50 Jahre in Ergste

Ergste. (NO) Viele schätzen ihn, manche weniger. Doch wie man auch zu ihm stehen mag, eines muss man Bernhard Vickermann lassen. In den 50 Jahren – so lange ist er bereits in Ergste ansässig – hat er viel bewegt. Sein vielfältiges politisches und kirchliches Engagement, seine Lebensleistung nötigt Respekt ab. Zielstrebigkeit und die Fähigkeit, Mitmenschen zu überzeugen, zeichnen den 82-Jährigen auch heute noch aus. Bernhard Vickermann: ein Ergster Urgestein – mit Migrationshintergrund.

Dass die Vickermanns gar keine echten Ergster seien, keinen Stammbaum haben, der generationentief in Ergster Scholle gründet, sondern eigentlich nur Zugereiste sind, das bekommen sie da und dort noch mit gutmütigem Spott „aufs Butterbrot geschmiert“. Da muss Bernhard Vickermann schmunzeln. Denn schließlich sind 50 Jahre vor Ort kein Pappenstiel – und er hat mitgemischt und viel bewirkt in dieser Zeit, Ergste und Schwerte mit geprägt.

Bernhard Vickermann (Foto: privat)
Bernhard Vickermann (Foto: privat)

Neubürger

Am 1. November 1965 zog Bernhard Vickermann von Deilinghofen nach Ergste, wo die Familie das 78 Hektar große Stadtgut Menden bezog, fortan bekannt als Vickermann-Hof. „Ich war 32 Jahre alt, Neubürger, Junggeselle, katholisch“, blickt der 82-Jährige zurück. „Und Pächter. Da musste man sich doppelt anstrengen, wenn man sich Respekt erwerben wollte“. Was im Laufe der Jahre auch gelang. Denn der Landwirtschaftsmeister wirtschaftete beispielhaft, erweiterte den Betrieb und wurde schon 1967 zum 1. Vorsitzenden des landwirtschaftlichen Ortsvereins Ergste/Villigst gewählt. Und es wurde Hochzeit gefeiert. Ein Neustart nach Maß.

Nicht immer richtig gelegen

Schon 1966 trat Bernhard Vickermann in die CDU ein, wurde 1971 erster Vorsitzender der CDU Ortsunion Ergste und 1974 stellvertretender Vorsitzender des Stadtverbandes. 1975, in der Zeit der kommunalen Neuordnung, begann seine Zeit als Kommunalpolitiker für die Stadt Schwerte. Lang ist die Liste seiner Ämter und Aktivitäten, die deshalb hier nicht noch einmal „heruntergebetet“ werden soll. Rückblickend bleibt Bernhard Vickermann aber vor allem das Thema Altstadtsanierung (Stichwort City-Center) in Erinnerung. Das Ergebnis sieht er heute kritisch: „Eine völlige Fehlentscheidung.“ Im Nachhinein bedauert Vickermann auch, die Elsebad-Initiative nach Umsetzung des neuen Bäderkonzepts nicht unterstützt zu haben. „Auch da habe ich nicht richtig gelegen. Doch heute kann ich nur meine Achtung und Anerkennung für das Bürgerbad-Engagement aussprechen.“

Ein Segen für St. Monika

Nicht gerade Freunde machte sich Vickermann, als er für den Abriss des alten Amtshauses Ergste zugunsten der Kaufpark-Ansiedlung eintrat. Damals waren viele Alteingesessene sauer. Doch das Amtshaus wurde nicht mehr gebraucht, eine Einkaufsmöglichkeit jedoch musste dringend her.

Neues anzustoßen gelang Bernhard Vickermann auch mit seinem kirchlichen Engagement. Das erste Sommerfest der Ergster Katholiken auf Vickermanns Hof zugunsten des Kirchbaus war ein durchschlagender Erfolg, der noch heute unvergessen ist. Tausende kamen. 1970 wurde der engagierte Wahl-Ergster Vorsitzender des Kirchbauwerks der St. Monika-Gemeinde. Es ist wohl nicht übertrieben zu sagen, dass Bernhard Vickermann maßgeblich den Bau der Kirche vorantrieb.

Viel hat sich geändert

Ergste ist enorm gewachsen in der Zeit von Bernhard Vickermanns Wirken. Und veränderte im Laufe der Jahre das Gesicht. „Als ich hier ankam, hatte Ergste rund 2000 Einwohner, Anfang der 80er waren es schon 7500. Anfangs gab es 36 landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe, jetzt sind es nur noch fünf. Zwölf Gaststätten gab es damals, jetzt sind es auch nur noch fünf. Ähnlich sieht das bei Bäckern und kleinen Geschäften aus.“
50 Jahre in Ergste: Bernhard Vickermann war immer mittendrin im Geschehen, kämpfte an vielen Fronten, war immer engagiert, konnte viele Erfolge verzeichnen, musste aber auch Rückschläge einstecken und Fehler eingestehen. Bewegte Jahrzehnte, für die sich der engagierte Ergster glücklich schätzt: „Dank sei Gott!“