Hansepreis für Eberhard Vickermann

Schwerte. (as) „Tätigkeit bringt vielleicht nicht immer Glück. Aber es gibt auch kein Glück ohne Tätigkeit.“ Diese Sätze werden Benjamin Disraeli, britischer Premier aus dem 19. Jahrhundert, zugeschrieben. Heute könnten sie aus dem Mund von Eberhard Vickermann kommen…

Ein Mann und sein Ehrenpreis: Ein Jahr lang darf Eberhard Vickermann nun die Pannekaukenfrau zu Hause in Ehren halten. (Foto: A. Schneider)

Geackert hat er eigentlich schon immer – auf dem elterlichen Hof, bei der Schlosser-Lehre, auf der Schule für spätberufene Glaubensbrüder, wo er sein Abitur nachholte, aber dann doch am Zölibat scheiterte, an der Uni, bei seinen sozialen Praktika im Knast, in Krankenhäusern und Verwaltungen, bei der Arbeit im Jugendamt und als Standesbeamter in Hemer. Das höchste Glück bescherte ihm jetzt jedoch eine Tätigkeit, die er eher unscheinbar, im Hintergrund und ehrenamtlich leistet.

Sehr stolz

Der Hanseverein verlieh Eberhard Vickermann während des Pannekaukenfestes die „Pannekaukenfrau“, den Ehrenpreis also, mit dem Menschen bedacht werden, die sich mit persönlichem, sozialen Engagement zum Wohle der Allgemeinheit und für benachteiligte Personen einsetzen. Mehr als 40 Jahre lang unterstützt Eberhard Vickermann die Altkleider- und Altpapiersammlungen des Aktionskreises Pater Beda, seines Bruders. Mehr noch, er ist das Schwerter Gesicht und der Motor des Aktionskreises. „Als ich von dem Preis erfuhr, war ich verblüfft“, gesteht Eberhard Vickermann. „Doch jetzt bin ich glücklich – und sehr stolz, dass ich der dritte Preisträger sein darf.“

Eberhard Vickermann wäre nicht Eberhard Vickermann, wenn er dieses Glück nun schweigend genießen könnte. „Ich bin zwar ausgezeichnet worden, doch eigentlich ist der Preis doch für uns alle gedacht“, betont er. „Uns alle“, das sind all die vielen Helfer im Hintergrund. „Bei jeder Aktion sind über 60 Jugendliche dabei, die das Papier und die Altkleider einsammeln“, erklärt er. Wie wichtig deren Engagement ist, führt er auch gleich aus: „Ohne sie ginge nichts“, sagt er. Mit den jungen Helfern versteht er sich gut: „Wir können uns aufeinander verlassen.“ Sein Dank richtet sich zudem an all die spendenbereiten Bürgerinnen und Bürger, an Firmen, an Fahrzeughalter, die ihre Fahrzeuge für die Sammlungen zur Verfügung stellen, an Landwirte und an das Team vom Bauhof.

Ein würdiges Leben ermöglichen

Quirlig ist Eberhard Vickermann – und rührig. Schon jetzt plant er mit seinem Team vom Aktionskreis Pater Beda die nächste Sammlung am 8. Dezember 2012. Eberhard Vickermann zählt nach: „Es ist schon unsere 87. Aktion.“ Und er zieht zufrieden Bilanz: „Wir haben eine Menge erreicht“, sagt er. In den Dürregebieten im Nordosten Brasiliens bemühen sich Pater Beda und sein Aktionskreis, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Der innige Wunsch: Kindern, Jugendlichen, aber auch Erwachsenen ein würdigeres Leben zu ermöglichen. Mit den Sammlungen bereitet der Aktionskreis den Boden, dass die Helfer vor Ort Kurse und Lehrgänge anbieten können, mit denen sie Menschen befähigen, für den eigenen Lebensunterhalt zu sorgen. Sie geben Unterricht, bieten Nachhilfe an. Sie gründen Lesekreise und Nähschulen, in denen gerade Mädchen eine Perspektive bekommen. Sie unterstützen ländliche Kleinstbetriebe und Werkstätten für die Anfertigung von Kunst und Gebrauchsgegenständen.

„Tätigkeit bringt vielleicht nicht immer Glück. Aber es gibt auch kein Glück ohne Tätigkeit.“ Der Aktionskreis um Eberhard Vickermann gibt den Menschen, die es sehr schwer haben, die kleine Chance, tätig sein zu können. Ein Wunsch des rührigen Pensionärs wäre, den Menschen nun ein klein wenig von dem Glück abtreten zu können, das er mit der Verleihung des Hanseverein-Ehrenpreises erfahren durfte.