„Auf Verbraucherzentrale kann Schwerte nicht verzichten“

Informierten in der Verbraucherzentrale am Westwall über die Beratungsschwerpunkte im vergangenen Jahr: Leiterin Angelika Weischer, Mitarbeiterin Angret Westermann und Bürgermeister Heinrich Böckelühr. (Foto: Norbert Fendler)
Informierten in der Verbraucherzentrale am Westwall über die Beratungsschwerpunkte im vergangenen Jahr: Leiterin Angelika Weischer, Mitarbeiterin Angret Westermann und Bürgermeister Heinrich Böckelühr. (Foto: Norbert Fendler)

Schwerte. (NO) Ob dubiose Mahnschreiben kursierten, dreiste Firmen per Telefon Abos für Pillen oder Gewinnspielteilnahmen unterschoben oder Trojaner im Internet unbemerkt ihre Fänge auslegten – die Verbraucherzentrale in Schwerte war 2012 für 9162 Ratsuchende eine gefragte Ansprechpartnerin. Bilanz zogen jetzt in der Niederlassung am Westwall 4 die Leiterin Angelika Weischer, Mitarbeiterin Angret Westermann und Bürgermeister Heinrich Böckelühr. Dieser fand klare Worte: „Die Zahl der Ratsuchenden spricht eine klare Sprache. Unsere Stadt kann auf eine qualifizierte und neutrale Verbraucherberatung nicht verzichten. Vor allem, weil dadurch viele Menschen in unserer Stadt vor einen finanziellen Schieflage bewahrt werden!“

Dubiose Tagestouren

Mit Versprechen von Geldgewinnen, Geschenken, gutem Essen und Geselligkeit wurden auch 2012 meist ältere Menschen in Schwerte zur Teilnahme an Tagestouren gelockt. Doch hinter der preiswerten Fahrt ins Grüne verbarg sich dann vielfach eine als Kaffeefahrt getarnte Verkaufstour, bei der meist minderwertige Waren wie Gesundheitspräparate oder Küchengeräte zu überteuerten Preisen verkauft wurden.

Geld ist weg

„Selbst wenn Überrumpelte den Vertrag fristgerecht widerrufen, ist das auf der Veranstaltung gezahlte Geld oft weg, weil Anbieter in den Unterlagen lediglich eine Postfachadresse oder einen Firmensitz im Ausland angegeben haben“, berichtet Angelika Weischer, Leiterin der Beratungsstelle am Westwall 4. Auch beklagten sich Ratsuchende, dass sie zur Teilnahme an Verkaufsveranstaltungen gedrängt und am Verlassen der Veranstaltung gehindert worden seien.

Kooperation mit Polizei

In Kooperation mit dem Kommissariat Prävention und Opferschutz hat die Verbraucherzentrale deshalb über Fallstricke dubioser Bustouren informiert – und Tipps mit auf die Reise gegeben, um falschen Versprechen die kalte Schulter zu zeigen und im Fall der Fälle Anzeige wegen Nötigung zu erstatten. Nicht zuletzt hat sie in der Rechtsberatung und -vertretung unwirksamen Vertragsabschlüssen die rote Karte gezeigt.

E-Mail-Gaunereien

Ebenso sorgten 2012 betrügerische Zahlungsaufforderungen und Gaunereien per E-Mail für Verbraucherärger: In einer gefälschten E-Mail versprach angeblich das „Bundeszentralamt für Steuern“ eine Steuererstattung von 223,56 Euro. Dabei handelte es sich aber keineswegs um offizielle Post von der Steuerbehörde, sondern um eine Phishing- Mail. Auf der Suche nach Bankdaten von unbedarften Steuerbürgern wollten die Gauner persönliche Angaben sowie Kreditkartennummer samt Gültigkeitsdatum und Sicherheitscode abgreifen. Und damit Bankkonten leer räumen.

Dauerbrenner Telekommunikation

Als Dauerbrenner der Verbraucherbeschwerden und Nr. 1 auf der Anfrageliste zeigte sich einmal mehr die Telekommunikationsbranche. Gleichwohl die Novelle des Telekommunikationsgesetzes kostenträchtigen Warteschleifen das Aus beschert und die Preisansage bei Call-by-Call-Gesprächen verpflichtend gemacht hat, gab es Stolperfallen zuhauf.

So erhielten Ratsuchende zum Beispiel nach unverbindlichen Beratungsgesprächen in Telefonläden plötzlich Auftragsbestätigungen über neue Telefon- Komplettpakete – zusätzliche Kosten inklusive. Und dies, obwohl jede Einwilligungserklärung oder Unterschrift fehlte. Auch vermeintliche Flatrates fürs Telefonieren oder die Datenkommunikation, die sich im Kleingedruckten dann als begrenzte Pakete mit Leistungsbeschränkungen entpuppten, sorgten für Verbraucherverdruss.

Thema Energiewende

Die Beratungsstelle war 2012 auch Drehscheibe für Verbraucherfragen rund um die Energiewende. „Ob der Stromverbrauch akzeptabel oder die alte Heizung ein Energiefresser ist – neben Möglichkeiten zur Reduzierung des Verbrauchs standen vielfach Probleme beim Anbieterwechsel oder mit der Rechnungsstellung durch den Versorger im Mittelpunkt“, bilanziert Angelika Weischer eine zunehmende Nachfrage in der Energierechtsberatung, die landesweit ausgebaut werden soll.