Alterndes, schrumpfendes Schwerte

Der Himmel über Schwerte. Weitblick ist gefragt, um für die Probleme der Zukunft gewappnet zu sein. Denn soviel ist sicher: aufgrund der demografische Entwicklung wird Schwerte altern und schrumpfen. Angesichts leerer Stadtkassen kommt bürgerschaftlichem Engagement eine immer größere Bedeutung zu. (Foto: Norbert Fendler)

Schwerte. (NO) Schwerte schrumpft, die Zahl der Alten steigt, junge Leute wandern ab. Wenig verheißungsvoll ist der Blick in die Zukunft. Die ungünstige demografische Entwicklung zeichnet sich freilich schon seit Jahrzehnten ab, eine Patentlösung gibt es nicht. Gleichwohl muss sich die Hansestadt an der Ruhr auf die Anforderungen der kommenden Jahre einstellen. Und weil das Geld fehlt, kommen der nachbarschaftlichen Vernetzung und dem freiwilligem Engagement eine immer größere Bedeutung zu.

Stadt der Alten

Bad Sassendorf ist mit einem Durchschnitt von 49,1 Jahren die „älteste Stadt“ NRWs, Schwerte liegt bei 45,4 Jahren, 22 Städte und Gemeinden in NRW haben ein noch höheres Durchschnittsalter als Schwerte, 373 sind jünger. Bereits 2005 sank die Einwohnerzahl unter 50.000, im vergangenen Jahr wurde die 48.000-Marke unterboten. 2030 wird die Ruhrstadt voraussichtlich nur noch knapp 44.000 Einwohner zählen. Besonders junge Menschen werden Schwerte den Rücken kehren.

Kreis Unna

Generell wird die Bevölkerung im Kreis Unna in den nächsten Jahren dramatisch altern, die Einwohnerzahl spürbar sinken. Von 431.740 im Jahre 2000 geht sie von zur Zeit 410.600 auf rund 380.000 im Jahre 2025 zurück, damit verliert der Kreis Unna auf längere Sicht über 12 Prozent seiner Bewohner. Im gleichen Zeitraum wird der Anteil der über 60-jährigen von 24 auf 34 Prozent ansteigen.

Barrierefreie Stadtplanung

Ein Sachstandsbericht des Bereichs Demografie und Stadtplanung weist etliche Punkte auf, mit denen die Stadt Schwerter der Überalterung und Schrumpfung zu begegnen gedenkt. Demnach ergehen Handlungsempfehlungen in Richtung barrierefreie Stadtplanung. So gibt die Broschüre „Komfort für Alle – barrierefreies Leben und Wohnen“, eine Handreichung für Investoren, Architekten und private Immobilienbesitzer; sie wurde bereits vor einen Jahr herausgegeben und ist kreisweit auf großes Interesse gestoßen.

Wohnraumanpassung

Unübersehbar ist schon heute der Mangel an altersgerechten Wohnungen. Die Angebote in diesem Marktsegment können die Nachfrage schon jetzt nicht mehr decken. Nötig wird die Anpassung von Wohngebieten aus den 50er und 60er Jahre an heutige und zukünftige Ansprüche. Dabei ist sowohl an Umbaumaßnahmen als auch an Abriss zu denken. Serviceleistungen für ältere Bürger müssen Bestandteil neuer Wohnkonzepte werden.

Quartiersentwicklung

Der Runde Tisch Wohnungsmarkt, an dem im vergangenen Jahr unter anderem Vertreter von Wohnungsbaugenossenschaften, Geldinstituten, Stadtwerken, Parteien und Verwaltung zusammenkamen, soll auch in diesem Jahr die Entwicklung des Wohnungsmarkts begleiten. Auch die Quartiersentwicklung mit der Schaffung von Treffpunkten – Stichwort: Lebendige Nachbarschaft – steht auf der Agenda. Ein Pilotprojekt zur Entwicklung der gemeinwesenorientierten Seniorenarbeit in Schwerte-Ost und auf der Schwerter Heide kann erste Ergebnisse vorstellen. In Schwerte-Ost ist es gelungen, ein Nachbarschaftstreff an der Lichtendorfer Straße ins Leben zu rufen. Und auch die Aktionswoche „Blühende Heide“ lässt auf weitere Vernetzung in der Zukunft hoffen.

ZWAR und mehr

Auch die ZWAR-Netzwerke (Zwischen Arbeit und Ruhestand) sind eine soziale Organisationsform, die angesichts der demografischen Entwicklung immer mehr an Bedeutung gewinnt. Vor ziemlich genau einem Jahr fand die zweite Vernetzungskonferez des bürgerschaftlichen Engagements unter dem Motto „Mitmachen – Mitbestimmen – Mitgestalten“ statt, an dem sich eine Vielzahl an Gruppen und Organisationen unter Mitwirkung von Politik und Verwaltung beteiligten. Die dritte Konferenz wird am 11. April stattfinden.

Schichtwesen

Nicht zuletzt auch das Schichtwesen wird in Zukunft das soziale Leben in Schwerte mitprägen. „Das Schichtwesen ist fit für die Zukunft“, ist Christopher Wartenberg, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Ruhrtalmuseums und Spezialist für diese nachbarschaftliche Organisationsform, überzeugt. Allerdings müssten sich die Schichte neu orientieren. Angesichts des demografischen Wandels wird vor allem die Nachbarschaftshilfe zu einem wesentlichen Pfeiler des Zusammenlebens in der Hansestadt an der Ruhr.