Schwerter Bundestagskandidaten: Oliver Kaczmarek, SPD

Schwerte. (NO) Am 22. September 2013 ist Bundestagswahl. Im Kreis Unna I, zu dem auch Schwerte gehört, treten Hubert Hüppe, CDU, Oliver Kaczmarek, SPD, Malte Spitz, Bündnis 90/Die Grünen, Heike Schaumann, FDP, und Walter Wendt-Kleinberg, Die Linke, als Bundestagskandidaten an. In einer Interviewreihe stellt der wochenkurier ihre Ansichten und Schwerpunkte vor. Den Anfang machte in der vergangenen Ausgabe der Grünen-Politiker Malte Spitz. Heute im Interview: Oliver Kaczmarek.

Zur Person

Geboren wurde Oliver Kaczmarek 1970 in Kamen. Nach Abitur und Zivildienst Abschluss eines Studiums in Geschichte und Sozialwissenschaft an der Universität Bochum; Oberregierungsrat im Schulministerium. Kaczmarek ist 1988 in die SPD eingetreten, seit 2005 ist er Vorsitzender der SPD im Kreis Unna, seit 2006 Mitglied des SPD-Landesvorstands. Unter anderem aktiv ist Oliver Kaczmarek bei Verdi, in der Arbeiterwohlfahrt sowie im Förderverein Monopol 2000. Er ist im Bundestag Mitglied im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikabschätzung sowie stellvertretendes Mitglied im Petitionsausschuss. Oliver Kaczmarek lebt in einer festen Beziehung.

wk: Wie lange ist denn jetzt in der heißen Phase Ihr Arbeitstag?

Kaczmarek: In meinem Wahlbüro in Unna starten wir so gegen 8 Uhr, der Tag kann durchaus so bis 21 Uhr dauern, aber ich bin morgens auch schon mal um 5.30 Uhr draußen, wenn wir Broschüren verteilen.

wk: Ist die SPD ihr Schicksal?

Kaczmarek: In gewisser Weise ja. Ich bin ja aufgewachsen als Sohn eines Bergmannes und einer Hausfrau. Der Staat, insbesondere seine Schulen, gab mir die Möglichkeit, etwas zu lernen und sozial aufzusteigen. Deshalb hat mein Leben immer etwas mit der Politik der SPD zu tun.

wk: Wie halten Sie als Mitglied des Bundestags den Kontakt zu ihrem Heimatkreis?

Kaczmarek: Natürlich bin ich, sooft es geht, vor Ort unterwegs und besuche ja auch nicht nur Schulen und Betriebe, sondern suche den Kontakt zu den ganz normalen Bürgern. Deshalb mache ich meine Rote-Rucksack-Touren, auch hier in Schwerte, und ich habe das Gefühl, dass sich die Leute freuen und die Gelegenheit gern nutzen, mal ganz locker mit mir ins Gespräch zu kommen. Hier im Kreis ist es von Vorteil, dass man recht schnell alle Städte erreichen kann. Schwerte kenne ich ganz gut, schon früher kam ich öfters hier zum, zum Beispiel mit der Schule zum Kanufahren an der Ruhr.

wk: Was gefällt ihnen am heimischen Kreis?

Kaczmarek: Die direkte Art der Menschen sagt mir sehr zu. Und hier hat die Arbeit noch einen hohen Stellenwert. Dass es mir hier gefällt, zeigt ja auch die Tatsache, dass ich noch nie woanders gewohnt habe.

wk: Ein viel diskutiertes Thema hier vor Ort ist der Ausbau der B 236. Haben Sie das auf dem Schirm?

Kaczmarek: Natürlich. Deshalb treffe ich mich regelmäßig mit Schwerter Parteimitgliedern und einmal im Jahr auch mit Bürgermeister Böckelühr. In Berlin setze ich mich für die Umsetzung des Bundesverkehrswegeplan ein. Hier muss der politische Druck aufrechterhalten werden, Geld muss bereitgestellt werden. Allerdings befürchte ich, dass sich nach der derzeitigen Finanzplanung der Bundesregierung die Umsetzung vieler Projekte auch im Kreis Unna absehbar um Jahrzehnte verzögern wird.

wk: Scheitert der Euro, scheitert Europa. Stimmen Sie dieser Aussage zu?

