Mit Ania Rodriguez aus Mexico (Mitte) vor dem RTG (v.l.): Gastmutter Maggie Schubert, RTG-Direktorin Bärbel Eschmann, Clare Schubert und die Lehrerin Sonja Kalin. (Foto: Martin Krehl)

Schwerte. (Red.) Alles ist prima, alles läuft gut. Nur eine Sache findet sie schade: „Die Deutschen sind so verschlossen.“ Ania Rodriguez ist aus ihrer Heimat eine andere Mentalität gewöhnt: „Bei uns zuhause in Mexiko sind immer alle offen und neugierig“. Die 16-Jährige absolviert gerade ein Austauschjahr in der Stufe 10 des Schwerter Ruhrtal-Gymnasiums.

Ania spricht akzentfrei Deutsch, bewegt sich im Schulgetümmel, als ob sie seit Jahr und Tag dazu gehört. „Meine Mama Astrid ist Deutsche“, erklärt Ania. Sie hat viele Verwandte in Deutschland, die sie fast jeden Sommer besucht. In Mexiko-Stadt lebt sie mit ihren Eltern und ihrer großen Schwester, besucht dort das „Colegio Alemán Alexander von Humboldt“. Das ist eine vom deutschen Staat geförderte Auslandsschule.

Schüleraustausch soll intensiviert werden

Sonja Kalin aus dem Lehrerkollegium des Ruhrtal-Gymnasiums hat einige Jahre an der deutschen Schule in Mexiko unterrichtet. Ihr ist der Schüleraustausch zu verdanken. Sie würde ihn gern intensivieren, am RTG wird ja auch Spanisch unterrichtet.

Eine junge Schwerterin steht schon fest, die demnächst nach Mexiko reisen wird und im Hause Rodriguez bei Ania wohnen kann: Clare Schubert (16) ist die Gast-Schwester von Ania in Schwerte. Mama Maggie hat sofort zugestimmt, als Sonja Kalin die Austauschidee propagierte. Platz für Ania war da, der Familienanschluss war kein Problem.

Clare und Ania besuchen gemeinsam die Oberstufe am RTG, haben aber natürlich nicht alle Kurse zusammen. „Jede macht sowieso auch mal einfach ihr Ding“, lacht Clare.

Geschätzte Unabhängigkeit

Ania Rodriguez braucht wahrlich niemanden an die Hand zu nehmen, wenn sie zum Beispiel nach Dortmund zum Shoppen fährt. „Dass man hier sich so einfach bewegen kann, das finde ich toll“, sagt sie. Zuhause in Mexiko-Stadt ist das nicht ganz so einfach. Diese Unabhängigkeit als Jugendliche, das werde sie am meisten vermissen, wenn sie wieder in Mexiko ist.

Und dass die Deutschen ihr trotz aller Zurückhaltung respektvoll begegnen, vor allem ihre Schulkameraden, das mag sie auch: „Da heißt es immer, egal, du bist du“.

Auslandsjahr empfehlenswert

Während fast alle Gleichaltrigen um sie herum noch keinen Schimmer davon haben, was aus ihnen mal werden wird, ist Ania schon erstaunlich konkret: „Psychologie möchte ich studieren, oder Biologie“. Ob in Deutschland oder Mexiko oder abwechselnd in beiden Ländern, das wird Ania dann sehen.

Beim Tag der Offenen Tür am RTG hat sie jedenfalls die Werbetrommel für den Austausch mit ihrem Colegio gerührt. Ein Auslandsjahr kann sie jedem empfehlen.