Zeitenwende beim IBSV

Kirsten Greitzke und Thorsten Rißmann führen die IBSV-Geschäftsstelle. (Foto: Claudia Eckhoff)

Iserlohn. (clau) „Hier hat sich schon mancher verlaufen!“, lacht Kirsten Greitzke und führt voran – durch den Seiteneingang des Parktheaters, durch die Nebentür rechts, scharf um die Kurve, die Stufen hinauf bis in den Raum der IBSV-Geschäftsstelle. Die Wände zieren hier Schützengrößen wie Ehren-Oberst Ernst Dossmann in Öl gemalt in dunkelgrüner Uniform. Die großen Fenster sind gekippt, der Blick geht direkt in die grünen Baumwipfel der Alexanderhöhe. Wie passend: Dunkel-Grün drinnen wie draußen.

Ein gewaltiges Erbe

„Hilf mir mal bitte, diesen Karton aufzumachen. Ich habe uns endlich eine neue Kaffeemaschine spendiert“, wendet sich Kirsten Greitzke an ihren Kollegen Thorsten Rißmann. Zusammen leiten die beiden seit 2010 die Geschäftsstelle des Iserlohner Bürger-Schützen-Vereins.

Sie haben damit ein gewaltiges Erbe angetreten und einen Generationenwechsel vollzogen: Ihr Vorgänger, der mittlerweile 70-jährige Reimund Trebschuh, hat in mindestens 15 Jahren des unermüdlichen vollen Einsatzes als pensionierter Beamter akribisch und überaus korrekt einen riesigen Datenberg geschaffen: Mitglieder, Sponsoren, Gastvereine, Ehrengäste – mindestens 2500 Kontaktdaten rund um die Abwicklung der verschiedensten Ereignisse im Verlauf eines Schützenjahres füllen die Datenbank. Allein für den Schützenball gehen alljährlich fast 900 schriftliche Einladungen aus dem Haus: Viel Papier – und viel Arbeit.

Gut verteilt

„Für Reimund Trebschuh muss das wohl eine Art Ganztags-Job gewesen sein.“, sagt Thorsten Rißmann anerkennend. „Wir teilen uns das jetzt.“

Und in der Tat: Beinah ein Halbtagsjob ist der Einsatz für die Geschäftsstelle inzwischen für beide geworden. Die gelernte Bankkauffrau Kirsten Greitzke (seit 2005 Mitglied der 2. Kompanie) engagiert sich als Mutter dreier erwachsener Kinder vorwiegend tagsüber. Thorsten Rißmann (seit 2009 im Stab des IBSV) als frisch in den Beruf gestarteter Architekt erledigt seine ehrenamtliche Arbeit hauptsächlich abends und an den Wochenenden.

Ein Berg voller Arbeit

Zu tun haben die beiden, die sich gutgelaunt zuarbeiten, genug. Eine ihrer ersten „Amtshandlungen“ bestand darin, Platz zu schaffen, Ballast abzuwerfen. „Einen ganzen Tag lang haben wir ausgemistet und Berge von Papier entsorgt wie etwa alte Rechnungen von 1960 bis 1975“, erzählt Kirsten Greitzke. Thorsten Rißmann lacht: „Es ist aber keineswegs ,alles‘ weg. Und es fällt ja auch ständig neues Papier an.“

Sie arbeiten an Arbeitsplänen, Einladungen, Künstlerverpflichtungen, Protokollen, Abrechnungen vom Kartenvorverkauf, der Vorbereitung vom Pfingsttag am Ballotsbrunnen, Genehmigungen, Gema-Gebühren, Steuererklärungen, Festreden, Anschreiben an die Sponsoren, Listen von Ehrengästen, Plakaten, Mitgliederdaten, Tischkarten, der Auslieferung der Festschrift „Die Bürgerschützen“ – und der Inbetriebnahme ihrer neuen Kaffeemaschine.

Vieles haben sie in kurzer Zeit schon erreicht: Frankiert wird online und auch der Bankverkehr läuft überwiegend über den Computer.

Augenwischerei

Nicht nur in der Geschäftsstelle, auch in der Struktur des Vereins hat sich Grundlegendes geändert. Iserlohns bis vor kurzem noch nicht nur ältester, sondern auch größter „Vaterländischer Verein“ muss sich wandeln. Bisher war jeder – ob er es wusste oder nicht – automatisch Mitglied, der zum Schützenfest eine Eintrittskarte kaufte. Dadurch hatte der IBSV noch 2010 stolze 8000 Mitglieder. „Eigentlich war das Augenwischerei“, räumt Thorsten Rißmann ein. „In den Listen unserer verschiedenen Einheiten aufgeführt sind aber nur 2500 Namen und Adressen. Streicht man hier die Doppelnennungen, bleiben noch 1200 Namen übrig.“

Neue echte Mitgliedschaft

Erstmals muss, wer zum IBSV gehören will, nun ganz formal Mitglied werden, ein Stammblatt ausfüllen und einen Jahresbeitrag von 12 Euro entrichten. Der 15. März war hier der verbindliche Stichtag.

Nur etwa 70 Prozent der Angeschriebenen haben bisher ihr Stammblatt ausgefüllt zurückgereicht. „Damit kommen wir dann derzeit bei nur noch rund 800 Mitgliedern an. Wir fürchten, dass vor allem viele Ältere mit dieser Änderung, mit dem Formular – dem dann auch noch eine Einzugsermächtigung anhängt – überfordert sind“, vermutet Thorsten Rißmann. Nachhelfen wollen sie nun, ermutigen und aufklären. Ehrungen, anerkennende Worte, Blumen und die begehrten Abzeichen gibt es von jetzt an nur noch für die, die offiziell Mitglied sind. „Wobei man nach 50 Jahren im IBSV vom Beitrag befreit wird“, erklärt Thorsten Rißmann. „Wir werden das wohlwollend und sportlich sehen: Es wird keiner über 65 Jahre plötzlich etwa vom Seniorennachmittag ausgeschlossen. Aber: Wer jetzt erst in das Alter kommt, muss sich entscheiden, ob er dazugehören möchte oder nicht.“

Zu erreichen ist die Geschäftsstelle per Telefon: 0 23 71 / 57 36 oder per Mail: info@ibsv.de.