Zoff um den Goldglockenschokoladenosterhasen

Da stritten sich zwei Schoko-Fabrikanten vor dem deutschen Kadi. Der eine hatte goldene Osterhasen produziert und ihnen ein Glöckchen um den Hals gehängt. Der klingelnde Mümmelmann verkaufte sich gut. Deshalb hatte ein Konkurrent einen ähnlichen Hasen mit Bimmel produziert. Das gefiel dem Glockenhasen-Erfinder natürlich überhaupt nicht. So kam es zum Goldglöckchen-Hasen-Prozess.

Die Streithansel zogen vor das gestrenge Oberlandesgericht. Dort wurde der Original-Glockenhase mit dem nachgemachten Glockenhasen kühl verglichen und schließlich wurde das Urteil gesprochen: Der nachgemachte Osterhase durfte weiter hergestellt und verkauft werden.

Damit war der Original-Osterglockenhasen-Hersteller natürlich überhaupt nicht einverstanden. Er ging in die Berufung, vor das allerhöchste deutsche Gericht. Der Bundesgerichtshof sollte sein Urteil fällen und den lästigen Konkurrenten und Abkupferer in die Schranken weisen.

Die Bundesrichter wollten den Fall auch prüfen. Aber – bei den Beweisstücken lag zwar der original Goldglockenhase. Der nachgemachte Goldhase jedoch – weg! Auf dem Weg vom Oberlandesgericht zum Bundesgerichtshof verschwunden, untergetaucht, verdampft, verduftet, entmaterialisiert – oder vielleicht einfach aufgegessen? Von einem hungrigen Kurierfahrer als kleine Mahlzeit zwischendurch?

Es dürfte nicht allzu oft bei deutschen Gerichten vorkommen, dass Beweisstücke einfach vernascht werden. Aber hier scheint jemand in der Justiz-Verwaltung schwach geworden zu sein.

Die höchsten deutschen Richter jedenfalls machten kurzen Prozess: Ohne Vergleichhase kein Urteil. Freie Fahrt für alle Goldhasen, vorgemacht oder nachgemacht. Und unser verschwundener Beweis-Osterhase dürfte wegen der vergeblichen Prozesskosten der teuerste Goldglockenschokoladenosterhase aller Zeiten sein.

Einen schokoschönen Sonntag!