Kaczmarek: Ich glaube nicht, dass der Euro scheitert. Wir können uns als größte Volkswirtschaft Europas das auch gar nicht leisten. Wir haben ja auch vom Euro profitiert, das sollte man nicht vergessen. Nur mit einer europäischen Gemeinschaftswährung haben wir die Chance, gegenüber den ganz großen Volkswirtschaften, und hier nenne ich auch China oder Brasilien, zu bestehen.

wk: Ist Griechenland in der Eurofalle?

Kaczmarek: Griechenland ist ein Symbol. Wenn es fällt, fragen sich die Märkte: Wer kommt als nächstes? Wenn es einmal anfängt zu bröckeln in Europa, wird es für alle gefährlich. Fließt neues Geld nach Griechenland, müssten dort damit aber auch die Potentiale genutzt werden, zum Beispiel die Sonnenenergie. Außerdem müssen dringend Programme gegen die Jugendarbeitslosigkeit entwickelt werden, das gilt auch für Spanien oder Portugal. Die Jugend darf für Europa nicht verloren gehen!

wk: Thema Inklusion. Sind Sie dafür?

Kaczmarek: Auf jeden Fall!. Inklusion ist eine gesellschaftliche Haltung und keine reine Frage der Schulausbildung. Allerdings sind die Rahmenbedingungen nicht optimal. Bei sinkenden Schülerzahlen müssen die Lehrkräfte gehalten werden. Wir brauchen mehr Fortbildung, mehr Zusammenarbeit zwischen Förderschullehrern und ,normalen‘ Lehrkräften. Und wir müssen der Inklusion auch Zeit geben, den Druck nicht zu groß werden lassen. Ein Ganztagsschulprogramm halte ich für sinnvoll, dafür muss der Bund aber auch Geld in die Hand nehmen

wk: Was halten sie vom Betreuungsgeld?

Kaczmarek: Nichts. Besser sollte man das Geld für den Ausbau der Kindergartenplätze und für Erzieherinnen und Erzieher verwenden.

wk: Wie stehen Sie zu Mindestlöhnen?

Kaczmarek: Die müssen sein. Hier im Kreis Unna gibt es rund 4000 Leute, die trotz Arbeit noch Hartz 4 bekommen müssen. Das ist nicht in Ordnung, deshalb muss die Untergrenze gesetzlich geregelt werden.

wk: Was sagen Sie zur klammen Lage der Kommunen auch hier im Kreis?

Kaczmarek: Die Kommunen müssen für viel zu viele Aufgaben aufkommen, die eigentlich vom Bund übernommen werden müssten. Grundsicherung im Alter, Schulsozialarbeiter, Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung – das alles kostet Geld, viele Aufgaben können die Kommunen einfach nicht aus Eigenmitteln stemmen können.

wk: Ist die Energiewende richtig?

Kaczmarek: Ja. Ich kenne auch etliche Betriebe im Kreis und auch hier in Schwerte, die wichtige Arbeit machen und auch für Arbeitsplätze in dieser Branche sorgen. Zum Projekt Windpark Am Schälk kann ich jetzt allerdings nicht detailliert äußern, aber ich war vor Ort auch bei der Bürgerinitiative. In Berlin wird das Thema Energiewende aber meiner Ansicht nach oft zu unklar gehandhabt, und außerdem muss sie bezahlbar bleiben.

wk: Unter dem Vorbehalt des Zeitmangels – welche Hobbys haben Sie?

Kaczmarek: Ich gehe gerne wandern, da kriegt man den Kopf frei. Als Fan von Blau-Weiß gehe ich auch gern in die Arena auf Schalke und hoffe auf eine bessere Zukunft für meinen Verein. Gerne besuche ich auch Rock- und Pop-Konzerte, aber dafür ist im Moment kaum Zeit. Ansonsten verbringe ich soviel Freizeit wie möglich im Familien- und Freundeskreis, der ist bis heute intakt geblieben.

wk: Was würden Sie am liebsten tun, wenn sie nicht in der Politik wären?

Kaczmarek: Ach, da habe ich gar keine außergewöhnlichen Pläne. Ich würde wahrscheinlich mein vorheriges Leben bzw. die Arbeit als Oberregierungsrat im Schulministerium wieder aufnehmen. Ich habe aber nicht das Gefühl, jetzt etwas unwiederbringlich zu verpassen. Und es gibt ja auch ein Leben nach dem politischen Amt. Schauen wir mal, was noch kommt.

wk: Herr Kaczmarek, vielen Dank für das Gespräch!