Chris Kramer & Beatbox’n’Blues: Schluss im Halbfinale – Good bye, Memphis 

Memphis/Tunica/Greenwood/Leland. Diesmal hat es nicht mehr gereicht: „Chris Kramer & Beatbox’n’Blues“ mussten sich bei der „International Blues Challenge“ im Halbfinale der amerikanischen Konkurrenz geschlagen geben. Die drei Musiker sind dennoch stolz auf das Erreichte.

Mit ihrer innovativen Mischung aus klassischem Blues und Beatbox haben es Chris, Sean und Kevin weit gebracht. Sie gehörten nach der Vorrunde von den 10 angetretenen Bands ihrer Gruppe zu den vier glücklichen Formationen, die den Einzug ins Halbfinale feiern konnten. Doch dort verschärften sich die Bedingungen: von den sechs Bands ihrer Gruppe wurde nur eine einzige zum Finale zugelassen.
War das kreative Konzept mit der dem Hip Hop entlehnten Beatbox doch zu ungewöhnlich für den klassischen Blueshörer? Sänger Chris Kramer: „Das glaube ich nicht, denn die Reaktionen des Publikums waren jedes Mal euphorisch! Nach den Gigs klopfte man uns auf die Schultern mit Worten der Begeisterung wie: ‚That was awesome!’ oder ‚We love you, guys!’. Aber es kann nun mal nur einen Sieger geben, und gegen einen so fantastischen Act wie Dawn Tyler Watson zu verlieren ist keine Schande!“
Die Bluessängerin aus Montreal/Kanada konnte mit ihrer Band das Finale für sich entscheiden. Gitarrist Sean Athens zum Wettbewerb: „Natürlich sind wir traurig, dass wir nicht weitergekommen sind. Aber andererseits sind wir dankbar, dass wir es überhaupt so weit geschafft haben. Hier aufzutreten hat riesig Spaß gemacht und war eine gigantische Erfahrung!“
Beatboxer Kevin O Neal stimmt zu: „So etwas erlebt man nur einmal im Leben. Ich bin stolz auf die Tage, die hinter uns liegen und freue mich auf das, was in den nächsten Tagen hier in Tennessee und Mississippi noch auf uns zukommt!“ Chris Kramer kann schon wieder verschmitzt lächeln: „Hey, wir haben alles gegeben und eine tolle Show geboten – wir haben uns nichts vorzuwerfen. Wir haben Memphis gerockt!“
Nun haben die Jungs ihre Zelte in Memphis abgebrochen, um nun noch einige Tage lang dem Blues Trail durch die US-Staaten Tennessee, Mississippi und Alabama zu folgen.
Die Entdeckungsreise zu den Ursprüngen des Blues führt die deutsche Band zunächst ins Mississippidelta im Staat Mississippi gleich südlich von Memphis. Prägten dort noch die hohen Gebäude, Straßenbahnen und neonbunten Musikclubs das Bild, so ist es heute eine tischflache Landschaft mit vielen abgemähten Feldern. Ab ungefähr dem Jahr 1900, als die ersten Deiche gebaut waren und der Baumwollanbau damit möglich wurde, sangen die afroamerikanischen Feldarbeiter ihre Lieder, entstand so der Blues.
Ein erster Halt war in Tunica bei Memphis, dort befindet sich das „Gateway to the Blues Visitor Center & Museum“. Die Jungs holten sich hier Tipps, denn das Besucherzentrum hilft mit Infos über die Region, Broschüren und Straßenkarten weiter. Und so ging die Fahrt weiter zu DER Pilgerstätte für alle Bluesfans: das „B.B. King Museum & Delta Interpretive Center“ in Indianola.
Nach der tollen Führung zollten die Jungs ihren Respekt an B.B.‘s Grabstätte, die am Rande des Museums angelegt ist. Die Ehrfurcht war den Dreien ins Gesicht geschrieben sowie die Dankbarkeit für sein musikalisches Werk, das bis heute Menschen inspiriert und begeistert. Chris musste sich sogar eine kleine Träne wegwischen…
Anschließend fuhr die Band zu den „Tallahatchie Flats“ bei Greenwood. Diese ehemaligen Baumwollpflücker-Hütten wurden auf soliden Hotelstandard modernisiert, versprühen aber noch immer ihren ursprünglichen Charme. Leider vergoss auch das Wetter an diesem Tag eine Menge Tränen, aber wetterfeste Westfalen kennen sich mit schwerem Landregen aus.
Chris verzog sich zum Abend in sein Zimmer und spielte mit der Gitarre gegen das Prasseln des Regens an. „Wenn Du den Blues hast, dann spiel den Blues. Das hilft.“
Am Morgen nach der verregneten Nacht in den Tallahatchie Flats bei Greenwood führte Tourguide Sylvester Hoover, selbst aus Greenwoods Stadtteil Baptist Town stammend, die Band zum nahe der Stadt gelegenen Grab des „King of the Delta Blues“: Robert Johnson, der Urvater des Blues, der angeblich in den 1920ern seine Seele dem Teufel verkaufte, um von ihm die Geheimnisse des Gitarrenspiels zu erlernen.
Auch der „Bryant Store“ in Money stand auf dem Programm. Hier soll 1955 der afroamerikanische Emmet Till einer weißen Frau nachgepfiffen haben. Der 14-Jährige wurde kurz darauf ermordet. Der längst zur Ruine zerfallener Laden ist heute ein Mahnmal gegen rassistische Gewalt. Danach ging es weiter nach Leland, wo Chris, Sean und Kevin das „Birthplace of Kermit The Frog Museum“ besuchten. Muppet-Erfinder Jim Henson wurde 1936 in dieser Stadt geboren und verbrachte seine Kindheit im Delta.
Ebenfalls in Leland befindet sich das „Highway 61 Blues Museum“, in dem das Trio auf Delta-Blues-Musiker Pat Thomas und seine Band traf. Natürlich wurde sofort spontan gejammt, was ein perfektes Warm-up darstellte für den abendlichen Auftritt von „Beatbox’n’Blues“ in der „Walnut Steet Blues Bar“ in Greenville. Dort gab es eine tolle Überraschung: der Top-Bluesmusiker John Holten kam mit Schlagzeuger, Keyboarder und Bassist in den Club. Nach ein paar Songs holte er die Deutschen auf die Bühne und zusammen groovten sie los, als gäbe es kein Morgen.
Holten war begeistert von dem Trio und seiner ungewöhnlichen Besetzung, mit einer Beatbox hatte er noch nie gespielt. Und während eines von Kevins Beatbox-Solos kam der beeindruckte Holten aus dem begeisterten Lachen kaum heraus. An diesem Abend bewiesen die Anwesenden eindringlich, wie völkerverbindend die internationale Sprache der Musik ist – und dass der Blues alles andere als verstaubt ist.