Brückenschlag mit Kant

Schwerte. (NO) Ob Königsberg oder Kaliningrad: Immanuel Kant verleiht der ehemaligen Hauptstadt des östlichen Preußen, die seit 1946 den russischen Namen trägt, noch immer besonderen Glanz. Der bis heute aktuell gebliebene Philosoph, eine Geistesgröße sondergleichen, wird von Deutschen wie Russen geschätzt.

Dr.-Ing. Joachim von Hirsch aus Ergste organisiert auch den zweiten Austausch mit der Kant-Universität Königsberg/Kaliningrad. Am Ostermontag kommt eine Studentengruppe nach Schwerte, um an einem hochkarätig besetzten Seminar zu Kants Schriften teilzunehmen. (Foto: Norbert Fendler)

Studentenaustausch

Um Kant und seine Schriften geht es auch bei einem Studentenaustausch zwischen der Immanuel-Kant-Universität/Technische Universität Königsberg sowie dem Technischen Hochschul-Verbund Aachen, Bochum, Clausthal, Göttingen und Hagen, der vom Ostermontag bis zum 16. April 2012, von Exkursionen abgesehen, in der Katholischen Akademie Schwerte stattfindet. Organisiert wurde der Gegenbesuch aus Kaliningrad – ein erster Besuch deutscher Studenten in Königsberg fand bereits im September vergangenen Jahres statt – von Dr.-Ing. Joachim von Hirsch aus Ergste.

Karriere

1937 wurde von Hirsch auf dem Familiensitz „Fuchsberg“ in Elbing, Ostpreußen, geboren. Schon zwei Jahre später kam er mit seinen Eltern nach Troisdorf bei Köln und machte 1997 Abitur am Humanistischen Gymnasium Wetzlar. Es folgt eine beindruckende Karriere: Nach dem Studium der Eisenhüttenkunde an der Bergakademie Clausthal promovierte er 1965. Er bekleidete leitende Funktionen unter anderem bei der Rheinstahl AG, beim Eisen- und Stahlwerk Pleissner GmbH in Herzberg/Harz und bei der Hundhausen GmbH in Schwerte, dort zuletzt als Geschäftsführer. Zudem hatte Joachim von Hirsch mehrere Vorstandsposten im Gießereiwesen inne. 1985 siedelte Dr.-Ing. Joachim von Hirsch nach Schwerte um, wo er in Ergste das passende Domizil fand: Das älteste und unter Denkmalschutz stehende Haus am Ort an der Lange Straße 24.

Kontaktaufnahme

Bei einem Besuch des von Wildwuchs überwucherten Familiensitzes machte Joachim von Hirsch mit seiner mittlerweile verstorbenen Ehefrau auch einen Besuch in Königsberg, wo er den Philosophie-Professor Gilmanow von der dortigen Kant-Universität kennenlernte. Eine hervorragende Vernetzung in der akademischen Welt machte schließlich den ersten Besuch von deutschen Studenten in Kaliningrad im vergangenen Jahr möglich.

Umfangreiches Programm

Nun freut sich Dr.-Ing. Joachim von Hirsch auf den Gegenbesuch. Am Ostermontag soll eine Gruppe von (geplant) 20 Student/innen in Schwerte eintreffen. Im Zentrum des Besuchs steht ein Seminar über Kants Schriften, darunter „Zum ewigen Frieden (1795)“ und „Was ist Aufklärung? (1784) in der Katholischen Akademie Schwerte. Zahlreiche namhafte Akademiker – Wissenschaftler, Philosophen, aber auch Vertreter aus Technik und Wirtschaft – konnten dafür gewonnen werden.

Kranzniederlegung

Neben Vorträgen und Diskussionen – auf Deutsch! – stehen auch etliche Exkursionen, so zum Phönix-See nach Dortmund und ins Planetarium Bochum (Thema: „Der bestirnte Himmel über mir“), auf der Liste. Zudem dürften die Studenten aus Kaliningrad gern die Gelegenheit nutzten, Schwerte und Umgebung zu erkunden. Ein Programmpunkt liegt Dr.-Ing Joachim von Hirsch besonders am Herzen: Die Totenehrung russischer Zwangsarbeiter am Dienstag, 10. April 2012, ab 15 Uhr auf dem Friedhof in Ergste.

Immanuel Kant, geboren am 22. April 1724 in Königsberg, dort gestorben am 12. Februar 1804, war ein Philosoph der Aufklärung und zählt zu den bedeutendsten Vertretern der abendländischen Philosophie. Sein Werk „Kritik der reinen Vernunft“ kennzeichnet einen Wendepunkt in der Philosophiegeschichte und den Beginn der modernen Philosophie.

Nicht nur in der Erkenntnistheorie, sondern auch in der Ethik mit dem Grundlagenwerk „Kritik der praktischen Vernunft“ und in der Ästhetik mit der „Kritik der Urteilskraft“ sowie bedeutenden Schriften zur Religions-, Rechts- und Geschichtsphilosophie schuf Kant eine neue, umfassende Perspektive in der Philosophie, welche die Diskussion bis ins 21. Jahrhundert maßgeblich beeinflusst. (Quelle: Wikipedia)