Flüchtlingsakademie: Pilotprojekt startet

Schwerte. (NO) Eine gelungene Integration setzt neben dem Erwerb der deutschen Sprache die Eingliederung in den Arbeitsmarkt und die gesellschaftliche Beteiligung voraus. Gemeinsam mit einem breiten Bündnis von Kooperationspartnern und Förderern hat der Schwerter Kultur- und Weiterbildungsbetrieb jetzt ein umfangreiches Pilotprojekt gestartet, das besonders dem letzten Punkt Rechnung tragen will. Die Beteiligten informierten jetzt in der VHS über das Projekt, in das nach und nach immer weitere Akteure und nicht zuletzt auch die Schwerter einbezogen werden sollen. „Ein Schneeballsystem“, bringt KuWeBe-Vorstand Dr. Christine Mast das Prinzip auf den Punkt.

Werte vermitteln

Die Flüchtlingsakademie Schwerte verfolgt das Ziel, europäische Werte für Flüchtlinge aus anderen Kulturkreisen greifbar und verständlich werden zu lassen. Die Vermittlung geschieht mittels „Multiplikatoren“, das sind zunächst vier junge Zugereiste, die seit rund einem halben Jahr fleißig Deutsch gelernt haben, Bundesfreiwilligendienst leisten und für die Vermittlungsaufgabe ausgewählt wurden. Weitere 15 junge Zugereiste werden im Laufe der Zeit in das Projekt einbezogen und ihrerseits das Erfahrene weitergeben.

Im Dialog

Es gilt, im Dialog mit der Stadtgesellschaft kulturell bedingte Reibepunkte zu glätten, Mentalitätsgrenzen zu überbrücken und europäische Regeln, Werte und Gesetze nachhaltig in der Schwerter „Flüchtlingscommunity“ zu verankern. Projektleiterin der Flüchtlingsakademie ist Anja Kiefer-Kaufmann, die reiche Erfahrung in der Flüchtlingsarbeit mitbringt. „Die Absolventen der Flüchtlingsakademie erhalten ein von der VHS ausgestelltes Zertifikat über die erfolgreiche Teilnahme“, so der Vorstand des KuWeBe, Dr. Christine Mast. Das dient auch als Empfehlung für den Arbeitsmarkt.

Kunst baut Brücken

Nicht zuletzt um sprachliche Barrieren zu umgehen, werden Elemente der Kulturarbeit – Kunst im weitesten Sinne, so auch Film und Theater – in die Flüchtlingsakademie integriert. Zu diesem Zweck hat der KuWeBe ein breites Bündnis überregional wirkender Akteure geschmiedet. Vertreter der Katholischen Akademie (Dr. Ulrich Dickmann, Prof. Dr. Lieb) und der Evangelischen Akademie (Kerstin Gralher, Pfarrer Edgar L. Born) in Schwerte planen Exkursionen, Kunstworkshops und andere Veranstaltungen, die das kulturelle Verständnis der Multiplikatoren schulen und Begegnung zwischen Alt- und Neuschwertern ermöglichen werden. In Kulturworkshops möchte Dirk Harms die performative Kraft des Theaters nutzen, um kulturelle Traditionen und die persönliche Dimension des Zusammentreffens unterschiedlicher Wertevorstellungen zu vermitteln.

Für die mediale Begleitung des Integrationsprojekts ist die Ruhrakademie Schwerte an Bord – eine Zusammenarbeit, die mit der baldigen Veröffentlichung der Neuschwerter Orientierungsfilme bereits erste Früchte trägt. Auch die VHS ist am Projekt beteiligt.

Obwohl sich alle Kooperationspartner mit Personal, Engagement und weiteren Eigenleistungen dem Ziel der Flüchtlingsakademie verpflichtet fühlen, bedarf ein Projekt dieser Größenordnung eines soliden finanziellen Fundaments. Die Flüchtlingsakademie Schwerte wird finanziell unterstützt durch die Sparkassenstiftung Schwerte und den Rotary Club.