20 Jahre Kontaktstelle „wigge“

Die Kontakt- und Begegnungsstätte „wigge“ feiert heute ihr 20-jähriges Bestehen. Darauf freuen sich neben vielen „wigge“-Besuchern auch Ulrike Siepelmeyer-Müller (l.) und Jürgen Harneit (2.v.r.) vom Vorstand. (Foto: Norbert Fendler)

Schwerte. (NO) Hier ist es normal, verschieden zu sein. Die Kontakt- und Begegnungsstätte „wigge“ feiert am heutigen Samstag ihr 20-jähriges Bestehen – mit einem herbstlichen Straßenfest an ihrem Standort Friedrichstraße 7 inklusive Mittagessen, Tombola, Musik und Überraschungen.

Willkommen!

Die „wigge“ in Trägerschaft der Selbsthilfegemeinschaft psychisch Kranker (SHG), die rund 50 Betroffene vor Ort betreut, ist ein offener Treffpunkt für Menschen in Krisen, bietet ein familiär-freundliches Umfeld und hat schon vielen Schwerterinnen und Schwertern mit extremen Lebensgeschichten wieder „in die Spur“ geholfen. „Willkommen sein, angenommen werden, Ansprechpartner finden“ – damit kann die „wigge“ punkten. Und ist so eine nicht mehr wegzudenkende Einrichtung in der psychosozialen Versorgung vor Ort geworden.

Ich sein dürfen

Doris T. zum Beispiel fühlt sich in der „wigge“ mittlerweile wie zuhause. Die Schwerterin mit Psychiatrieerfahrung ließ sich von ihrer Tochter – zunächst widerwillig – überreden, in der Friedrichstraße 7 Kontakt zu suchen. Heute freut sie sich auf jeden Besuch, findet Zuspruch, Akzeptanz und Anregung: „Hier darf ich ich sein!“ Angenommen fühlt sich auch Manfred S. Schwere Depressionen warfen ihn aus der Bahn und aus dem Arbeitsleben. In der „wigge“ hat der junge Mann gelernt, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen – nicht zuletzt auch durch die Vermittlung der Nebenstelle des Kreis-Gesundheitsamts am der Kleppingstraße 4. „Dadurch wurde mein Leben gerettet.“

Das Angebot

In der „wigge“ bleiben psychisch Kranke oder „Angeknackste“ nicht allein. Oft ist es möglich, Betroffene soweit „stabil“ zu halten, dass ein teurer Heimaufenthalt vermieden werden kann. Was natürlich auch Geld spart. Die Einrichtung bietet nicht nur die Möglichkeit zum Austausch, sondern auch Toleranz, Gespräche, Gemeinschaft, Freundschaft. Unterstützung beim „Papierkram“ und Konzentrationsübungen gehören ebenso zum Angebot wie gemeinsame Aktivitäten, Malen, Gymnastik, preiswertes Mittag- und Abendessen sowie Zuverdienstmöglichkeiten beim häuslichen Bügeldienst.

Vernetzung

Im Laufe der vergangenen 20 Jahre ist die Kontakt- und Begegnungsstätte mit dem Gesundheitsamt vor Ort, der ARGE, der Tagesstätte am Graf-Adolf-Platz und der Psychosozialen Betreuung an der Kampstraße gut vernetzt. Der Betrieb läuft freilich nur mit einem Höchstmaß an freiwilligem Engagement. In der vom Kreis Unna finanzierten Einrichtung werden gerade einmal 1,3 Vollkräfte gefördert, die Unterstützung für die Sachkosten lag bisher im sechsstelligen Bereich, deutliche Kürzungen werden befürchtet.

Brief an Landrat

Geldsorgen haben die „wigge“-Aktiven bewogen, einen offenen Brief an Landrat Makiolla aufzusetzen, der bei der heutigen Feier zum 20-Jährigen unterschrieben werden kann. Kernaussage: „Das Gesundheitsamt am Wohnort ist kein Luxusartikel!“

Heute wird gefeiert!

Die Feierlaune lassen sich die Leute von der „wigge“ jedoch nicht vermiesen. Der Empfang an der Friedrichstraße 7 startet heute um 11 Uhr, anschließend sind alle Schwerter zu einem herbstlichen Straßenfest eingeladen. Die „Louisa e.V. Kinderhilfe für Argentinien“ sorgt für süße Waffeln und einen Adventsbasar. Mit im Boot sind auch der historische Verein der Feuerwehr und das katholische Krankenhaus, die Tagesstätte der SHG mit einer Tombola sowie der „wigge“-Chor mit Solisten. Für Verpflegung ist mit leckerer Erbsensuppe gesorgt. Die „wigge“ freut sich auf viele Gäste!