Drei Stationen von Haus Husen

Vergangenheit zum Greifen nah: Ferdinand Ziese im Gewölbekeller von Haus Husen (Foto: Norbert Fendler)

Schwerte/Syburg. (NO) Regelrecht ins Schwärmen gerät Ferdinand Ziese angesichts der vielen historischen Zeugnisse der Geschichte im heimischen Ruhrtal. Der Heimatfreund und -forscher aus Dortmund-Holzen, interessierten Bürgern unter anderem bekannt durch seine Merlin-Führungen und als „Räuber Mohr“, ist nicht nur der Geschichte auf der Spur, er bemüht sich auch, sie für weniger Kundige nachvollziehbar zu machen.

Geschichte vermitteln

Im Blick hat der 56-Jährige dabei auch das junge „Publikum“ – Stichwort Erlebnispädagogik. Davon profitiert insbesondere die Grundschule Do.-Holzen, die gern mit dem örtlichen Heimatverein und damit auch mit Ferdinand Ziese zusammenarbeitet.

Dieser hat sich auch mit seinen selbst gebastelten Modellen alter Burgen einen Namen gemacht. 30 historische Bauwerke, viele davon zeugen auch heute noch im Ruhrtal von einer bewegten Vergangenheit, hat der Hobbyforscher aus Holz und Pappe bereits gebastelt – kindgerecht und anschaulich, aber historisch immer „wasserdicht“.

Heimatforscher Ferdinand Ziese (r.) und sein „Kollege“ Martin Huff präsentieren vor dem denkmalgeschützten Haus Husen in Syburg drei Modelle, die das Gebäude im Wandel der Geschichte zeigen. Von Ferdinand Zieses selbst gebastelten Modellen historischer Bauwerke – mittlerweile sind es rund 30 an der Zahl – können vor allem Schulkinder profitieren. (Foto: Norbert Fendler)

Dreimal Haus Husen

Vom Haus Husen hat Ziese drei Miniaturen angefertigt, die drei Geschichts- und Bauperioden entsprechen. Das schlichte Modell 1 ist Haus Husen, wie es sich vor mehr als 1000 Jahren präsentierte: als ein Hochmotte genannter Wohnturm aus Holz. „Davon gab es vier im Ruhrtal, neben Haus Husen einen im Ohl und im Bürenbruch, und die Keimzelle des Hauses Villigst war auch einst ein Wohnturm. Von diesen Hochmotten aus wurden im Bedrohungsfall Signale an die Hohensyburg übermittelt, damit man sich von dort aus auf Angriffe einstellen und die Bevölkerung evakuieren konnte“, weiß Ferdinand Ziese.

Um- und Ausbau

Im 11. Jahrhundert wurde aus der hölzernen Hochmotte Haus Husen ein zweigeschossiger Wohnturm in Bruchsteinmauerwerk – Modell 2. 1681 wurde der Wohnturm mit einem Gesinde-Anbau nach Süden erweitert, im Inneren umgebaut und ein Portal mit Freitreppe errichtet: Modell 3.

Nicht nur Herberge

Restauriert wurde Haus Husen dann 1963 vom Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder Land Westfalen e.V. mit Unterstützung der NRW-Stiftung Natur, Heimat, Kultur, der Evangelischen Kirche von Westfalen, des LWL und der Stadt Dortmund. Das Bauwerk ist heute eine Jugendherberge, bietet aber auch Raum für private Feste und Veranstaltungen. „Das weiß längst nicht jeder“, so Ferdinand Ziese, der das Bauwerk im allgemeinen und den Gewölbekeller im besonderen ins Herz geschlossen hat. Erst kürzlich führte der Hobbyheimatforscher geschichtliche „Baumpfadführungen“ für junge Besucher rund um das historische Gemäuer durch. Und möchte das Aktionsprogramm noch weiter ausbauen.

Immer ein Erlebnis

„Die Vergangenheit ist gerade in unserer heimischen Region zum Greifen nah und immer ein Erlebnis!“, hofft Ferdinand Ziese darauf, dass möglichst viele Zeitgenossen die Faszination Geschichte für sich entdecken mögen.