„Adenauer-Mercedes“

Schwerte. (NO) Dass Bundeskanzler gern in großen Fahrzeugen vorfahren, ist bekannt. Trotzdem würde wohl niemand auf die Idee kommen, Ex-Kanzler Schröders Auto etwa „Schröder-Audi“ oder „Schröder-Phaeton“ zu nennen. Außerdem wird es wohl auch nie einen „Merkel“ geben. Ganz anders liegt der Fall beim Mercedes-Benz 300 Adenauer. Der damalige, erste Bundeskanzler Konrad Adenauer war in sein Dienstfahrzeug so vernarrt, dass er es auch zu weit entfernten Staatsbesuchen mitnahm.

Kanzlers Liebe

Die Liebe zu dem großen Mercedes 300 blieb dem Volk nicht lange verborgen, so dass es dem damals größten, luxuriösesten und schnellsten Automobil deutscher Produktion die Bezeichnung Adenauer-Mercedes gab. Sogar als Oldtimer ist der alte 300er heute noch fast ausschließlich unter diesem Namen bekannt. Das edle Gefährt wurde wohl aus gutem Grund von Oldtimerfreunden an die Spitze der Klassik-Limousinen gewählt.

Ist er nicht schön? Vom ursprünglichen „Adenauer-Mercedes“ wurden noch bis in die 60er Jahre Nachfolgemodelle gebaut. Dieses Schmuckstück gehört zu den letzten 20 dieses Typs und ist im Besitz eines heimischen Oldtimerfreunds. (Foto: wochenkurier)

Vernarrt

Vernarrt in den „Adenauer-Mercedes“ ist auch ein gestandener Oldtimerfan aus der heimischen Region, der die schmucke Limousine besitzt. Aus verständlichen Gründen will der Mann anonym bleiben, möchte jedoch mit unseren Lesern die Begeisterung für sein Schmuckstück teilen.

Solider Luxus

Man schrieb das Jahr 1951, als der Daimler-Benz-Konzern meinte, dass es wieder an der Zeit sei, den Deutschen ein echtes Luxusfahrzeug anzubieten. Bis dahin hatte man vornehmlich überarbeitete Vorkriegsmodelle gebaut. Im April des Jahres wurde dann auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt/Main gezeigt, womit sich gut verdienende Bundesbürger am stilvollsten fortbewegen sollten.

Bestellung vom Kanzleramt

Auch Konrad Adenauer gehörte zu den Ausstellungsbesuchern und war wohl recht angetan von der ungefähr fünf Meter langen Karosserie. Vielleicht aber auch von dem Antrieb, einem 3-Liter 6-Zylinder-Motor, der eine Geschwindigkeit bis zu 160 Kilometern pro Stunde erlaubte, das war für damalige Zeiten ziemlich atemberaubend. Kurz nach dem Besuch des bekanntermaßen tempoverliebten Kanzlers erteilte das Bundeskanzleramt den Auftrag zum Bau eines Autos für den „Alten“. Am 8. Dezember 1951 wurde der Wagen mit der Fahrgestellnummer 0001351 ausgestattet und ausgeliefert. Dieses Auto hatte natürlich seinen Preis, immerhin kostete der 300er damals stolze rund 20.000 Mark.

Höchste Noblesse

Die hervorragende Qualität der Sitzpolsterung, die üppige Ausstattung, all das strahlte höchste Noblesse und Gediegenheit aus. Dieser erste Nobelwagen von Daimler-Benz nach dem Krieg wurde im November 1951 fast unverändert bis 1954 gebaut. In den Folgejahren erschienen verbesserte, leicht geänderte Ausführungen. Auf besonderen Wunsch gab es auch ein Schaltgetriebe anstatt der sonst üblichen Automatik.

Die letzten 20

Der Radstand war inzwischen auf 3.150 mm und die Gesamtlänge auf 5.190 mm gestiegen. Vom 300 d, der sich in der Karosserieform deutlich von dem Vorgänger abhob, wurden lediglich 3.077 Einheiten aufgelegt. Das auf dem Titelblatt abgebildete Fahrzeug, das jetzt im Besitz eines heimischen Oldtimerfans ist, wurde am 8. Dezember 1961 vom Werk ausgeliefert und trägt die Fahrgestellendnummer 3057. Er gehört also zu den letzten 20 dieses Typs. Einen Nachfolger hat der 300er nicht gefunden.