22 Jahre ayuda: Die Erfolgsstory des Fairhandels in Schwerte

Schwerte. Es gibt weltpolitische Meilensteine wie das Wahlrecht der Frauen in der Schweiz, das Ende der Rassentrennung in den USA, die Existenz und Rolle der Gewerkschaften. Der „ayuda“-Weltladen in Schwerte an der Haselackstraße besitzt zwar nicht direkt solch eine weltpolitische Dimension, gehört aber als Teil des „FairHandels“ dank seines engagierten Mitwirkens zur Fair-Trade-Bewegung.
Die Erfolgsgeschichte des „FairHandels“ ist überall ohne die ehrenamtlichen Helfer undenkbar. Beim 20-jährigen Bestehen des „ayuda“-Weltladens im Sommer 2015 ist den Aktiven sehr bewusst geworden, wie wichtig die Ehrenamtlichen für die Existenz und Entwicklung des Projekts sind und sein werden. Es sind ständig zwischen 20 und 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nötig, um die Aufgaben des Ladens zu bewältigen.
Der Trend des „FairHandels“, Produkte aus den Dritteweltländern außer im Weltladen auch beim Einzelhandel und in den Supermärkten kaufen zu können, hat sich erheblich verstärkt. Inzwischen werden überall „FairHandels“-Produkte überwiegend aus biologischer und ökologischer Produktion angeboten: Kaffee, Tee, Kakao, Säfte, Süßigkeiten, Bio- Bananen, Blumen, Kunsthandwerk, Deko, Musikinstrumente, Textilien. Die Siegelorganisation „Transfer“ weist mit dem grün-blauen Siegel auf den Waren die Angebote als dem „Fairen Handel“ zugehörig aus.
Aus einer zunächst gesellschaftlichen Bewegung ist auch ein kommerzieller Erfolg mit einer wichtigen Informationsebene geworden, denn die Kunden in den Läden werden über die Arbeits- und Lebensverhältnisse der Menschen in der „Dritten Welt“ fachkundig informiert.
Der senegalesische Ökonom Ndongo Sylla hat dieser Erfolgsgeschichte allerdings widersprochen, indem er den großen Erfolg des „FairHandels“ bezüglich der Armen zwar nicht in Frage stellt, aber einschränkt. Am Beispiel der Kakaobauern in Westafrika macht er deutlich, dass bei allen Bemühungen – Mindestpreise für Rohstoffe, Prämien für Gemeinschaftsaufgaben, Verzicht auf den Zwischenhandel – bei 1,7 Millionen Bauern nach wie vor Probleme bestehen. So hat sich der Kakaopreis beim weltgrößten Kakaoproduzenten Westafrika in den letzten 50 Jahren halbiert – trotz „FairTrade-Siegel“.
Die Kosten des „FairHandel“-Systems sind hoch : Zertifizierung, Kontrollen, Fortbildung der Bauern und Arbeiter. „FairHandel“-Produkte mit ihren hohen Standards sind teurer sind als konventionelle. Es wird sicher noch einige Zeit dauern, bis zum Beispiel die Kinderarbeit in den Entwicklungsländern abgeschafft ist. Eine eindeutig bessere Alternative zum Fairen Handel ist zur Zeit aber nicht in Sicht.
Über 22 Jahre „ayuda“ in Schwerte gibt dem Team Grund zum Stolz, aber wichtig ist, dass es weitergeht. Und das ist nur mit einsichtigen und engagierten Kunden sowie ehrenamtlichen Mitarbeitern möglich. Gern können und sollen sich vor allem auch junge Schwerterinnen und Schwerter bei „ayuda“ engagieren.Von Otfried Altfeld