne Am Tyrol, bin verheiratet, habe drei Kinder zwischen 22 und 32 Jahren und arbeite als Rechtsanwalt und Notar mit Spezialisierung auf Bau- und Architektenrecht.

Wann und wo haben Sie Lebenszeit außerhalb von Iserlohn verbracht?

Als junger Mann war ich als Zeitsoldat bei der Bundeswehr. Studiert habe ich in Freiburg und Münster. Das war eine wirklich schöne Zeit in zwei besonders schönen Städten, für die wir als Studenten damals auch noch mehr Zeit hatten als das leider bei den heutigen Studenten der Fall ist.

Wie kamen Sie zum IBSV?

Mitglied bin ich schon seit 50 Jahren. Ich habe als Jungschütze angefangen. Meine Eltern waren ebenfalls im Verein und meine Kinder sind es jetzt auch wieder. Nach vielen aktiven Jahren wurde ich im Schützenjahr 2004/5 Schützenkönig. Im Herbst 2005 wurde ich zum Oberst. Diese Würde, die alle drei Jahre neu vergeben wird, trage ich nun bereits in der zweiten Verlängerung.

Würde oder Bürde? Oder beides?

Den Aufgaben, die ich einmal übernommen habe, stelle ich mich auch. Es macht viel Freude, wenn man etwas schafft, wenn die Dinge funktionieren. Wir sind ein sehr harmonischer Vorstand und im Stab arbeitet jeder ganz selbstständig als Fachmann für seinen Bereich.

Das ist die positive Seite. Gibt es eine negative?

Zugegeben: Der Zeitaufwand ist enorm. Aber selbst das würde ich nicht negativ nennen. Mein Beruf als Rechtsanwalt hilft mir oft auch in meiner Funktion als Oberst, Situationen neutral und sachlich von außen zu betrachten, selbst wenn es knackt und hakt. Trotzdem soll nach der dritten Runde als Oberst für mich Schluss sein, sonst verliert man sich in der Routine.

Es gibt also nur positives Seiten?

Ich sehe den IBSV als einen stadtübergreifenden Verein, der fest in Iserlohn verwurzelt ist und sich stark sozial engagiert. Da sind zu nennen die Seniorenarbeit, die Unterstützung für das Kinderweihnachtsdorf, das Caller Maifest, dessen Erlös hilft, den Weihnachtswunschbaum zu finanzieren. Darüber hinaus betreut jede Einheit für sich irgendeine Institution. Und selbst das Schützenfest richtet der IBSV doch nicht für sich selbst aus, sondern für die ganze Bevölkerung. Ob Martinszug oder Ballotsbrunnen… – der IBSV tut viel für die Iserlohner. Und wenn wir es nicht täten, täte es wohl kein anderer. Allein der Schützenfestzug am Sonntag ist geradezu völkerverbindend! Daher verkennt manch einer den Kern der Sache völlig, der nur von außen auf den IBSV blickt, die grünen Uniformen sieht und den Verein auf irgendetwas rein Militärisches zu reduzieren trachtet.

Gibt es schon Planungsdetails zum Thema Schützenfest im Jahr des Jubiläums 775 Jahre Iserlohn?

Planungseinzelheiten können wiederum nur die mit den Aufgaben betrauten Fachleute des Stabes geben. So viel aber ist klar: Der Eintritt wird um 2 Euro pro Karte steigen müssen. Da spielt einerseits neuerdings bekanntlich das Finanzamt mit seinen Forderungen an den IBSV eine Rolle. Und andererseits kostet seit der Love-Parade-Katastrophe von Duisburg das erweiterte Sicherheitskonzept einfach viel Geld. Bisher hat der IBSV keine Schulden – und dabei soll es bleiben. Die Besucherzahlen waren auch 2011 konstant, was zeigt, welchen Stellenwert dieses Fest in Iserlohn hat. Wann kommen Fortgezogene nach Iserlohn zurück? – Zum Schützenfest! Wann veranstalten die Gymnasien ihre Ehemaligentreffs? – Zum Schützenfest! Wenn wir ein reiner Schützenbetrieb wären, käme es nicht zu solchen für sich sprechenden Überschneidungen.

Wann haben Sie selbst zum letzten Mal ein Gewehr angelegt?

Das ist schon Jahre her! Ich habe früher gezeigt, dass ich es kann, dass ich die Zehn treffe. Aber das reine Schießen, das ist es gar nicht, was mich reizt.

Was tun Sie in Ihrer wenigen Freizeit außerhalb des IBSV?

Ich gehe gern mit dem Hund spazieren und fotografiere. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich häufiger Motorradtouren unternehmen.

Ihr Motto?

„Ich habe mich durch eigene Erfahrung daran gewöhnt, alle Misere dieses Lebens als unbedeutend und vorübergehend zu betrachten und fest an die Zukunft zu glauben“. Diese Worte von Gottfried Keller stehen als Motto über meinem 60. Geburtstag.