Blick in unendliche Weiten

Schwerte. (saz) Viele Augen blickten kürzlich wieder einmal Richtung Himmel. Grund dafür war der Komet „Lovejoy C/2014 Q2“, benannt nach dem Australier Terry Lovejoy, der den Himmelskörper am 17. August 2014 entdeckte. Von Süden nach Norden durchquerte er unser Sonnensystem und konnte dabei mit einem Teleskop beobachtet und auch fotografiert werden. Für das Feld der Astrofotografie bot „Lovejoy“ ein schönes Motiv. In den unendlichen Weiten gibt es aber noch viel, viel mehr zu entdecken.

Zahllose Himmelskörper sind dem Hobby-Astrofotografen Andreas Mark, Mitglieder der Sternenfreunde in Schwerte (SiS), schon vor die Linse gekommen. Bereits in seiner Jugend hat sich der gebürtige Schwerter für Astronomie und die Sternen-Fotografie interessiert. Seit fünf Jahren ist der heute 51-Jährige wieder mit voller Kraft dabei – und stellt auch handwerkliches Geschick unter Beweis. Denn seine Teleskop sind Marke Eigenbau. Ein Rohr aus dem Baumarkt taugt beispielsweise als Tubus.

Das Hobby Astrofotografie ist nichts für Langschläfer, wie Mark betont: „Manch eine Stunde Schlaf geht dabei schon verloren.“ Außerdem müsse man auch wetterfest und kälteunempfindlich sein, zumal der Winter mit seinen langen Nächten für Sternengucker die beste Zeit darstellt. Und gerade die kalten Nächte sind häufig die, in denen ein sternenklarer Himmel zu bestaunen ist

Farbiges Weltalle: Blick auf den Sternhaufen m42. (Foto: Andreas Mark)
Farbiges Weltalle: Blick auf den Sternhaufen m42. (Foto: Andreas Mark)

Ungeahnte Dimensionen

„Man muss sich über die Dimensionen klar werden. Alle Sterne, die wir am so am Himmel sehen, sind Teil unserer eigenen Galaxie“, sagt Andreas Mark. Um einen Überblick zu geben: Die Sonne ist acht Minuten von der Erde entfernt, der nächste Stern, Proxima Centauri, bereits gut vier Lichtjahre. Was schon nach einer langen Strecke klingt, ist allerdings gar nicht so weit entfernt, wenn bedacht wird, dass eine Nachbargalaxie wie beispielsweise der Andromedanebel (M31) in klaren Nächten ohne Lichtverschmutzung mit bloßem Auge gesehen werden kann – und das aus einer Entfernung von rund 2,5 Millionen Lichtjahren. „Die Vorstellung, dass wir so viele Lichtjahre weit gucken können, ist schon Wahnsinn.“

Klein anfangen

Mit einem geeigneten Teleskop reicht der Blick natürlich noch weiter, ist noch klarer. Jedoch rät Andreas Mark Anfängern dazu, nicht gleich mit teuren Hochleistungsinstrumenten anzufangen, sondern erst einmal „auf dem Teppich“ zu bleiben, damit kein Frust aufkommt: „Astronomie beginnt mit dem Fernglas.“ Außerdem sei es überaus wichtig, sich über die geeignete Ausrüstung umfassend zu informieren. „Das Internet bietet eine super Plattform. Da gibt es viele Programme zur Astrofotografie kostenlos zum Herunterladen. Außerdem kann man sich dort auch über verschiedene Teleskope informieren“, berichtet der Hobby-Astrofotograf begeistert. Und verrät allen Nicht-Astrofotografen: „Die ursprünglichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Sternen, Nebeln und anderen Himmelskörpern werden mit einem digitalen Bildbearbeitungsprogramm nachkoloriert und sehen dann besonders spektakulär aus. Für Wissenschaftler sind hingegen Schwarz-Weiß-Bilder auf Grund ihrer hohen Bildqualität die erste Wahl.“

Sternenfreunde bieten Forum

Eine im wahrsten Sinne des Wortes nahe liegende Informationsquelle für den interessierten Laien ist der Verein „Sternfreunde in Schwerte“ (SiS). Alle drei Wochen finden Treffen der Sternfreunde in der Gaststätte Pferdekämper statt, bei denen auch Gäste gern gesehen sind. „Das sind alles ganz normale Menschen, die sich über jeden Neuzugang freuen. Einfach mal hingehen!“, rät der 51-Jährige. Das Miteinander mit Gleichgesinnten ist für Andreas Mark ohnehin ein wichtiger Punkt. Immer wieder treffen sich Freunde der Astronomie und Astrofotografie von überall her zu Teleskop-Treffen, verbringen dort gemeinsam einige Tage, schauen in die Sterne und tauschen sich aus. „Das ist super kommunikativ. Wir lernen alle voneinander.“

„Astrofotografie ist ein Hobby, das man überall hin mitnimmt“, erklärt Andreas Mark. Seine Ausrüstung ist im Urlaub mit dabei und bei dienstlichen Fahrten auch immer im Kofferraum. Schließlich findet sich bei einer Nachtfahrt oft ein schönes Motiv. Und machmal fährt der leidenschaftliche Astrofotograf am späten Abend nach einem Treffen mit Freunden oder Kollegen noch mal kurz rechts ran, um den Sternenhimmel ins Visier zu nehmen. Denn wer einmal die Faszination Sternenhimmel für sich entdeckt hat, den lässt sie so schnell nicht wieder los.

Andreas Mark betreibt die Astrofotografie als Hobby, aber seine Aufnahmen sind von höchster Qualität und Professionalität. Hier der berühmte Pferdekopfnebel. (Foto: Andreas Mark)
Andreas Mark betreibt die Astrofotografie als Hobby, aber seine Aufnahmen sind von höchster Qualität und Professionalität. Hier der berühmte Pferdekopfnebel. (Foto: Andreas Mark)