65 Jahre Schwerter Oberschicht

Schwerte. (NO) Wo gibt es ein Beieinandersein von Menschen der verschiedensten Berufe, Parteien, Nationen und Religionen? In der Nachbarschaft. „Dort sind die Menschen im Allgemeinen schicksalhaft und wahllos nebeneinander gestellt, werden vom gleichen Raum umschlossen und bilden so eine natürliche Gemeinschaft. Diese äußere Gemeinschaft gilt es bewusst zu einer inneren, harmonischen Gemeinschaft auszugestalten, nicht in öder Gleichmacherei oder gar Gleichschaltung, sondern dadurch, dass man dem Nachbarn mit menschlicher Anteilnahme begegnet und seine Würde achtet.“

Das sagte dereinst Norbert Kaufholt, Gründer des Oberschichts der Schwerter Nachbarschaften und erster Oberschichtmeister. Worte, die aktueller sind denn je. Denn auch die gelebte Nachbarschaft ist kein Auslaufmodell, sondern in unsicheren Zeiten ein zeitgemäßes Vernetzungsmodell. Schwerte ist in dieser Hinsicht ideal aufgestellt.

Zusammenhalt erforderlich

Das Oberschicht und damit die Vertreter der Nachbarschaften in den Stadtteilen haben unter anderem für die naturnahe Umgestaltung und Aufwertung des Mühlenstrangs gesorgt. Schon seit Jahren setzt sich das Oberschicht, zudem Spender der Bürgermeisterkette, auch als Kooperationspartner des Integrationsrats der Stadt für gelebte Integration ein. Integration – dieses Thema ist hochaktuell und wird es bleiben.

„Es wird sich in den nächsten Tagen erweisen, ob wir in Schwerte nachbarschaftlich zusammenstehen“, sagte Bürgermeister Heinrich Böckelühr vor allem im Hinblick auf den immer stärkeren Flüchtlingszustrom. „Wie kriegen wir das miteinander hin? Die übergeordneten Behörden lassen uns allein. Es ist eine große Herausforderung, die wir als Bürger und Nachbarn annehmen können und müssen.“

Gegenseitige Unterstützung

Klar ist auch, dass nachbarschaftliches Engagement in Zeiten leerer Kassen und weiterer Zuwanderung immer wichtiger für das sozialen Lebens wird – ob es nun darum geht, sich um die kranke Oma von nebenan zu kümmern oder um Neuzugezogene, die in Schwerte eine neue Heimat finden wollen. Schwerte mit seiner kleinstädtischen, überschaubaren Struktur ist in diesem Hinblick gut aufgestellt, das Miteinander wird im Großen und Ganzen, anders als in anonymen Massenquartieren, immer noch gepflegt. Man kennt sich.

Flächendeckende Schichtgebiete

Im Rahmen der Feierstunde zum 65-jährigen Bestehen des Oberschichts stellte Oberschichtmeister Christopher Wartenberg auch die neue, vorläufige Schichtkarte vor. „Bei der Konzeption der flächendeckenden Schichtgebiete habe ich viele bereits bestehende Gebiete erweitert, aber an keiner Stelle etwas weggenommen. Dazu kommen weite Gebiete, insbesondere in Richtung Geisecke, Holzen und Wandhofen, wo ich bisher ,schichtfreie‘ Gebiete unterteilt habe und ihnen eine Schichtnummer zugewiesen habe. Dabei habe ich mich neben der Stadtgrenze und der Ruhr an Hauptstraßen, Bahnlinien und historischen Grenzen orientiert.“

„Kümmerer“ vor Ort

Die flächendeckenden Schichtgebiete sind der erste Schritt bei der Erhaltung, Neugründung und Wiederbelebung der Schwerter Nachbarschaften. Der zweite Schritt zur Ausweitung des Nachbarschaftsgedankens, die Weiterbildung zum „Nachbarschaftsstifter“, quasi einem „Kümmerer“ vor Ort, erfolgt ab Ende September in Zusammenarbeit vor allem mit der Stadt Schwerte, der VHS und dem Grete-Meißner-Zentrum.

Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass die nächste Sprechstunde von Oberschichtmeister Christopher Wartenberg (immer an jedem dritten Dienstag des Monats) am 18. August 2015 im Ruhrtalmuseum stattfindet.