Entspannt am Bügelbrett

Schwerte. (MT) Vor 30 Jahren war die „wigge“ noch eine Bäckerei. Seitdem hat sich einiges geändert – auch für Menschen in psychischen Krisen. „Geisteskranke“ hatten es damals schwer, viel schwerer als heute, oft wurden sie weggesperrt und entmündigt. Ein weitgehend selbstbestimmtes Leben war für Betroffene ein ferner Wunschtraum.

Kein Stress, dafür Spaß: Die Bügelgruppe der "wigge" geht ganz entspannt an die Arbeit. Der Tag bekommt wieder Struktur und der Umgang mit anderen Menschen wird geübt. (Foto: Marie Tillmann)

„wigge“ tut gut

Heute ist die „wigge“ an der Friedrichstraße 7 ein Kontakt- und Anlaufstelle für Menschen, die trotz psychischer Krisen das Alltagsleben bewältigen möchten und – bisweilen mit etwas Unterstützung – meistens auch können. Alle „niedrigschwelligen“ Angebote sind offen, je nach Bedürftnis können sie regelmäßig oder unregelmäßig genutzt werden. Die „wigge“ tut der Seele gut, so das Fazit vieler Besucher, die hier nicht nur Verständnis bei Problemen finden, sondern auch Ansprechpartner bei Sorgen. Nicht zuletzt finden die „wigge“-Gäste Beschäftigung im stressfreien Rahmen und können sich ein kleines Zubrot verdienen. Etwa beim hauseigenen Bügeldienst.

Bügeln ohne Stress

Ulrike Siepelmeyer, „Frau der ersten Stunde“, engagiert sich seit 21 Jahren in der wigge. Sie hat die Idee des „Bügel-Projekts“ mit erarbeitet. Bei diesem Angebot kann man Hemden und andere Kleidungsstücke abgeben, diese werden dann vom Bügelteam der „wigge“ ganz entspannt „in die Mangel“ genommen. Zwölf Jahre gibt es diese Bügelaktion nun schon. Die Arbeit bringt nicht nur Hemden, sondern auch Seelen wieder in Form.

„Das Arbeitsangebot der ‚wigge‘ ist nicht nur eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Die Betreuung der Kunden stärkt uns im Umgang mit anderen Menschen und man bekommt wieder eine Struktur in den Tag“, erzählt Klaus Woelk. Aber was ihm und den anderen Team-Mitgliedern am meisten hilft, ist, dass sie Mitverantwortung für eine Sache tragen.

Große Familie

Viele „wigge“-Aktive haben nach einem Arbeitsverlust nach einer psychischen Krise endlich wieder ein Ziel vor Augen. Drei bis vier Menschen arbeiten in der Regel zusammen. „Es macht immer noch viel Spaß. Die ‚wigge‘ ist wie eine große Familie“, sagen sie. Nach der Arbeit wird zusammen gegessen, gegenseitige Hilfe ist selbstverständlich. Doch immer gilt der Grundsatz der Selbstbestimmtheit: Jeder und jeder kann entscheiden, ob und wann Hilfe gewünscht ist.

Die „wigge“, eine Einrichtung der Selbsthilfegemeinschaft psychisch Kranker, der Angehörigen und der freiwilligen Helfer/innen ist Mitglied im Diakonischen Werk Westfalen und arbeitete intensiv und erfolgreich auch mit der Volkshochschule Schwerte zusammen. Dort bieten die Mitglieder der „wigge“ kalte und warme Getränke sowie belegte Brötchen im Foyer an.

Kontakt

Wer den arbeitstherapeutischen Bügeldienst unterstützen und Hemden, Hosen etc. wieder in Form gebracht haben möchte, wende sich an die Kontaktstelle „wigge“ unter Tel. 0 23 04 / 1 33 41. Oder kommt einfach mal vorbei.