Zu wenig Geld für Speis‘ und Trank?

Iserlohn. (ME) Das Thema „Hartz IV“ beherrscht seit Tagen die Schlagzeilen. Wird es tatsächlich ab 1. Januar eine Fünf-Euro-Erhöhung geben? Oder fällt die Anhebung vielleicht – was ja einige Vertreter der Opposition fordern – am Ende sogar etwas höher aus? Oder wird eingeführt, was NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft vorgeschlagen hat, nämlich das Gratis-Essen für Hartz-IV-Kinder? Und kommt es tatsächlich – wie am Mittwoch in Berlin bereits angedeutet – zu einer weiteren Anhebung im Sommer 2011?

Egal, was letztlich bewilligt wird, zahlreiche Leser sind schon jetzt wütend, dass überhaupt eine Erhöhung zur Debatte steht. Etwa Ralf S.; der Mann arbeitet nach eigenem Bekunden „als Malocher in einem kleineren Metallbetrieb in der heimischen Region“. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und kommt – „weil meine Frau einen Mini-Job hat“ – finanziell halbwegs über die Runden. In seinem Betrieb erhält er einen Stundenlohn von knapp 15 Euro. „Was ja im Vergleich zu Briefträgern, Altenpflegehelfern oder Verkäuferinnen gar nicht so schlecht ist,“ sagt er und rechnet auf den Monat um: „Rund 2400 Euro brutto.“ Ein Weihnachtsgeld gab‘s im letzten Jahr nicht – wegen der Wirtschaftskrise.

2900 Euro brutto

2400 Euro brutto: Das entspricht etwa 1600 Euro netto. Hinzu kommt das Kindergeld. „Würde meine Frau nicht ein paar Euro mitverdienen, könnten wir uns nur schwer ein Auto und allenfalls einen Mini-Urlaub leisten,“ zuckt Ralf S. mit den Achseln. Das hat ihn bislang nie gestört. Bis zur vergangenen Woche! Da öffneten sich ihm die Augen, was er als verheirateter Hartz-IV-Bezieher mit zwei Kindern bekommen würde: „Mit allen Vergünstigungen wie Miete, GEZ, Heizkosten usw. erhielte ich nahezu 1900 Euro netto,“ staunt er, „selbst meinen Computer-Kurs an der Volkshochschule bekäme ich bezahlt.“ Mittlerweile hat er diesen Netto-Betrag mal hochgerechnet: „Das macht etwa 2900 Euro brutto aus!“ Also über 17 Euro pro Stunde. Von dieser ansehnlichen „Bezahlung“ sind die vom DGB geforderten Mindestlöhne weit, weit entfernt.

Einer Hartz-IV-Familie mit zwei Kindern sollen ab dem neuen Jahr nach den Berechnungen des Familienministeriums rund 450 Euro allein für „Speis und Trank“ zur Verfügung stehen. „Eine derartige Summe benötigen wir im Monat nicht,“ hält Ralf S. entgegen. Ein Blick in das familiäre Haushaltsbuch der letzten Monate enthüllt: „Nur selten werden bei uns 400 Euro überschritten. Zwar müssen dazu noch meine Esskosten in der Kantine berücksichtigt werden – aber diese Kosten hätte ich ja als Hartz-IV-Empfänger überhaupt nicht. Das heißt: mit 450 Euro für Essen und Trinken kämen wir ganz, ganz locker aus.“

Nicht genug?

Diese Einschätzung bestätigen andere „normale“ Arbeitnehmerfamilien, denen der wk in den letzten Stunden in der Küche über die Schulter schauen durfte. Auch Familie E: erreicht – bei ebenfalls zwei Kindern – selten mehr als 420 Euro im Monat. Und Familie R. mit drei Kindern berichtet, sie verfüge über ein Lebensmittel-Budget von rund 500 Euro, wobei hier sogar großer Wert auf Bio-Produkte und frische Ware vom Markt gelegt wird.

All diese Familien fragen sich nun, wieso die Bundesregierung in puncto Speis und Trank 450 Euro für eine normale vierköpfige Familie zu Grunde legt. Und sie fragen sich noch mehr, warum es von Seiten der Wohlfahrtsverbände oft heißt, damit könne eine Familie absolut nicht auskommen? Und noch mehr bringt es Ralf S. in Rage, dass der DGB angekündigt hat, sich in den nächsten Monaten mächtig für die Hartz-IV-Empfänger ins Zeug legen zu wollen. „Haben DGB-Chef Michael Sommer und seine Strategen vergessen, wer dieses Geld erarbeiten muss?“ fragt er verbittert. Schließlich geht es um mindestens eine halbe Milliarde Euro. Die Konsequenz ist für ihn klar: Er wird noch in diesem Jahr aus der Gewerkschaft austreten…