Gegen eine Tierfabrik in Schwerte

Schwerte. (NO) Gegen den Bau einer „Tierfabrik“ zur Massenhaltung von Schweinen im Naturschutzgebiet Elsebachtal am Bürenbruch begehrt eine Ende Mai gegründete Bürgerinitiative auf. Kürzlich hat sich die Initiative von einem Offenen Brief an Bürgermeister Böckelühr und den Rat der Stadt Schwerte gewand. Diese sollen rechtzeitig alle Maßnahmen – beispielsweise im Rahmen der Bauleitplanung – ergreifen, um Tierfabriken in Schwerte zu verhindern.

„Qualvolle Umstände“

Im Schreiben heißt es unter anderem: „Derartige Anlagen sind beispielsweise dadurch geprägt, dass die Tiere in unseren Erachtens qualvollen Umständen gehalten werden – insbesondere durch die extreme Enge, Haltung bei künstlichem Licht, betäubungslose Kastrationen, immer wiederkehrende zwangsweise Besamungen der Sauen etc.“ Massentierhaltung, so heißt es weiter, sei nur durch Einsatz von erheblichen Mengen von Antibiotika möglich, so dass die Gefahr des Ausbreitens multiresistenter Keime (z.B. MRSA) in der Umgebung wächst.

Zudem würden erhebliche Mengen an Gülle sowie Desinfektionsstoffe auf die Felder verbracht werden und somit in die umgebenden Gewässer (Reingser Bach sowie Lollenbach und damit in den Elsebach und letztendlich in die Ruhr) gelangen.

„Zeichen setzen!“

Die Bürgerinitiative gegen Massentierhaltung stellt klar: „Wir lehnen solche Tierfabriken aufgrund ihrer Auswirkungen auf uns und die Natur ab und sind der Auffassung, dass das Gemeinwohl wie die Bewahrung unserer Umwelt über den wirtschaftlichen Interessen Einzelner steht.“ Bürgermeister und Rat werden im Offenen Brief aufgefordert, vor Ort ein Zeichen zu setzten, die qualvolle Haltungsform der Tiere in Mastbetrieben zu verhindern und das Naturschutzgebiet Elsebachtal vor Umweltbelastungen aus einer weiteren Tierfabrik zu bewahren. „Schwerte ist nicht nur die Hansestadt an der Ruhr, sondern auch ,Fair Trade Stadt‘ – wir möchten die Ergänzung ,Tierfabrikfreie Stadt‘ hinzusetzen“, heißt es außerdem im Offenen Brief.

Tendenz steigend

Die Initiative gegen Massentierhaltung zählt zur Zeit 55 aktive Mitglieder – mit steigender Tendenz. Es sind alle Schichten von Bürgern vertreten, Frauen und Männer, alt und jung, alleinerziehende Mütter genauso wie Ingenieure. Allen ist gemeinsam, dass sie sich gesellschaftspolitisch engagieren wollen, ohne bislang in irgendeiner Partei tätig gewesen zu sein.

Flyer liegt aus

An verschiedenen Stellen im Raum Schwerte, aber vor allem in Ergste liegen Flyer sowie Unterschriftenlisten der Initiative aus (in Arztpraxen, Apotheken, Gesundheitszentren etc.), um weitere Unterstützer zu gewinnen.

Infoveranstaltung

Am 1. September wird im Ev. Gemeindezentrum in Ergste ab 19.30 Uhr eine öffentliche Veranstaltung stattfinden, in der die Bürgerinitiative den Stand der Unterschriftenaktion besprechen möchte. Außerdem steht ein Fachvortrag über Umweltbelastungen durch eine „Tierfabrik“ auf dem Programm, außerdem Gespäche mit den Parteien als Reaktion auf den Offenen Brief vom 10. Juli. Dabei soll unter den Aspekten Tierschutz, Umweltschutz und Gesundheit ausgelotet werden, wo es Schnittmengen mit den im Rat vertretenen Parteien gibt, um Tierfabriken wie die geplante am Bürenbruch in Ergste in Schwerte generell zu verhindern.