Gözde Arslans großes Ziel

Gözde Arslan aus Geisecke, die zur Zeit ein Praktikum beim wochenkurier absolviert, ist ein Fußballtalent erster Klasse. Ihr Ziel: „Die deutsche Nationalmannschaft!“ (Foto: privat)

Schwerte. (as) Mesud Özil hat es geschafft. Ilkay Gündogan und Nuri Sahin ebenfalls. Wenn die drei Jungs aus dem Ruhrgebiet beziehungsweise Sauerland nicht für ihre jeweiligen Fußballclubs auflaufen, tragen sie das Nationaltrikot. Das der Bundesrepublik oder das rote der Türkei. Genau wie Gözde Arslan. Vor anderthalb Jahren wurde die junge Schwerterin vom türkischen Fußballverband entdeckt – seither kickt sie für die U17-Nationalmannschaft der Türkei. Als Mittelfeldspielerin, als Zehner. „Ein Spiel aufbauen zu können, ihm den eigenen Stempel aufzusetzen, das macht Spaß“, sagt Gözde Arslan.

Gözde Arslan ist süße 16 Jahre alt. Und doch hat sie schon erreicht, wovon viele Gleichaltrige noch nicht einmal zu träumen wagen. Nationalspielerin, das ist doch was. Sie bestreitet Trainingslager, Spiele und Turniere für das Land ihrer Groß- und Urgroßeltern. Und doch will sie noch mehr. Das heißt: Nicht unbedingt mehr, sondern Anderes. „Am liebsten möchte ich für die deutsche Nationalmannschaft spielen“, sagt Gözde Arslan. Und sie setzt sich auch gleich das nächste große Ziel: „Bei der nächsten WM möchte ich für Deutschland auflaufen.“

Vom Ballett zum Fußball

Doch von vorn: Als vor sechs Jahren ihre Schwester Akin mit dem Fußballspielen begonnen hatte, ist Gözde einfach mitgegangen. Nur: „Meine Eltern wollten das gar nicht“, sagt sie. Nicht etwa, weil sich Papa und Mama keine Mädchen auf dem Fußballplatz vorstellen konnten. Sondern: „Ich hab geturnt und Ballett getanzt. Für mein Alter war ich noch sehr, sehr klein.“ Und doch lebte Gözde Arslan schon damals ihren Traum. Sie besuchte weiter das Training von ETuS/DJK Schwerte. Und weil es dort zu diesem Zeitpunkt keine Mädchenmannschaft gab, kickte sie einfach mit den Jungs der E-Jugend. Wenig später gründete sie zusammen mit Freundinnen die erste U14-Mädchenmannschaft von ETuS/DJK.

Doch ihr sportlicher Weg führte schnell weiter. Zum SV Holzwickede, nach Berghofen, nach Lütgendortmund. Dort, in der Dortmunder Hochburg des Frauenfußballs, spielt sie augenblicklich für die U17 in der Regionalliga. Augenblicklich: Denn auch dort soll noch längst nicht die sportliche Endstation erreicht sein. „Ich hab Angebote von Gütersloh und Essen-Schönebeck“, sagt sie. Dort könnte der nächste Traum in Erfüllung gehen. Frauen-Bundesliga. Ein weiterer Schritt in Richtung Nationalmannschaft?

Immer am Ball: Fußball-As Gösde Arslan beim Training. (Foto: privat)

Wochenenden auf dem Platz

„Fußball ist mein Leben“, schwärmt die 16-jährige Geiseckerin. Von ihrer sport- und fußballverrückten Familie wird sie dabei mächtig unterstützt. Dreimal pro Woche wird sie zum Training nach Lütgendortmund gebracht, einmal zum Privattraining nach Hohenlimburg. Und an den Wochenenden stehen Spiele und Turniere auf dem Programm. „Wir sind an den Wochenenden eigentlich nur auf Fußballplätzen“, sagt Gözde und grinst, wie wohl nur Gözde grinsen kann. Die Familie reist zu ihren Spielen, zu denen ihres Bruders und ihrer Schwester. Ein Leben für den Fußball.

Ein Leben jedoch auch, dass den Fußball nicht über alles stellt: „Papa sagt immer: Schule geht vor“, sagt Gözde Arslan. Aber weil es in der Schule ganz prima klappt, darf sich Gözde weiter so intensiv auf den Fußballplätzen tummeln.

„Mach’ uns stolz“

Apropos Schule: Dort, in der Gesamtschule Schwerte, wird sie in Sachen Fußball unterstützt. „Bei Trainingslagern oder Spielen für die Türkei werde ich freigestellt“, sagt sie. Natürlich muss sie dort auch lernen, aber niemand hat etwas dagegen, dass die Mittelfeldspielerin für ein zwei Wochen im Land ihrer Ahnen kickt. Als die erste Freistellung für ein Trainingslager genehmigt worden war, bekam sie folgende Worte mit auf den Weg: „Geh‘ los und spiel, mach uns alle stolz und dann komm zurück.“

Sie kam zurück. Immer. Bisher. Denn im Sommer wird sich einiges ändern. Dann hat sie die Fachoberschulreife in der Tasche. Und sie möchte die Schule wechseln, um ihr Abitur beispielsweise in Unna zu machen. „Eine andere Schule, andere Mitschüler – genau das Richtige für einen neuen Lebensabschnitt“, sagt sie.

Aber vielleicht kommt alles noch einmal ganz anders. Wenn die Bundesliga-Frauen von Gütersloh oder Essen-Schönebeck die junge Frau, die im August 17 Jahre alt wird, an sich binden möchten, wird‘s schwierig mit dem Abi in der Heimat. „Vielleicht doch ein Fußball-Internat“, überlegt Gözde Arslan.

Ganz gleich, was die Zukunft bringt. Gözde Arslan möchte immer weiter. Schulisch: „Erst das Abitur, dann Sport studieren.“ Sportlich: „Die Nationalmannschaft“, sagt sie. „Die deutsche Nationalmannschaft.“

Immer auf dem Teppich bleiben

Und auch bei den größten Erfolgen möchte Gözde Arslan immer ein Kumpel, eine gute Freundin bleiben. Und nicht abheben, wie so mancher namhafte Fußballspieler. Als sie Nuri Sahin zum ersten Mal getroffen hatte, umschwärmte sie ihn wie viele andere Nachwuchs-Fußballspielerinnen. Als sie ihm sagte, dass sie auch für die Türkei spielt, machte er dicht und nahm sie nicht ganz ernst. „Mann, war der arrogant“, sagt sie. Nein, das soll ihr nicht passieren, wenn sie erst einmal bei den Frauen in der Nationalmannschaft kickt – in der deutschen Nationalmannschaft natürlich.