10 Jahre Rohrmeisterei

Die alte Rohrmeisterei – hier vor der Renovierung – sollte ursprünglich abgerissen werden. Stattdessen wurde das historische Bauwerk zu einem Besuchermagnet und einem Brennpunkt des Schwerter (Kultur-)Lebens. (Foto: wochenkurier)

Schwerte. (NO) Was als Experiment begann, ist heute eine Schwerter Institution. Zehn Jahre sind seit der Wiedereröffnung des alten Pumpwerks als Kultur- und Freizeitzentrum vergangen. Es hätte auch anders kommen können.

Was wäre, wenn…?

Wenn es die Rohrmeisterei in ihrer heutigen Form nicht gäbe, wäre das Baudenkmal längst abgerissen und das grüne Ruhrtal zugebaut worden. Die „Unterstadt“ hätte sich nicht zur Ruhr hin öffnen können. Es gäbe keinen angemessenen Raum für die reiche Kultur in Schwerte, keine „Sternstunden am Bösendorfer“ und wohl auch kein „Theater am Fluss“, zudem hätten Veranstaltungsformate wie „Weibsbilder“, „Heimatabend“ oder „Schwerte tanzt“ nur schwer ein geeignetes Ambiente gefunden. Integrationsprojekte wie „InTro“, Theater für Kinder mit und ohne Behinderung, und das InSound-Musikfestival hätten anderswo nur schwer entstehen können. Und zu guter Letzt hätte die historische Schwerter Senfmühle von 1845 wohl keine neue Heimat gefunden.

Erfolgsgeschichte

1999: Das Experiment startet. Der Kunstverein Schwerte und der Jugendtheaterverein 5,4 übernehmen die Ruine der denkmalgeschützten Pumpstation an der Ruhr und beginnen die Baustelle mit Mut und Improvisationlust zu bespielen. 2003 dann die Neueröffnung des Kulturzentrums – aus dem Projekt wird ein Betrieb, die neu gegründete Bürgerstiftung wagt auch eine Gastronomie in Eigenregie. Die beiden Veranstaltungssäle werden ein Anziehungspunkt über Schwerte hinaus.

Landschaftspark

2010 kann der neue Landschaftspark eröffnet werden. Wo vorher Altlasten den Weg zur Ruhr versperrten, fahren jetzt Skater und Radfahrer, spielen Straßentheaterkünstler, verzaubern Lichtkunstskulpturen die Spaziergänger. Eine Bürgerinitiative hat sich der Eigendynamik des von ihr angestoßenen Projektes gestellt und ist nachhaltig bei der Sache geblieben.

Anziehungspunkt

Die Rohrmeisterei bietet über 50 Arbeitsplätze; mehr als 30 junge Menschen haben hier ihre Ausbildung abgeschlossen, gefördert mit einem umfassenden Schulungsprogramm.

Im gemeinnützigen Zweckbetrieb werden vorwiegend junge Menschen qualifiziert und fürs Berufsleben fit gemacht. In Halle 4 werden das Theater am Fluss, der Türkische Elternverein mit seinem Jugendzentrum und die Interkulturelle Mutter-Kind-Gruppe unterstützt.

Die Lenne-Ruhr-Kanu-Touren starten von hier mit Paddel und Pedalen. Das Naturschutz-Biotop im Landschaftspark bietet Heimat für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Durch die Lage direkt am Ruhrtal-Radweg finden auch Radtouristen endlich den Weg nach Schwerte. Und nicht zuletzt ist der Glaskasten“ erste Adresse für Feinschmecker in Westfalen.

Gemeinnützig

Die Bürgerstiftung, die ganz ohne städtische Zuschüsse auskommen muss und sich durch die Gastronomie und Spenden finanziert, stellt die Säle für Schwerter Veranstalter, die kulturschaffend und gemeinnützig sind, mietfrei zur Verfügung. Ergänzt um eigene Projekte sind dies circa 150 Veranstaltungen jährlich, mit denen die gemeinnützigen kulturellen Stiftungszwecke verwirklicht werden. Dieser Betriebsteil ist defizitär, da die anteiligen Kosten für Raum, Energie, Reparaturen, Instandhaltung, Technik, Personal sowie für die Kulturprogramme nur zum geringen Teil erwirtschaftet werden können.

Stiftungskapital erhöhen

Nach zehn Jahren stabilen Betriebs soll die Rohrmeisterei dauerhaft zukunftsfähig werden. Der Weg dorthin ist der Aufbau eines namhaften Stiftungskapitals, mit dem ertragbringende Investitionen selbst finanziert werden können. Tobias Bäcker und Michael Schade vom Bürgerstiftungs-Vorstand visieren bis 2020 ein Stiftungskapital von einer Million Euro an.