Zebras setzten auf Tiago Marques

Hennen. (hc) Portugal ist Fußball-Europameister und auch im beschaulichen Hennen gibt es ein wenig Glanz aus der südeuropäischen Kickerwelt. Tiago Marques lebt in Iserlohn und spielt beim SC Hennen in der Landesliga.

Die Zebras sind die erste Amateurstation des 29-Jährigen. Zuvor war er in der zweiten und dritten portugiesischen Liga als Profi aktiv.

FC Alverca, Atlético Cacém, Igreja Nova FC hießen die Clubs des Kickers.

Lissabon zum Karrierestart

Seine Laufbahn startete bereits mit 14 Jahren. Er ging von seinem Jugendclub in die Akademie von Sporting Lissabon. „Allerdings nur für sechs Monate“, erklärt er lachend. Anschließend wechselte er in weitere Jugendakademien von Clubs in der portugiesischen Hauptstadt.

Von dort ging der nächste Schritt in den Profi-Bereich. Doch nach 14 Jahren stellte sich Marques die Frage nach der Zukunft. In Portugal, einem Land mit einer großen Arbeitslosigkeit von jungen Erwachsenen, waren die Jobchancen nicht so groß.

China?

Die erste Wahl fiel zunächst auf China. Vier Wochen überlegte er gemeinsam mit seiner Frau, in das Land der aufgehenden Sonne zu gehen. „Neue Erfahrungen sammeln“, war sein Antrieb. In China boomt der Fußball derzeit enorm. Die Ablösesummen, die chinesische Erstligisten derzeit investieren, sind fast vergleichbar mit denen der englischen Clubs. So wechselten innerhalb kürzester Zeit mit Alex Teixeira (50 Millionen Euro), Jackson Martinez (42 Millionen) oder Ramirez (28 Millionen) Spieler auf höchstem Niveau und auf dem Zenit ihrer Karriere nach China.

Doch dann zögerte Marques beim Kulturwechsel. Er entschied sich für das beschauliche Iserlohn.

Familienbande

Der Grund dafür ist Mimo, der Cousin seines Vaters. Der lebt nämlich schon seit vielen Jahren in der Waldstadt und überzeugte Tiago Marques davon, ins Sauerland zu ziehen.

Der erste Besuch fand im Dezember 2014 statt, dann folgte der Umzug im April 2015.

Schon da gab es Kontakte zum SC Hennen, der dem Portugiesen eine sportliche Heimat bot und ein Umfeld für sein neues Leben. Denn das heißt: einen „normalen Job“ statt Profifußball.

Der studierte Ernährungswissenschaftler hat einen Job im Garten- und Landschaftsbau gefunden und ist dort fleißiger Mitarbeiter. Während es beruflich gut läuft, konnte er bisher sportlich nicht groß in Erscheinung treten.

Ein Kreuzbandriss in der Vorbereitung zur letzten Saison stoppte ihn, so dass er noch kein Pflichtspiel für die Zebras bestreiten konnte.

Neu, ohne neu zu sein

„Er ist für uns wie ein Neuzugang“, erklärt SC-Coach Kevin Hines. Doch das vergangene Jahr hat Marques genutzt, um seine Teamkollegen besser kennen zu lernen und vor allem die deutsche Sprache zu lernen.
Einen Kurs belegte er nicht, aber mittlerweile kann er sich schon sehr gut verständigen und fast alles verstehen.

Auf der Arbeit und dem Fußballplatz arbeitet er quasi täglich an seinen Deutschkenntnissen und ist so auch zu einem respektierten Mitglied innerhalb der Mannschaft geworden. „Wenn er mit den Jungs auf dem Platz steht, merkt man seine Ausstrahlung und seine ganz Erfahrung. Er ist eine der Säulen, auf die wir unser Spiel aufbauen“, erklärt Hines.

„Ich fühle mich gut und bin auch in der Mannschaft angekommen“, sagt Marques. Nach seiner Verletzung hat er sich wieder zurück ins Team gearbeitet, muss vor dem Saisonstart noch einen konditionellen Rückstand aufarbeiten. Er ist als Innenverteidiger aber fest eingeplant. Ursprünglich lief er in Portugal als defensiver Mittelfeldspieler auf, in Hennen folgte der Positionswechsel. Etwas, das er mit Javier Mascherano, dem argentinischen Superstar vom FC Barcelona, gleich hat. Die beiden sehen sich auch sonst sehr ähnlich und haben auch auf dem Platz eine vergleichbare Rolle. Als erfahrene Führungsspieler geben sie Kommandos und führen ihre jungen Mitspieler.

Glücksfall

Für den SC Hennen erscheint Tiago Marques ein Glücksfall zu sein. Aber auch umgekehrt ist der „Dorfverein“ gut für den Portugiesen und seine junge Familie, zu der neben seiner Frau auch die gemeinsam zweijährige Tochter gehört. Die kommt bald in den Kindergarten und seine Frau wird dann mit einem Sprachkurs beginnen. Die Zukunft der Familie Marques liegt in Deutschland und sowohl sportlich als persönlich sieht es sehr gut aus.