Berufswünsche in der Kita: „Was mit Tieren“ oder doch ein Handwerk?

Schwerte/ Dortmund. (Red.) „Das ist ja ganz warm am Ohr“, staunt der fünfjährige Kai Bucker, als ihm in der Augenoptikerwerkstatt des HWK-Bildungszentrums Ardeystraße ein Brillengestell auf die Nase gesetzt wird. „Das fühlt sich deshalb so an, weil wir das Gestell vorher anwärmen, damit es biegsam ist und sich deiner Kopfform anpasst“, erklärt Augenoptikermeister und Dozent Oliver Moule dem Jungen und seinen Spielkameraden aus der Schwerter DRK-Kindertageseinrichtung Gänsewinkel, die zu Besuch im Bildungszentrum sind.
Alle haben vorab ein eigenes Brillengestell bekommen und dürfen sich selbst am Anwärmen versuchen. Aufgeteilt in zwei Gruppen schnuppern die 19 Kita-Kinder abwechselnd in vier verschiedene Werkstätten hinein – Geräte bestaunen und Werkzeuge ausprobieren inklusive. Zum zweiten Mal findet nun die Aktion des Fachbereichs Ausbildungsberatung statt. Frei nach dem Motto „Berufsorientierung kann nicht früh genug starten“.

Wenn die Zähne ausfallen

Für Kai und seine Gruppe steht als nächstes der Besuch in der Werkstatt von Dozent und Zahntechnikermeister Harald Schweigstill an. Er und die Auszubildenden, die an ihren Werktischen sitzen, sind sichtlich erfreut über den ungewöhnlichen Besuch. Vorne am Pult geht es für die Fünf- bis Sechsjährigen zur Sache: Gebisse, Prothesen, Klammern und Schleifgeräte werden vorgestellt und vorgeführt. „Was passiert, wenn man seine Zähne nicht pflegt?“, fragt Schweigstill in die Runde. „Dann gehen die kaputt und fallen aus“, schallt es im Chor. „Richtig, und wir Zahntechniker sorgen dann dafür, dass jeder die Prothese bekommt, die er braucht“, so der Dozent. Eigentlich möchte Kai mal Tierpfleger im Zoo werden, aber vom Anblick der vielen Geräte, die sich überall im Lehrraum und im Werkstattbereich befinden, scheint er doch beeindruckt zu sein.

Die mit der blauen Latzhose

Holger Kirchner öffnet den kleinen Besuchern die Tür zum Bereich der Anlagenmechanik für Sanitär-, Heiz- und Klimatechnik. Der Handwerksmeister und Fachbereichskoordinator weiß, wie er die Aufmerksamkeit der quirligen Gruppe im Nullkommanichts bekommt. Ein glänzender Wasserhahn reicht und alle hören gespannt zu. Kirchner erklärt, dass er und seine Kollegen unter anderem dafür sorgen, dass das Wasser in den Hahn kommt. Dann enthüllt er das wichtigste optische Merkmal, an dem jeder einen Anlagenmechaniker für SHK-Technik sofort erkennt: die blaue Latzhose. „Und wenn sich hier in der Werkstatt mal jemand verletzt, haben wir sogar passende blaue Pflaster“, sagt Kirchner. „Das Besondere daran ist, dass sie sich besonders leicht wieder ablösen lassen.“
Die Kinder sind begeistert und möchten sich gleich selbst verarzten lassen.
Vorher nimmt Kirchner die kleinen Entdecker aber noch mit an die Werkbänke. Am Schraubstock ist keiner mehr zaghaft, als es darum geht, ein Stück Plastikrohr so fest einzuklemmen, dass es sich verformt.
Nachdem die Kleinen sich ausgetobt haben, nimmt sich der Dozent beim Pflaster-Aufkleben genügend Zeit, jede Frage zu beantworten und seine Leidenschaft zum Handwerk zu demonstrieren. Das kommt auch bei Kai gut an. Er findet den Besuch in den Werkstätten mittlerweile „richtig cool.“

Ein Tier-Fan als Handwerker?

Mit blau umwickelten Fingern und in ebenso blau-leuchtenden HWK-T-Shirts treffen die beiden Gruppen in der Fotowerkstatt für ein gemeinsames Gruppenbild wieder aufeinander. Fotografenmeisterin und Dozentin Kathrin Püttmann setzt die Kinder vor der Fotoleinwand in Szene, bevor zum Abschluss noch ein gemeinsames Mittagessen ansteht.
Mit vielen neuen Eindrücken fahren Kai und die anderen Kinder zurück nach Schwerte. Ein großer Tier-Fan wird der Fünfjährige wohl auch weiterhin bleiben. Aber da er nun gesehen habe, wie spannend das Handwerk sei, werde er die Sache mit der Berufswahl vielleicht noch einmal überdenken.