Bier und Schweiß fließen reichlich…

(Foto: wochenkurier)

Westhofen. (Red.) „Sup Peiter“ ist bekanntlich ein uralter Brauch, der in der „alten Freiheit“ bis auf den heutigen Tag in Ehren gehalten und in bester Feierlaune zelebriert wird. Dabei fließen Bier und Schweiß in Strömen – das halten nur echte Männer aus…

Der 23. ist „Feiertag“

In der heutigen Zeit findet Sup Peiter am Samstag nach dem 22. Februar statt; sollte dieses Wochenende ein Karnevalswochenende sein, wird Sup Peiter auf den Samstag vorher verlegt. In diesem Jahr findet der große Tag am 23. Februar statt. Schon eine Woche vorher, also am heutigen Samstag, verkünden die Uträupers (Ausrufer) den Festtag, indem sie durch den Ort marschieren und mit Trommel, Horn und Glocke sowie am Anfang der Tour noch mit fester Stimme den Termin verkünden. Freundliche Nachbarn reichen stärkende Getränke, damit die Februarkälte nicht gar so bitter empfunden wird.

Drei Stammquartiere

Am Festtag selbst feiern die drei Nachbarschaften ab 20 Uhr jeweils getrennt in ihren jeweiligen Stammquartieren: die Niederste üblicherweise bei der Feuerwehr, diesmal aber im Haus Breer, Westeneicken im evangelischen Gemeindehaus und die Ostenpote im katholischen Gemeindehaus. Der Vorstand der Nachbarschaft marschiert ein und nach den Regularien sowie der Wahl eines oder mehrerer „Täpper“ (Bierzapfer) gibt es das erste kühle „Blonde“.

Erst essen, dann schrappen

Nach der Stärkung mit Pfefferpothast geht es an das „Schrappen“. Kleine und auch größere Vergehen kommen vor dem glühenden Ofen zur Verhandlung. Geburten, neues Auto, Hausanstrich, Ehejubiläen, Beförderungen usw. werden gebührend gewürdigt, dem Einfallsreichtum der Schräpper, Ankläger und Rechtsprecher in Person, sind kaum Grenzen gesetzt.

Richtig Spaß macht es allen, wenn der Deliquent „mitspielt“. Der Schräpper ist dann gefordert und muss seinen hoffentlich vorhandenen Mutterwitz spielen lassen, um mit möglichst viel „Winngeld“ und „Eingeschrapptem“ die Gemeinschaftskasse bereichern zu können

Gemütliche Runde

Um Mitternacht ist der offizielle Teil des Sup Peiter vorbei, die Nachbarn bleiben aber zusammen, um noch in gemütlicher Runde ein „Pröhlken“ zu halten und das Bierfass zu leeren. Dabei sein darf jeder männliche, volljährige, auch ehemalige Einwohner Westhofens oder als geladener männlicher Gast.

Uralte Tradition

Als die Christianisierung in den germanischen und keltischen Gebieten Europas begann, konnten die Missionare die tief verwurzelten Bräuche, die das Leben der Menschen prägten, nicht unterdrücken. Man versuchte deshalb, die alten Sitten mit dem christlichen Glaubensgut zu füllen und man legte in Rom fest, die heidnischen Feiertage mit den christlichen zu synchronisieren, zum Beispiel „Cathedra Petri“. Da der eigentliche Todestag des Petrus unbekannt war, wurde sein Gedächtnis am 22. Februar begangen. Später bezog man die cathedra auf den bischöflichen Lehrstuhl des Petrus und feierte den Tag der Übernahme des römischen Bischofsamtes durch den Apostel.

So wurde aus dem Wotans- oder Odinstag zu Ehren der Stuhlbesteigung des Petrus der St. Peterstag, St. Petri Stuhlfeier. Die heutigen Westhofener schlagen mit dem Sup Peiter, zu dem auch die niedere Gerichtsbarkeit in der alten Freiheit tagte, die Brücke in die Gegenwart.