Geld oder Seele?

 Schwerte. (NO) Wenn die Ökonomie vernunftgesteuert wäre, gäbe es nichts zu spekulieren. Aber die Wirtschaft ist nicht rational. Ebenso wenig vernünftig ist die Auffassung, dass grenzenloses Wachstum möglich sei.

Da ist doch was faul im System. Findet auch der Schwerter Soziologe Dr. Torsten Reters. Und stellt sich in seinem neuen Buch „Geld oder Seele?“ unverkniffen und mit lockerem Humor der Frage, wie man den Kapitalismus überstehen kann, ohne falschen Heilsversprechen auf den Leim zu gehen. Und wie man besser leben kann, ohne sich gleich mit Haut und Haar zu verkaufen.

Der Inhalt von Reters neuem Werk ist angesichts von Euro(pa)-Krise und hektischer Suche nach Auswegen und Erlösung tagesaktuell. Ganz entspannt wird am Rande festgestellt: Katastrophen gibt es immer wieder, Sicherheit gibt es sowieso nicht, kein Grund also, sich aufzuregen.

Raus aus der Tretmühle

Kommt man raus aus der Tretmühle? Durchaus, findet Dr. Torsten Reters und hat einige, oft überraschend einfache Rezepte parat. Einige davon: Arbeit und Leben lockerer angehen lassen, sich mit der Unwägbarkeit der Existenz abfinden, sich nicht unter Wert verkaufen, notfalls auch mal einen Gang runterschalten, auch mal „Nein“ sagen und gegebenenfalls ein Sinken des – materiellen – Lebensstandards in Kauf nehmen.

Müßiggang empfehlenswert

Humorvolle und ernste Antworten in Reters Buch „Geld oder Seele?“ helfen, die modernen Zeitfallen und Tretmühlen des Alltags zu erkennen. Um ihnen zu entgehen, sei es nötig, das Recht auf Müßiggang und Kreativität gegenüber den „protestantischen Workoholics“ einzufordern. Und so finden Mittagsschläfchen, Teestunde und Flanieren durchaus Dr. Reters‘ Zustimmung.

Wie von selbst

„Dieses Büchlein schrieb sich wie von selbst, ohne Werkplan“, sagt der Autor. „Innerhalb kürzester Zeit verknüpften sich viele unterschiedliche Zweige meiner Interessensgebiete und Tätigkeitsbereiche zu einem vielgestaltigen Baum. Der Bogen spannt sich von der heiteren Philosophie des klassischen Kaffeehauses, vom Börsen-Crash bis zum pausbäckigen Humor des frechen Bart Simpson.“ Zu Wort kommen außerdem so berühmte Autoren wie Paul Watzlawick , Erich Fromm, Dorothee Sölle und Tom Hodgkinson.

Es geht auch anders

Hodgkinson, einst Journalist und Unternehmensberater, verlor innerhalb von zwei Jahren unfreiwillig sieben Achtel seines Einkommens und stand vor einem Scherbenhaufen. Der Brite gab sein teures Appartement in London auf und zog mit seiner Familie aufs Land, schränkte sein Leben materiell stark ein und entdeckte die Freuden des Müßiggangs. Seine Bücher „Anleitung zum Müßiggang“ und „Die Kunst, frei zu sein“ wurden zu Bestsellern.

Halbierter Kapitalismus

Man muss sich nicht ganz aus der Leistungsgesellschaft verabschieden, ein wenig Distanz reicht oft schon, so Dr. Torsten Reters. „Ein halbierter Kapitalismus scheint mir eine Alternative zum echten Kapitalismus. Mit halber Kraft zu ,fahren‘ ist ideal für Menschen, die weder zur Askese neigen, aber auch nicht wagen, ganz aus dem Hamsterrad von Konsum und Arbeit auszubrechen. Man bedient sich weiter der Vorteile des Geldes und des Marktmechanismus, ohne ihren Heilsversprechen auf den Leim zu gehen. Nur eine richtige Balance zwischen Geld und Leben, von Arbeit, produktivem Tätig-Sein, Denken und Ausruhen führt zu einem gelingenden Dasein!“ Allerdings mag sich der eine oder andere Leser die Frage stellen: Gibt es ein richtiges Leben im falschen?

Sinnvoll und erfreulich sei es, sich auf die „Eigentlichkeit“ des Daseins zu besinnen, findet Dr. Torsten Reters und hat in sein Buch „Geld oder Seele?“ auch ein Gedicht des Schwerter „Flusspoeten“ Thorsten Trelenberg aufgenommen. Und das geht so:

Alles noch so

Großartige

Alles noch so

Selbstverständliche

Ist bei genauer

Betrachtung am Ende

Doch nicht so viel wert

Wie der Anblick einer

Blühenden Kirsche oder

Der flüchtige Schlag

Eines Falters in der

Abendsonne.

Dr. phil. Torsten Reters, 1964 in Schwerte geboren, verheiratet, ein Sohn (8), Studium der Geschichte und der Evangelischen Theologie, der Pädagogik und der Soziologie an der Universität Dortmund. Reters beschäftigt sich in der Erwachsenenbildung, als Lyriker, Ausstellungsmacher und Publizist mit den Themen der Zweisamkeit, der Kultur- und Mentalitätsgeschichte sowie mit Fragen der Lebenskunst. Der Autor stellt seine Gedanken zur Lebens- und Beziehungsgestaltung in Seminaren und Vortragsveranstaltungen in ganz Deutschland vor. Zu seinem neuen Buch „Geld oder Leben?“ finden zwei Bildungsurlaube in Bremerhaven und Bad Laer statt. Publikationen: „Liebe, Ehe und Partnerwahl zur Zeit des Nationalsozialismus“ (1997), „Das geheimnisvolle 1 x 1 der Liebe“ (1998), „Wie unsere Liebe gelingt?“ (2004), „Wie dein Leben gelingt!“ (2010) und zuletzt „Geld oder Seele? – Wie man den Kapitalismus übersteht, ohne sein Leben zu verkaufen“, ISBN 978-3-89733-285-0, 14,80 Euro.